„Die Oberpfalz (Stoapfalz) ist steinreich“ besagt eine gängige Redewendung und tatsächlich ist es so. Nur, dass man allenfalls weiß, dass es viele Steine auf den Äckern und vielleicht Granitvorkommen im Bayrischen Wald gibt. 400 Kilometer weiter weg im Hunsrück gibt es in Idar-Oberstein eine Edelsteinmine. Aber, dass es richtige Schätze hier in der Umgebung gibt und nicht nur Allerweltssteine, ist im Allgemeinen nicht bekannt. Dabei gibt es vom Marmor bis hin zum Jaspis, Chalzedon, Karneol, Achat, Amethyst und vielen anderen ein großes Spektrum an Rohmaterial, das man für Schmuck verwenden kann. Pfarrer Haußmann aus Ammerthal kam diesem Wissen im Laufe der Jahre auf die Spur.
Anfänge in der Kindheit
Wie viele andere Kinder auch fand der in Amberg Aufgewachsene Steine mit ihren Mustern interessant. „Ich versuchte sie sogar zu schleifen. Das waren aber eher dilettantische Versuche,“ beschreibt er dies im Nachhinein. Es mangelte natürlich auch an den Geräten, die eine bessere Bearbeitung ermöglicht hätten. Später in seiner Zeit als Kaplan nahm er die Sache erneut in Angriff. Auch da war es nur ein Schwingschleifer, der noch nicht die Ausarbeitung bot, die sein heutiges Werkzeug hat. Der vielseitig handwerklich begabte Pfarrer fand die romanischen Kreuze im Stile des Lothar- oder Reichskreuzes, die reichlich mit Edelsteinen ausgestattet sind, als Kunstgegenstände beeindruckend. „Diese Machart gibt es heute nicht mehr. Es sollte kaum etwas ähnliches die letzten 1000 Jahre hergestellt worden sein,“ erklärt er. Das Kreuz hat einen Holzkern, der mit Goldblech verkleidet ist und in dem die Gemmen eingearbeitet werden. Gold ist jedoch teuer. Er nahm Kupferblech. „Das war bei mir Dachrinnenkupfer vom Klempner. Ein Kirchengoldschmied hat es mir vergoldet. Die filigranen Drähte habe ich selbst geflochten und durch die einzelnen Blechplatten gezogen und verknotet. Es ist wie im Original. Nichts ist gelötet. Es wurde um den Holzkern mit Druck und Zug befestigt,“ beschreibt er die Technik. Die Edelsteine waren noch nicht aus heimischen Gefilden. Er glättete die Rohlinge mit einem Schwingschleifer im Cabochon-Schliff und setzte sie in das Blech ein. „Das Kreuz begleitet mich überall mit hin. Zu allen Pfarrgemeinden,“ berichtet er. Deren gab es so einige, wie zum Beispiel Weiden, Schwandorf, Friedenfels. 1990 wurde das Kreuz fertiggestellt. Danach ruhte das Hobby für viele Jahre. Es kam die Coronazeit. „Bedingt durch diesen „Hausarrest“ besann ich mich wieder auf die Steine,“ erzählt er. Jetzt wurde eine Schleifmaschine angeschafft. „Die gibt es für 350 Euro,“ fährt er fort. „Noch professionellere kosten 2000 Euro und mehr. Damit kann man noch ganz andere Körper und Facettenschliffe formen. Aber sowas brauche ich nicht.“
Eine leicht erlernbare Kunst
Alte Klamotten, Ohrenstöpsel, Schutzbrille und eine Staubschutzmaske. Und schon kann es losgehen. „Den Atemschutz sollte man unbedingt nutzen. Der ist unerlässlich. Gerade, wenn man so einige Stunden schleift, muss man seine Lungen schützen. Die Silikose, die man sich holen kann, war eine gefürchtete Bergmanns- und Steinmetzkrankheit. Diese Leute wurden auch nicht alt,“ klärt er auf.
Vom Steinschleifer zum Geologen
Wenn man sich der Lapidärtechnik (Steinschleifkunst) widmet, befasst man sich auch mit der Herkunft der Objekte, also der Steine. Pfarrer Haußmann las viel Literatur dazu und erweiterte sein Wissen. So erfuhr er, dass man nicht in die Ferne reisen muss, denn die (schönen) Steine sind so nah. Ganz in seiner Nähe, nur höchstens zwei Kilometer entfernt, findet man den Dolomit, einen weißen Stein, der sich gut verarbeiten lässt. „Marmor gibt es rund um Wunsiedel. Im Naabtal findet man Lydit und im Raum Schwandorf bei Wölsendorf wurden Fluorit und kleine Amethyste abgebaut,“ berichtet er. „Leider wurde die Grube, die vor 50 Jahren noch frei zugänglich war, zugemacht. Wie so manch anderes Abbaugebiet. Das ist schade,“ bedauert er. „Auf den Äckern ringsum liegen aber noch genügend Steine, wenn man einen Blick dafür gewinnt. Man sollte aber den Eigentümer fragen, ob man auf seine Äcker darf,“ berichtet er. Im Umland von Erbendorf, Hirschau oder Pfreimd kann man Chalzedon oder Jaspis und Karneol finden. Auch Achate in verschiedenen Farbschattierungen sind keine Seltenheit. Mit den Fundstücken geht es nach Hause, und wann immer er einen freien Tag hat, setzt er sich an seine Fräsmaschine. Erst mit groben Schleifsteinen und dann immer feinere, glattere zum Polieren. Bis zu 10 Stunden sitzt er an einem Schmuckstück. Über 300 Stück hat er schon gefertigt. Mit einer einfacheren Ausstattung, wie er sie besitzt, lassen sich hauptsächlich Werkstücke im Cabochon Schliff, auch mugeliger Schliff genannt, fertigen. Aber auch damit kann man schon vieles gestalten. Es sind wunderschöne Anhänger, in die er auch Bergkristalle oder andere Steinchen einarbeitet. Außerdem hat er schon ein ganzes Ostereiersortiment und Kugeln geschaffen. „Da muss man aber schon sehr sorgfältig sein, damit das präzise wird,“ schildert er seine Fortschritte. Besondere Stücke sind die Steinlöffel. „Das ist aber schon sehr kompliziert. Und die brechen leicht am Stiel, bei aller Erfahrung. Da hilft auch kein Schimpfen. Da muss man wieder von vorne anfangen,“ berichtet er auch von seinen Misserfolgen, die aber zu jeder Arbeit dazugehören.




















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