22.11.2021 - 17:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Weihnachtsmarkt-Absage in Amberg: Existenzängste und Suche nach Alternativen

Wochen lang vorbereitet, mit dem Ofenrohr ins Gebirge geguckt. Diese Erfahrung haben die Aussteller gemacht, die damit gerechnet hatten, dass der Amberger Weihnachtsmarkt stattfindet. Ein Veranstalter hält mit dem "Winterhoffest" dagegen.

Verrammelte Buden: Mehr Weihnachtsmarkt-Feeling werden die Amberger heuer wohl nicht bekommen. Für die Fieranten des geplanten Markts wird das zu einer existenziellen Bedrohung.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

In der Pressekonferenz am vergangenen Freitag ließ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Bombe platzen: In Bayern wird es heuer keine Weihnachtsmärkte geben. Während dieser für sie verhängnisvollen Minuten starrten mitten am Marktplatz Andreas Raab, Verantwortlicher für den Amberger Weihnachtsmarkt und Vorsitzender der Amberger Park- und Werbegemeinschaft (PWG), und die Warenhändler, die eigentlich am geplanten Weihnachtsmarkt teilnehmen wollten, gebannt auf die Bildschirme ihrer Smartphones. Die Absage kam einem Schlag ins Gesicht für alle Beteiligten gleich. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt Raab, dass er am Freitagabend erst mal ins Wirtshaus gegangen ist, um den Schock zu verdauen.

Existenz steht auf dem Spiel

Raab sagt: "Da wurde einfach mal so beschlossen, dass einigen meiner Fieranten die existenzielle Grundlage unter den Füßen weggezogen werden soll." Dabei habe Raab mitnichten blauäugig einen Weihnachtsmarkt so geplant, wie er vor der Corona-Pandemie üblich war. Anders als bislang, hätten Raab und sein Team erst am vergangenen Donnerstag, also einen Tag vor der Presseerklärung des bayerischen Ministerpräsidenten und deutlich später als üblich, damit begonnen, die Buden auf den Marktplatz zu bringen. Raab: "Wir hatten am Abend noch einmal ein Fieranten-Treffen, bei dem wir eine außergewöhnliche Aufstellung beschlossen haben, so dass wir auch bei 2G oder 2G-plus noch einen Weihnachtsmarkt veranstalten können." So sei es geplant und bis zum endgültigen Aus am Freitag auch umgesetzt worden. Ziel sei es gewesen, dass die einzelnen Sortimente, also unter anderem Essensbuden und Handwerkerstände, in voneinander getrennte Areale unterteilt werden. Zäune, Schleusen und Sicherheitskräfte hätten dann dafür gesorgt, dass sich die einzelnen Abteile nicht vermischen.

Das alles seien Voraussetzungen gewesen, damit der Markt auf jeden Fall hätte stattfinden können. Einzige Ausnahme wäre laut Raab ein Lockdown gewesen. Dementsprechend sagt er: "Das, was jetzt beschlossen wurde, kommt für uns einem Lockdown gleich."

3G einzige wäre Möglichkeit gewesen

Wie die Amberger Zeitung bereits vor einiger Zeit berichte, hatte sich Raab einer enormen Welle wütender Anrufe und Kommentare aussetzen müssen, nachdem er bekanntgegeben hatte, dass der Amberger Weihnachtsmarkt heuer unter 3G-Bestimmungen stattfinden soll. Dazu sagt Raab: "Uns war schon Wochen vorher klar, dass wir den Markt überhaupt nur unter 3G-Regeln abhalten können. Sonst hätten wir erst gar nicht aufgebaut. Wir wollten ein Konzept, bei dem wir alle Varianten und Vorschriften hätten spielen können." Trotz des Aufwands ist Schicht im Schacht für den Weihnachtsmarkt.

Amberger Weihnachtsmarktveranstalter bekommt Kritik nach Ansage, dass 3G gelten soll

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Der Stress und die Arbeit, die nun höchstwahrscheinlich völlig umsonst gewesen sein werden, lassen auch den hartgesottenen Weihnachtsmarktveranstalter Raab nicht kalt. Er sagt: "Als die Absage kam, war ich selber stark berührt. Ich musste in den vergangenen Wochen so viele Varianten durchspielen. An einem Weihnachtsmarkt hängt so ein Rattenschwanz. Und jetzt kommt so eine Ansage, obwohl immer signalisiert wurde, dass Weihnachtsmärkte stattfinden."

Doch wie es nun weitergeht, ist noch nicht vollkommen klar. Wie Raab weiter verrät, werden sich die Veranstalter des Weihnachtsmarkts bis spätestens Mittwoch mit Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny zusammensetzen, um nach einer Lösung zu suchen, die zumindest einen Teil der Schäden von den Ausstellern abwenden soll.

Raab zufolge wären beispielsweise einzelne Buden, die als Einzelhandel durchgehen, denkbar, die man mittels einer Sondergenehmigung über die Altstadt verteilen könnte.

"Winterhoffest" soll stattfinden

Heißt das, dass die Amberger Weihnachtsstimmung heuer komplett flachfällt? Nicht ganz. Toby Mayerl von TNT-Productions hält am "Winterhoffest" fest. Die Veranstaltung findet am Mittwoch im Innenhof des Herrnstraßen-Gebäudes mit den Hausnummern 6 bis 8 statt. Mayerl sagt: "Wir glauben, dass wir das machen können, zumindest laut dem, was wir aus Markus Söders Presseerklärung herauslesen konnten." Sicherheit darüber, dass der Plan auch umgesetzt werden kann, bekommt Mayerl natürlich erst, wie er selber sagt, nach der Regierungserklärung am Dienstag. Nichtsdestotrotz bleibt es für ihn zunächst dabei. Für die Veranstaltung gilt: 2G-plus, das heißt: Es sind nur geimpfte oder genesene Personen zugelassen, die zusätzlich einen Schnelltest aus der Apotheke nachweisen können. Das Programm: Neben Moritz, Veronika und Xaver Bauer die durch die Sat1-Musikshow "The Voice Kids" bekannt sind, spielen bei Glühwein, brasilianischem Essen und weihnachtlicher Deko auch Il Duo Italiano und die Ramona Fink Gospel-Group.

Baumpaten gefunden

Das Amberger Stadtmarketing hat auch in diesem Jahr wieder nach Baumpaten für das Projekt "Amberger Winterzauber" gesucht. Wie Ina Bogner vom Stadtmarketing mitteilt, sind die von der Stadt angebotenen 200 Bäume bereits vergeben. "Die Nachfrage war heuer tatsächlich so groß, dass wir das gar nicht hätten voraussehen können", erklärt sie. Seit Freitag seien die Bäume auch schon im Stadtgebiet aufgestellt. Das heißt: Wer Lust hat und noch einen freien Baum findet, kann diesen nach Herzenslust schmücken.

Lesen Sie hier den Kommentar von Wolfgang Ruppert zur Absage des Amberger Weihnachtsmarkts

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So hätte der Amberger Weihnachtsmarkt unter 3G-Regeln laufen können

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Info:

Das Hin und Her um die Weihnachtsmärkte

  • Anfang November hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nur zurückhaltend bei einer möglichen Weihnachtsmarktabsage argumentiert. Er forderte bundeseinheitliche Regeln.
  • Gleichzeitig hatte der Deutsche Schaustellerbund eine Maskenpflicht auf Weihnachtsmärkten zunächst abgelehnt. Präsident Albert Ritter sagte: „Weihnachtsmärkte sind nicht der Ballermann auf Mallorca.“
  • Am Freitag, 19. November, verkündete Söder die Absage aller Weihnachtsmärkte in Bayern. Der Ministerpräsident kündigte ein Überbrückungsgeld für Marktleute und Schausteller an.
  • Der Pressesprecher des Landesverbands der Marktleute und Schausteller für Nordbayern, Werner Baumeister, bezeichnete den Entschluss als „schwere Katastrophe“.

 

 

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