08.12.2020 - 18:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Die wertvollen Fenster der Amberger Basilika werden in Paderborn restauriert

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Die wertvolle Glaskunst wird erst einmal durch schlichtes Plexiglas ersetzt, damit Regen und Schnee draußen bleiben: In der Amberger Basilika St. Martin werden die Kirchenfenster ausgebaut. Sie werden in Paderborn restauriert.

Hier ist das Fenster schon ausgebaut. Ein Innengerüst verschafft den Experten Zugriff auf die wertvollen Glas-Kunstwerke, zum Beispiel mit einer Josef-Darstellung. Im Hintergrund zu sehen sind die Folien. Diese und die dahinter liegenden Schichtholzplatten mit Plexiglaseinsätzen sollen vor allem Regen und Schnee abhalten, so lang die Fenster in Paderborn restauriert werden.
von Heike Unger Kontakt Profil

Der Gerüst-Aufbau an der Rückseite der Amberger Basilika hatte in der vergangenen Woche signalisiert, dass ein neuer Abschnitt der Sanierung beginnt. Arbeiten an der Außenfassade gehören dazu, sind allerdings während der Frostperiode nicht möglich. Aber die Restaurierung der Fenster läuft den Winter über. Auch diese Arbeiten gehen etappenweise über die Bühne. Die Glasmalerei Peters Studios aus Paderborn kümmern sich jetzt zunächst einmal um die ersten sechs Fenster, danach folgen reihum die anderen. Zwei Fenster im Bereich hinter dem Altar sind schon fertig, sie waren quasi Testobjekte, um festzustellen, was bei diesem Projekt auf die Beteiligten zukommt. Die Experten haben hier einiges vor sich: 14 Obergadenfenster (die obere Reihe im Kirchenbau) und 15 Kapellenfenster (die untere Reihe) werden restauriert.

Fenster und Außenfassade: Sanierung von St. Martin geht weiter

Amberg

An diesem Dienstagmorgen hält Markus Kleine, der Leiter der Restaurierungsabteilung bei Peters, gerade eines der Fensterteile mit einer kunstvollen Figuren-Darstellung in den Händen, als Kirchenpfleger Josef Beer bei ihm in der Basilika vorbeischaut. Kleine schwärmt von den "hochwertvollen Fenstern" der Amberger Basilika. Sie stammen alle aus dem 19. Jahrhundert, sind innerhalb dieser Epoche aber zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Die Exemplare, mit denen sich Kleine gerade beschäftigt, seien wohl um 1895 zu datieren, sagt der Fachmann. Jedes Fenster ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt, die jetzt vorsichtig ausgebaut und zur Restaurierung nach Paderborn gebracht werden.

"Die Fenster sind sehr empfindlich"

Den Ausbau bereiten Reinhard Marr und seine Kollegen von Bauer-Bornemann, einer Fachfirma für Steinrestaurierung aus Bamberg, vor: Sie entfernen die alten Mörtelfugen, mit denen die Fenster im Mauerwerk eingeputzt sind. "Dabei muss man sehr vorsichtig arbeiten", erklärt Marr, "denn die Fenster sind sehr empfindlich". Teilweise sei der alte Mörtel brüchig, teilweise aber auch sehr hart. und an einigen Stellen fehlt er sogar ganz, so dass Feuchtigkeit eindringen konnte. Damit die draußen bleibt, so lange die Fenster ausgebaut sind, schließen die Stein-Experten die leeren Fensteröffnungen in der Fassade vorübergehend mit Schichtholzplatten und Plexiglasscheiben, die Licht in die Kirche lassen. Außerdem werden Folien gespannt: Es geht weniger um die Kälte, sondern um Schutz vor Regen und Schnee im Winter, wie Maar erklärt.

Sind die Fugen entfernt, übernimmt Markus Kleine die wertvollen Fenster. Die sind schon alle kartiert und in Augenschein genommen worden, weshalb der Experte bereits einen Überblick über ihren Zustand hat. Genaueres zeigt sich aber erst, wenn die Glaskunst in Paderborn noch einmal genau untersucht wird, auch mit einem Mikroskop. Doch schon jetzt kann Kleine sagen, was die Probleme sind: Schmutzablagerungen aus Staub und Ruß innen, matt gewordenes Glas, kleine Schäden und Sprünge am und im Glas, dazu teilweise auch schadhafte Bleistege. Diese Kunstwerke bestehen zum Teil aus durchgefärbtem, zum Teil aus überfangenem oder bemaltem Glas. "Sehr feingliedrig" seien die Malereien, lobt Kleine und zeigt auf die Gesichtszüge oder den detailliert dargestellten Bart der Josef-Darstellung auf dem Stück Fenster, das er gerade in den Händen hält.

Schutzhaut aus Spezialglas

Verwendet wurden Antikgläser (mundgeblasen) und Kathedralglas (gewalzt), die die typischen Strukturen mittelalterlichen Glases imitieren. Nach der Restaurierung bekommen die kostbaren Fenster noch eine spezielle Schutzverglasung "vorgehängt", die Kondenswasser abhalten soll. In Verbindung mit dem Blei der Stege kann Wasser nämlich Zersetzungen auslösen. Weil die Fensterteile von St. Martin ungewöhnlich groß sind, ist das eine besondere Herausforderung, wie der Fachmann erklärt. Mundgeblasenes Glas und Fensterglas werden zum Sicherheitsglas verbunden. In dieser Größe ist dies, vor allem wegen des mundgeblasenen Teils, für die Glashütten durchaus eine Herausforderung mit entsprechend langen Lieferzeiten, wie Kleine sagt. Diese besondere Glasverbindung bringe eine "Bewegung und Lebendigkeit" mit sich. Normales Fensterglas hätte dagegen einen "toten Charakter", so aber "lebt die Kirche", wenn die Fenster gereinigt, überarbeitet und konserviert sind.

Nicht ganz so aufwendig wird es bei den Rundglasfenstern ohne bildliche Darstellungen. Doch auch wenn sie auf den ersten Blick so aussehen, als seien sie "nur weiß mit ein bisschen Braun" seien hier auch zehn verschiedene Farbtöne gemischt, verrät der Fachmann. Auch hier würde einfaches weiße Glas "charakterlos" wirken. Der Zustand sei "von Fenster zu Fenster ganz unterschiedlich", erklärt Kleine: "Einige sind in sehr gutem Zustand, andere haben größere Schäden" und manche seien auch schon nicht sehr gelungen ausgebessert worden. "Das ist ein bisschen schade" bedauert Kleine mit Blick auf eine Herz-Jesu-Darstellung, die in der Vergangenheit einen neuen Kopf bekommen hat, was aber "leider nicht so gut gelungen" sei. Bis Weihnachten sollen die ersten sechs Fenster ausgebaut sein, um sie dann zu restaurieren. Die Kosten liegen laut Kirchenpfleger Beer bei 250.000 bis 270.000 Euro.

Kommentar zur Sanierung der Basilika St. Martin in Amberg

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