06.12.2019 - 20:02 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark auf der Suche nach Anschluss

Der Geschichtspark befindet sich bis März im Winterschlaf. Die Verantwortlichen sind allerdings hellwach, denn die finanzielle Zukunft des Parks wird momentan verhandelt. Auch die Stadt Bärnau soll sich beteiligen – die Gespräche laufen.

Projektleiterin Carina Wagner (Mitte) mit Vorsitzendem des Vereins Via Carolina Alfred Wolf (rechts) und Ilona Hunsperger (links), sie ist zuständig für die Kasse und den Museumsshop des Geschichtsparks sowie Handwerkern, die während der Wintermonate Reparaturen vornehmen.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Als "großes Ganzes" beschreibt Carina Wagner, Projektleiterin im Mittelalter-Zentrum, den Verbund aus Archaeo-Centrum und Geschichtspark. Wie es künftig weitergeht, wird im Moment verhandelt, denn die EU-Förderung für das Projekt Archaeo-Centrum Bayern-Böhmen, getragen vom Verein Via Carolina, läuft Ende des Jahres aus. Nun geht es um die Anschlussfinanzierung. Das Ziel: Der Weiterbetrieb des Archaeo-Centrums. Kosten soll der rund 500 000 Euro im Jahr.

Die Verantwortlichen begeben sich bereits im Oktober auf die Suche nach einer Nachfolgefinanzierung

Bärnau

Stadt soll mitziehen

Der Geschichtspark, so Wagner, trage sich durch die Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge selbst. Beteiligen an der Finanzierung des Archaeo-Centrums soll sich nun allerdings auch die Stadt Bärnau. Aktuell laufen Gespräche, in der Stadtratssitzung am 12. Dezember soll das Thema nicht-öffentlich verhandelt werden. "Bürgermeister Alfred Stier hält uns den Rücken frei und unterstützt uns", ist Wagner zuversichtlich und fügt hinzu: "Die Stadt Bärnau kann sich nicht entziehen." Auch Wirtschaftsunternehmen wollen sich beteiligen, vier hätten bereits zugesagt, weitere sollen folgen, heißt es. Namen der Unternehmen, so Wagner, könne sie noch nicht nennen. Unterstützung in Form einer finanziellen Beteiligung solle es auch seitens des Landkreises Tirschenreuth weiterhin geben, eine Summe ist noch nicht bekannt.

Befürworter aus Politik

Beistand erhoffen sich Wagner und das Team des Mittelalter-Zentrums auch vom Heimatministerium. So solle etwa das Kompetenzzentrum für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde stärker etabliert werden. Von ministerieller Seite rührt die Forderung, dass sich die Stadt Bärnau in das Projekt einbringen solle, da eine mögliche Förderung sonst nicht gewährt würde. Auch von der Rainer-Markgraf-Stiftung spricht Wagner. Auf deren Homepage heißt es: "Die Stiftung fördert Bildung, Wissenschaft und Forschung in den Regionen Oberpfalz und Oberfranken."

Im Zusammenhang mit ihr nennt Wagner, dass "nur durch das Geld des Ministeriums die Summe nicht abgedeckt werden kann." Befürworter des Mittelalter-Zentrums gebe es auch seitens der Politik. So etwa Europaminister Florian Herrmann und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß. Auch seitens der Ikom Stiftland durch Vorsitzenden Roland Grillmeier gibt es Unterstützung. Für den weiteren Verlauf der Gespräche mit der Knopfstadt ist Carina Wagner "positiv gestimmt".

Archäologe Martin Fischer vom Verein Via Carolina organisierte die Archäo-Wochen. Auf seinem Bildschirm ist ein Foto der Veranstaltung zu sehen.

Zusammenarbeit mit Wissenschaft

Auch erklärt sie, dass etwa Stefan Wolters, der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks, weiterhin auf wissenschaftlicher Basis über die Otto-Friedrich-Universität Bamberg bis Ende 2021 im Park bleibe. Außerdem sollen "Anknüpfungspunkte für passende Studiengänge der Uni Bamberg" gefunden werden. Sie nennt auch die Zusammenarbeit mit der Karls-Universität Prag und der Westböhmischen Universität Pilsen, die heuer und im kommenden Jahr mehrmals Studentengruppen in den Geschichtspark schickte und schicken wird. Mit den genannten Universitäten seien im kommenden Jahr auch mehrere Kooperations- und Forschungsprojekte geplant. Ihr Arbeitsplatz, und auch der ihrer Kollegin Ilona Hunsperger - sie ist seit 15. Juni diesen Jahres im Front-Office des Geschichtsparks im Verein Via Carolina tätig - sollen laut Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins, ebenfalls erhalten bleiben.

Archäo-Wochen auch 2020

Laut Wagner war das Ziel in der Saison 2019 20 000 Besucher - gekommen in den Geschichtspark sind aber nur rund 16 000 Gäste. Als Grund nennt sie eine "fehlende interne Marketingabteilung" und "Wetterabhängigkeit". Dabei verweist sie etwa auf das Herbstfest, das wegen schlechten Wetters nur wenige Besucher anzog. Im Bezug auf die Veranstaltungen sei es ein "sehr spannendes Jahr" gewesen, so die Projektleiterin. Das Steintreffen im Mai etwa, bei dem sich rund 50 wandernde Steinmetzgesellen im Geschichtspark trafen, oder die Thementage zu Birke, Fisch oder Schaf liefen gut. Auch zwei Kräuterkurse wurden in der Saison 2019 angeboten. Dieses Angebot soll im kommenden Jahr, jeweils mit zertifizierten Kräuterführerinnen, ausgeweitet werden. Die etablierten Veranstaltungen, so Wagner, gebe es auch weiterhin. Darunter etwa das Kinderfest oder Frühling im Geschichtspark.

Die Archäo-Wochen, die in den Sommer- und Herbstmonaten stattfanden, und während derer insgesamt rund 70 deutsche und tschechische Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern die Geschichte des Mittelalters, etwa bei Stockbrot grillen über selbst entzündetem offenem Feuer oder beim nächtigen in Kegelzelten, hautnah erleben durften, sollen auch in Zukunft angeboten werden. Archäologe Martin Fischer organisierte die Themenwochen, bei denen an vier Terminen Gruppen für rund eine Woche in den Park kamen, um ein mittelalterliches Lager zu beziehen. Die Archäo-Wochen seien "ein tolles Werkzeug zur Vermittlung von Wissen und zum Erleben menschlichen Zusammenseins", so das Fazit der Beteiligten, die neben den Schülern und Lehrern zufrieden mit der Veranstaltung waren.

Im blickpunkt:

Neuwahlen

Im Verein Via Carolina sind nach der Neuwahl des Vorstands im November die Ämter folgendermaßen besetzt: Vorsitzender Alfred Wolf, Zweiter Vorsitzender Josef Rösch, Dritte Vorsitzende Katrin Roider, Schriftführer Albert Konrad, Kassier Edgar Zwerenz, Kassenprüfer Max Gmeiner und Gerhard Kraus, Beisitzer Heike Hottner, Herbert Seer, Rainer Christoph, Kerstin Rahm, Berthold Blumentritt, Wolfgang Fischer (neu im Amt), Alexander Schinner und Gertraud Zeitler (beide neu im Amt). (sfo)

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