10.09.2021 - 13:11 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Flugzeugabsturz: Gute Sicht, kein Hinweis auf Kollision

Der Absturz eines Motorseglers bei Bad Neualbenreuth sorgte im Juni für viel Aufsehen und eine groß angelegte Rettungsaktion. Jetzt liegt ein erster Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vor.

Mitten im Wald, zwischen Rosall und Ottengrün, stürzte am 17. Juni 2021 ein Motorsegler ab. Der 59-jährige Pilot, der am Morgen in der Nähe von Erfurt gestartet war, konnte sich mit dem Fallschirm retten. Jetzt liegt der erste Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig vor.
von Armin Eger Kontakt Profil

Als am Donnerstag, 17. Juni, um 15.40 Uhr, die ersten Meldungen über einen Flugzeugabsturz zwischen Tirschenreuth und Bad Neualbenreuth bei der Polizeiinspektion Waldsassen eingingen, wurde sofort eine umfangreiche Suchaktion eingeleitet. "Wir wurden alarmiert, weil kein Kontakt mehr zu einem Flugzeug bestand", sagte damals Erster Polizeihauptkommissar Roland Heldwein, Leiter der Polizeiinspektion Waldsassen. Die letzten Funksignale wurden im Bereich Rosall/Bad Neualbenreuth/Ottengrün empfangen.

Keine Erkenntnisse zur Absturzursache

Die Rettungskette mit 60 bis 70 Leuten lief an. Die Feuerwehren aus Ottengrün, Poppenreuth, Neualbenreuth, Waldsassen und Tirschenreuth, die Bergwacht Fuchsmühl und das THW Marktredwitz waren schnell vor Ort. Drei Hubschrauber kreisten über dem Wald. Feuerwehrmänner entdeckten einen rot-weißen Fallschirm. Daran hing in sechs bis sieben Metern Höhe der Pilot. Er wurde von der Bergwacht Fuchsmühl aus dem Baum geholt.

Der 59-Jährige erlitt ein Hängetrauma, mehrere Frakturen und sonstige innere Verletzungen. Er war jedoch ansprechbar und wurde mit dem Hubschrauber ins Klinikum Weiden geflogen. Einen Tag später wurde durch das Technische Hilfswerk Marktredwitz das Wrack geborgen und Sachverständige der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig waren vor Ort, um die Unglücksursache zu ermitteln.

Jetzt liegt ein erster Zwischenbericht der BFU vor, es gibt aber keine konkreten Erkenntnisse zur Absturzursache. Demnach war der Pilot am 17. Juni um 11.09 Uhr in Arnstadt in der Nähe von Erfurt zu einem Streckenflug gestartet. Weiter heißt es in dem Bulletin: "Laut ausgelesenem GPS wurde das Triebwerk nach einem Steigflug auf eine Höhe von etwa 1100 Metern stillgelegt und eingefahren. Der nachfolgende Segelflug führte zunächst rund 200 Kilometer nach Südosten, danach etwa 80 Kilometer in nördliche Richtung."

Absturz beobachtet

Gegen 15.50 Uhr hätten Zeugen zwischen den Ortschaften Tirschenreuth und Bad Neualbenreuth ein kreisendes Segelflugzeug beobachtet und kurz danach einen Knall gehört, heißt es in dem Gutachten. Die Zeugen hätten einen Fallschirm gesehen, und auch, wie das Segelflugzeug und der Fallschirm auseinanderdrifteten und in einem Waldstück zu Boden gingen.

Ermittelt wurde auch, dass der Pilot nach einem rund fünfstündigen Streckenflug in einer Höhe von 700 Metern die Haube abgeworfen und das Luftfahrzeug mittels Notabsprung verlassen hatte. Bei der Landung mit dem Rettungsfallschirm im Wald wurde der Mann schwer verletzt und das führerlose Luftfahrzeug wurde beim Aufprall zerstört. Beim Aufschlag des Segelflugzeugs habe der Notsender ELT (Emergency Locator Transmitter) ausgelöst und die Alarmkette durch den Such- und Rettungsdienst in Gang gesetzt.

620 Flugstunden absolviert

Zum Piloten hat die BFU folgende Daten: Der 59-jährige Luftfahrzeugführer ist seit 6. Oktober 2016 Inhaber einer unbefristet gültigen Lizenz für Segelflugzeugführer. Auch das flugmedizinische Tauglichkeitszeugnis der Klasse 2 hat eine Gültigkeit bis 15. März 2022. Insgesamt 620 Flugstunden hatte der 59-Jährige absolviert, in den letzten 90 Tagen 47 mit 7 Landungen. Das Segelflugzeug, Baujahr 2012, mit einem Sitzplatz, war 555 Stunden in der Luft, 163 Landungen sind verzeichnet.

Keine Auffälligkeiten hat die BFU beim Wetter ermittelt. Zum Unfallzeitpunkt herrschten am Flughafen Nürnberg Sichtflugbedingungen mit einer Temperatur am Boden von 32 Grad. Nach Angaben der Flugsicherungsorganisation seien keine Funkverbindungen mit längeren Angaben hergestellt worden. Ob während des Fluges Funkverbindungen mit anderen Flugzeugen oder Stationen bestanden hatten, sei nicht bekannt.

Kurz nach der Bergung durch die Rettungskräfte soll der Pilot von der Möglichkeit einer Kollision gesprochen haben, hatte aber keine Erinnerungen an den Flug ab dem Start in Arnstadt, schreibt die BFU. Aber nach Angaben der Flugsicherungsorganisation habe sich "aus den Radaraufzeichnungen kein erkennbarer möglicher Konfliktverkehr in der Nähe des Segelflugzeuges ergeben". Auch Hinweise auf technische Störungen oder Spuren, die auf eine Kollision hindeuten könnten, seien nicht gefunden worden, genauso wenig wie auf einen Brand.

Tragflächen mehrfach gebrochen

Die BFU-Sachverständigen hatten sich vor Ort das Wrack angesehen. Sie schreiben: "Der Rumpf war am Übergang zum Seitenleitwerk gebrochen. Das Rumpfvorderteil war auf der linken unteren Seite aufgerissen und wies Einkerbungen auf. Die Tragflächen waren mehrfach gebrochen und der rechte Teil des Höhenruders war abgeknickt."

Bis die BFU einen endgültigen Bericht vorlegt, in der es nähere Informationen zur Absturzursache gibt, wird es noch dauern. "Wir sind bestrebt, die Untersuchung innerhalb von zwölf Monaten abzuschließen", teilt Jens Friedmann von der BFU mit.

Der Pilot ist inzwischen nach mehreren Wochen Krankenhausaufenthalt entlassen worden. "Es geht ihm den Umständen entsprechend. Er ist wieder fußläufig unterwegs", sagt Pressesprecher Dominic Stigler vom Polizeipräsidium Regensburg.

42 Ereignisse im Juni

Allein im Juni 2021 listet die BFU 42 Ereignisse auf. Bei den Unfällen und Abstürzen starben 8 Piloten, 26 Mal gab es keine Verletzten. Am Flugplatz Latsch in Weiden kam es Ende August innerhalb einer Woche zu zwei Unglücken. Am Samstag, 21. August, war ein 74-Jähriger aus dem Großraum Weiden dort ums Leben gekommen. Nach einem missglückten Landemanöver hatte das Ultraleichtflugzeug Feuer gefangen. Und am 30. August hatte ein Kleinflugzeug Probleme beim Landeanflug. Die Maschine setzte am Ende der Landebahn hart auf und überschlug sich. Dabei erlitten die beiden Insassen mittelschwere Verletzungen.

Große Rettungsaktion nach Flugzeugabsturz bei Bad Neualbenreuth

Rosall bei Tirschenreuth

Flugzeugwracks für Retter höchst brisant

Erbendorf

„Es geht ihm den Umständen entsprechend. Er ist wieder fußläufig unterwegs.“

Pressesprecher Dominic Stigler vom Polizeipräsidium Regensburg über den Zustand des Piloten

„Wir sind bestrebt, die Untersuchung innerhalb von 12 Monaten abzuschließen.“

Jens Friedmann, Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, zum Absturz bei Bad Neualbenreuth

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