25.06.2020 - 10:09 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Sibylle steigt aus der Lyra empor

Das Feiern zum 110-jährigen Bestehen blieb den Aktiven des Männergesangvereins Bad Neualbenreuth verwehrt. Freude und Erinnerung müssen sich auf einen Blick in die Vereinschronik beschränken. Das Büchlein trägt ein besonderes Symbol.

Ein fester Termin im Jahresprogramm ist die Gestaltung der Maiandacht an der Kapelle „Maria Rosenkranz“ in Querenbach;
von Autor FSCProfil

In monatelanger Kleinarbeit hatte Schriftführer Oswald Jäger das goldgelbe Büchlein geschaffen. Das Vereinsabzeichen ist selbst entworfen: Aus einer Lyra steigt Sibylle empor. Die mittelalterliche Seherin ist Namensgeberin für das Sibyllenbad.

Das erste Exemplar durfte 2011 der damalige Bürgermeister und Sangesbruder Albert Köstler aus der Hand von Vorstand Ferdinand Köstler und Schriftführer Oswald Jäger entgegennehmen. Die Chronik beginnt mit dem Sängerspruch „Harmonie hält uns zusammen …“, wie er heute noch zum Schluss der Singstunden gesungen wird.

"Sängerbund Neualbenreuth"

Das Buch erzählt von der ersten Satzung des Vereins und dessen Zweck und einer von mehreren Gesangsfreunden „behufs Gründung eines Gesang Vereins abgehaltenen Versammlung“ am 19. März 1910 im Gasthof „Zum Goldenen Hirschen“. Es waren 14 Interessierte anwesend die sich „sämmtlich in das Mitgliederverzeichniß aufnehmen ließen“. Der neue Verein gab sich den Namen „Sängerbund Neualbenreuth“ und eine noch heute lesenswerte Satzung.

Darin heißt es zum Zweck des Gesangvereins „die Übung und Ausbildung seiner Mitglieder im Gesange wechselseitiger Unterhaltung, Belehrung und Erheiterung unter sich.“ Dies zu verwirklichen suchten die Sänger “geeignete Führungspersönlichkeiten“. Diese fanden sich auch, und so wählten die „Gründerväter“ Lorenz Bittner, Georg Loser, Karl Frank, Lorenz Frank, Josef Köstler, Michael Rössler, Georg Rösch, Franz Josef Weidhas und Ludwig Weidhas das erste Vorstandsgremium: Zum Ersten Vorstand Christoph Köstler, zum Schriftführer und Kassier Christoph Köstler und den Lehrer Christoph Weinbier zum Dirigenten.

Die Sänger nahmen ihren Satzungsauftrag ernst, denn schon drei Monate nach der Gründung luden sie zu einem „Zither- und Gesangskonzert“ im „Goldenen Hirschen“ bei einem „Entree á 50 Pfg“ ein.

Drei Jahre später gab sich der als „Sängerbund“ gegründete Verein den neuen Namen „Gesangverein Neualbenreuth.

Zwangspausen

Die erste Zwangspause für den Verein war der Erste Weltkrieg und sie dauerte bis Februar 1919. Aus der folgenden Zeit liest man von einer Spende für den „Kriegerdenkmalaufbaufond“ von 20 Pfennig und davon, dass das Rauchverbot während der Singstunden für gut geheißen werde.

Die zweite Zwangspause im Vereinsleben begann mit der Verordnung der amerikanischen Militärregierung, mit der der Verein gänzlich aufgelöst wurde. Doch schon 1948 wurde die Vereinstätigkeit mit der Wiedergründung und Neuwahl eines Vorstand wieder aufgenommen.

In der Folge zeigt die Chronik in vielen Bildern ein reiches Vereinsleben auf. Ein Wechselbad des Geschehens spielt sich im Kommen und Gehen verdienter Sänger in Wort und Bild wider.

Singstunden immer gut besucht

Es wird von immer gut besuchten Singstunden berichtet, etwa im Gasthaus „Zum Till´n“ (Lorenz Sporrer) – bis 1995. Danach zog der Verein in die Gaststätte „Kleine Kappl“ um, wo er immer noch seine Chorproben und Vereinsveranstaltungen abhält.

Der Bericht über den Dankgottesdienst zum Jubiläum

Bad Neualbenreuth

Der MGV Bad Neualbenreuth spielt im gesellschaftlichen Leben des Orts eine wichtige Rolle

Bad Neualbenreuth
1985 feierte der MGV Neualbenreuth sein 75-jähriges Bestehen. Viele Sangesbrüder sind beim 100-jährigen nicht mehr dabei. Das offizielle Foto zum 75-jährigen Bestehen;
Eigener Auftritt beim 100-Jährigen im “Sengerhof“;
Nach einem Ehrungsabend in der „Kleinen Kappl“
Infobox:

Die Vorsitzenden seit der Wiedergründung

Bei der Wiedergründung 1948 wurde Anton Boser zum Ersten Vorstand gewählt. Auf ihn folgten Christoph Köstler, Rudolf Heindl und Rudolf Schultes.1959 übernahm Karl Weidhas dieses Amt. Mit ihm feierte der Gesangverein sein 60-jähriges Bestehen.

1977 wurde Alois Kraus Erster Vorstand und war es bis zu seinem plötzlichen Tod am 20. März 2009. So konnte er die Vorbereitungen für die Feiern zum 100-jährigen Bestehen nicht mehr selbst zu Ende führen. Das übernahm dann Ferdinand Köstler und er steht den Verein bis heute vor. Wie ersichtlich durfte er dann das „Geschenk“ entgegennehmen: Der Fränkische Sängerbund lud zur Überreichung der „Zelter-Plakette“ durch den Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch in das Stadttheater Schweinfurt ein. Das Jubiläumsfest fand dann am 29. und 30. Mai 2010 in einem bescheidenen Rahmen statt.

Seither bemüht sich der Männergesangverein Bad Neualbenreuth unter der musikalischen Leitung von Franz Danhauser den Sinn der ersten Satzung mit Leben zu erfüllen: „Übung und Ausbildung im Gesang“ aber auch der „wechselseitigen Unterhaltung und Erheiterung“! Das zeigen die vielfältigen gesanglichen Aktivitäten im Leben der Marktgemeinde, im kirchlichen Leben als auch in Vereinsgeschehen.

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