18.11.2021 - 14:36 Uhr
Aschach bei FreudenbergOberpfalz

Diese Gräber waren schon lange vor den Römern da

So ein Hügelgrab, das hält schon was aus. Ungefähr 2500 Jahre haben die bei Aschach auf dem Buckel. Wenn aber schweres Gerät kommt, dann ist tausendjährige Geschichte schnell mal platt.

Markus Raum (rechts) und seine Wanderguppe auf einem Hügelgrab bei Aschach. Im Vordergrund liegen Steine, die wohl einst beim Aufschütten verwendet wurden.
von Autor (gri)Profil

Der Wald zwischen Aschach und Lintach ist Waldbuckelland. Immer wieder tauchen zwischen den stämmigen Kiefern und Fichten Erdhügel auf. Sie haben einen Durchmesser von fünf bis zehn Metern und sind an manchen Stellen bis zu zwei Meter hoch. "Alles Hügelgräber", wie Markus Raum am Sonntag bei einer heimatkundlichen Wanderung durch den Vormittagsnebel erklärte. Die AOVE hatte zu der rund eineinhalbstündigen Tour eingeladen.

Das Hügelgräberfeld bei Aschach ist ein Zeugnis längst vergangener Zeiten. Die Gegend war lange vor Christi Geburt schon besiedelt. "Man geht davon aus, dass diese Gräber aus der Hallstattzeit stammen", sagte Raum. Die Hallstattzeit bezeichnet die vorrömische Ära ab etwa 800 vor Christus. Einige Funde aus vereinzelten Gräbern aus Zeiten des Straßenbaus seien in diese Epoche datiert worden. Genau untersucht sind die Grabstätten aber nicht worden, die meisten sind noch verschlossen. "So soll es auch bleiben", sagte Raum. In unberührtem Zustand bleibe das Grab erhalten.

Hügelgräber sind streng geschützt

Die Hügelgräber sind vom Landesamt für Denkmalpflege als Bodendenkmäler klassifiziert und damit streng geschützt. Wer hier gräbt, macht sich strafbar. Raum geht es nicht darum, einen Hügelgrab-Tourismus auszulösen, er will vielmehr ein Bewusstsein schaffen, dass es sich hier um schützenwerte Artefakte handelt, über die nicht achtlos hinweggegangen werden darf. Dieses Anliegen ist nicht ganz unbegründet, denn immer wieder kommt es vor, dass bei Waldarbeiten Bodendenkmäler zerstört werden. Raum zeigte den Teilnehmer eine Stelle, an der schweres Gerät vermutlich ein Grab zerstört hat.

"Man sieht, hier haben schon lange, lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung Aschachs Menschen gelebt", sagte der Heimatkundler. Und nicht nur hier. Weitere imposante Hügelgräber befinden sich im Tal zwischen Greßmühle und dem Industriegebiet-Nord. Der Wald ist für Markus Raum wie ein Geschichtsbuch, denn neben den Grabstätten erzählen auch die Altstraßen vom pulsierenden Leben in der Region in längst vergangenen Zeiten. Die Trassen der Altstraßen sind heute noch oft als Hohl- oder Feldwege, in der Verlängerung dann als Ackerrain oder Verbindungsachse zu einem Marterl zu erkennen. An Aschach führt der sogenannte Bistumer Steig vorbei. Er führte einst von Böhmen über Luhe und Amberg weiter nach Hohenburg, Velburg und in Richtung Süden nach Ingolstadt. Der Name Bistumer leitet sich von bischtum (Bienenstube, Bienenhaus) ab, Honig und Bienenprodukte waren begehrte Handelswaren.

Ammoniten und Belemniten

Und dann gab es an diesem Sonntagvormittag doch noch ein paar Funde: Draußen auf der Flur bei der Donatuskapelle fanden die Wanderer in frei herumliegenden Bruchstücken von Kalksteinen Ammoniten und Belemniten (Donnerkeile). Sie zeugen auch von einer vergangenen Zeit, von einer Epoche, die noch viel, viel weiter zurückliegt. Aber das ist Thema einer anderen Wanderung.

Unsere Region ist voll von Hügelgräbern

Pfreimd
Hintergrund:

Hügelgräber sind streng geschützt

  • Die Hügelgräber zwischen Aschach und Lintach sind Bodendenkmäler und daher streng geschützt.
  • Wer sie beschädigt muss mit einer empfindlichen Geldbuße rechnen. Bei Vorsatz kann die Strafe in den Millionenbereich gehen.
  • Der bayerische Landtag hat den im Denkmalschutzgesetz vorgesehenen Strafrahmen im Mai 2021 noch einmal deutlich erhöht.
  • Wer sich informieren will, wo es Bodendenkmäler gibt, kann im Internet unter bayernatalas.de nachschauen.

 

 

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