10.11.2020 - 10:59 Uhr
ArzbergOberpfalz

Der Otto sitzt auf seinem Platz

Da Corona Feiern unmöglich macht, übergab der Bürgermeister in einem kurzen Akt die Skulptur des Arzberger Dichters Otto Schemm der Öffentlichkeit. Ein Platz trägt nun seinen Namen.

Bürgermeister Stefan Göcking, Muck Schemm, Künstlerin Annette Hähnlein, Dritter Bürgermeister Michael Fuchs und Zweite Bürgermeisterin Marion Stowasser-Fürbringer (von links) waren bei der Übergabe der Skulptur dabei.
von Autor FPHProfil

Statt einer Feier zur Einweihung des Otto-Schemm-Platzes gab es wegen der Corona-Regeln nur ein kurzes Treffen im kleinen Kreis zur Übergabe der Schemm-Figur an die Öffentlichkeit. Da sitzt er nun, der Schemm Otto. Absichtlich ein bisschen größer und wuchtiger, als er tatsächlich war, dargestellt aus künstlerische Perspektive und doch erkennbar auf den ersten Blick.

Er hat seine Brille auf, ein Buch unter dem Arm, lächelt und schaut hinüber zur Bäckerei Gollner. Otto Schemm hat deren Senior-Chef Horst Gollner vor vielen Jahren als Lehrer unterrichtet. Vielleicht schmunzelt die Figur, weil sie daran denkt, dass es dem kleinen Horst so gar nicht gefallen hat, zur Schule zu gehen. Am Anfang jedenfalls. Später war alles in bester Ordnung. Es könnte aber auch sein, dass der Otto aus Beton so freundlich schaut, weil er im Jahr seines 100. Geburtstags und 24 Jahre nach seinem Tod wieder da angekommen ist, wo er jahrzehntelang mit seiner Familie gelebt hat.

Eine schöne Feier hätte es werden sollen. Mit Musik, "Deas-Gschichtn"-Lesen, vielen Gästen und Reden, die Schemms Wirken würdigen. Doch Corona macht in diesem Jahr auch den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung, die an den 100. Geburtstag von Otto Schemm erinnern wollten. Auch der Stadt Arzberg. Sie hat per Beschluss des Stadtrats den neu geschaffenen Platz zwischen der Thiersheimer Straße und der Wilhelmstraße dem Arzberger Mundartschriftsteller gewidmet. Denn er wäre am 27. Mai 100 Jahre alt geworden.

Zum 100. Geburtstag von Otto Schemm gab es einen vergnüglichen Abend im Waldershofer Leseclub

Waldershof

Die Fichtelgebirgsmuseen haben Schemm aus diesem Anlass eine aufwendig gestaltete Ausstellung im Volkskundlichen Gerätemuseum Bergnersreuth gewidmet, die mit einigen Veranstaltungen begleitet hätten werden sollen. Sie mussten alle abgesagt werden. Ein Erinnerungsabend mit Musik, Theater, Lesungen und Interviews fand bereits Ende vergangenen Jahres statt.

Bürgermeister Stefan Göcking wollte nicht nur einfach den Platz nach Otto Schemm benennen, sondern die Wertschätzung auch nach außen sichtbar machen. Deswegen setzte er sich mit der Bibersbacher Künstlerin Annette Hähnlein in Verbindung und fragte an, ob sie eine Plastik des Mannes gestalten könne, der in so vielfältiger Weise von Arzberg aus die regionale Kultur und den Dialekt erhalten und weiterverbreitet hat. Und so kann man ihn nun bewundern, den Schemm Otto – auf dem Platz, der seinen Namen trägt, und an dem der Rektor jahrzehntelang auf seinem Weg zur Schule vorbeigegangen ist.

Annette Hähnlein hat den Autor und Liedersammler, Rundfunksprecher und Schauspieler in Beton gearbeitet, in einer typischen Pose: mit einem Buch unter dem Arm. „Es war eine Herausforderung für mich, eine bekannte Persönlichkeit zu formen, die viele Menschen noch wirklich kannten, ich aber nicht. Denn ich habe Otto Schemm nie persönlich getroffen“, sagt die Künstlerin. Schemms jüngste Tochter Muck habe sie aber gut dabei unterstützt, den Charakter ihres Vaters in der Figur zu treffen. „Wir haben die Gesichtszüge immer wieder abgestimmt, per Handy und bei mehreren Besuchen Mucks auf unserem Hof in Bibersbach, auch zusammen mit Bürgermeister Göcking.“

Bereits bevor die Statue auf dem Schemm-Platz aufgestellt worden ist, hätten mehrere Besucher bei ihr zu Hause sie darin bestärkt, dass sie auf dem richtigen Weg ist. „Das schönste Kompliment, das ich bekommen konnte, war, dass immer wieder Leute auf unseren Hof kamen, den Otto sitzen sahen und ihn begrüßt haben mit  ,Servus Otto´, oder ,Da sitzt doch der Schemm Otto´. Und sie hatten nicht gewusst, dass er das wirklich sein sollte.“ Für die Darstellung mit dem Buch unter dem Arm habe sie sich entschlossen, so Annette Hähnlein, da Schemm ja vor allem als Mundartautor bekannt gewesen sei.

Modelliert hat die Künstlerin das Standbild mit einem Styropor-Kern im Inneren der Figur. Dieser wurde dann ummantelt und geformt mit Beton. Ein Schlussfirnis sorgt für gute Haltbarkeit. Den letzten Schliff verpasste Annette Hähnlein der Statue mit dem Auftragen von Farbe und Schattierungen. Nach einer Phase des Trocknens wurde die Plastik mit der Betonmauer zwischen den Bänken auf dem Schemm-Platz verschraubt und festgeklebt.

„Ich glaube, dass sich mein Vater unheimlich darüber freuen würde, wenn er sich da sitzen sehen könnte“, sagt Muck Schemm. „Und meine Mutter würde sich wahrscheinlich jeden Tag mal zu ihm hinsetzen.“ Es sei wirklich eine sehr große Ehre für die Familie, dass die Stadt Arzberg einen Platz nach Otto Schemm benennt und zudem noch ein Denkmal setzt. Sie selbst, ihre Schwester Inge und ihre Nichte Karin seien der Stadt sehr dankbar für diese außergewöhnliche Würdigung und der Künstlerin für die gute Arbeit.

Bei der offiziellen Übergabe der Plastik erinnerte Bürgermeister Stefan Göcking daran, wie sein Vorschlag und schließlich die Skulptur Gestalt annahmen. Er sei von einem Entwurf der Stadtplaner für den neuen Platz inspiriert worden, auf dem eine Bank mit zwei Puppen eingezeichnet gewesen sei. Er bedankte sich bei Annette Hähnlein, die die Idee hervorragend umgesetzt habe. Die Schemm-Figur sei bestimmt nicht das letzte gemeinsame Projekt, denn Kultur im öffentlichen Raum könne eine Stadt wie Arzberg noch viel mehr brauchen. Göcking bedankte sich auch bei Petra Geigner, die das hinter der Figur hängende Banner gestaltet hat. Darauf zu sehen sind ein Linolschnitt vom Gesichts des Dichters und das Schemm-Motto: „Nea niat naougebm“. Und das gilt nach Ansicht von Göcking generell - gerade auch in Zeiten von Corona.

Hintergrund:

Auch in Brand Otto-Schemm-Platz

Die Stadt Marktredwitz hat im Frühjahr ebenfalls einen Platz nach Otto Schemm benannt, und zwar in seinem Geburtsort Brand. Auch damals konnte wegen der Corona-Pandemie keine Feier stattfinden.

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