29.07.2019 - 17:43 Uhr
BärnauOberpfalz

Eine kreative Zeitreise

Die Gestalter der FOS Weiden begaben sich auf Spurensuche – in das heute verschwundene Paulusbrunn in Tschechien. Gemeinsam mit Schülern der Kunstschule Stříbro entstand eine eindrucksvolle Ausstellung, die an das Leben von damals erinnert.

von Redaktion ONETZProfil

Einzig die Böttgerstatue erinnert noch an den Ort Paulusbrunn, einer ehemaligen Ortschaft in der Grenzregion auf tschechischer Seite. Im Archaeo-Centrum wurde am vergangenen Donnerstag die Wanderausstellung "Paulusbrunn - Maßstab des Vergessens" feierlich eröffnet. Nachwuchs-Politiker Dennis Lobentanzer, Schüler der FOS/BOS Weiden, erinnerte in seiner Ansprache an Paulusbrunn und das Schicksal, das den ehemaligen Dorfbewohnern widerfahren ist. Er sprach auch die aktuelle politische Situation an und erinnerte an die Verantwortung, den Frieden in Europa zu erhalten.

Lebendige Erinnerungen

Paulusbrunn sei zwar ein verschwundener Ort, der dennoch voller Erinnerungen steckt. Diese Erinnerungen haben die Schüler der FOS/BOS Weiden und der Kunstschule in Stríbro in ihrem grenzüberschreitenden Kunstprojekt zusammengetragen. Entstanden sind Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Installationen und ein Kurzfilm. Auch Gegenstände des verlassenen Ortes, die von Norbert Steinhauser zur Verfügung gestellt wurden, erinnern an vergangene Tage. Unter dem Motto "Erinnerungen wach halten, um aus den Fehlern in der Geschichte zu lernen" gastiert die Ausstellung nicht nur in Bärnau, sondern ist im September in Weiden in der Galerie im Alten Schulhaus und im Oktober in Stríbro jeweils als Midissage zu sehen.

Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins "Via Carolina - Goldene Straße", begrüßte die Gäste, darunter Dana Müller-Lesák aus Obora, den Schulleiter der Kunstschule Stríbro, Frantisek Kratochvil, FOS/BOS-Schulleiterin Gabriele Dill, Schulleiter Uli Sangl aus Bärnau, alle Schüler, die an dem Projekt mitgewirkt haben, sowie die ehemaligen Bewohner von Paulusbrunn, die als Zeitzeugen ihre Erfahrungen mit den Künstlern teilten. Wolf freute sich über eine "symbolhafte Ausstellungseröffnung", die an diesem Sommerabend zahlreiche Besucher anlockte. Ehe die Gäste einen Blick auf die Ausstellungsstücke, die im Obergeschoss des Archaeo-Centrums platziert waren, werfen durften, sorgte eine dreiköpfige Band mit Schülern der FOS/BOS für musikalische Unterhaltung. Carla Malecek trug ein selbst geschriebenes Gedicht über Paulusbrunn vor und Tia Stoll erklärte einfühlsam das Konzept des Projekts.

Kreativität mit Tiefgang

Rainer Christoph von der "Arbeitsgemeinschaft Paulusbrunn" initiierte das Projekt. Er zollte in seiner Rede zunächst den Kunstschülern aus Weiden und Stríbro samt ihren Lehrkräften Silke Winkler und Claudia Köppel und ihrer tschechischen Kollegin Veronika Satrová Respekt für die gelungene Ausstellung. Der Initiator war es auch, der bei den Schülern das Interesse für die Aufarbeitung der Geschichte des verschwundenen Ortes weckte, als er in der FOS/BOS einen Vortrag über die Goldene Straße hielt.

Er arbeitete eng mit Schülern zusammen, versorgte sie mit Informationen und Datenmaterial. Unterstützt wurde das Projekt vom Deutsch-Tschechischen Fonds, der Stadt Bärnau, der Gemeinde Obora und der Sudetendeutschen Landsmannschaft München. FOS/BOS-Schulleiterin Gabriele Dill war ganz besonders stolz auf das kreative Wirken ihrer Schüler. "Ihr habt geniale Ideen entwickelt, die für Tiefsinn, Kreativität und abstraktes Denkvermögen stehen", hob sie hervor.

Die Natur eroberte Paulusbrunn zurück, erklärten die Schüler, als sie ihre Kunstwerke den Gästen präsentierten. Mit ihren Kreationen brachten sie den aktuellen Zustand des Dorfes zur Geltung und nahmen die Betrachter mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit.

In einem Kurzfilm von Antonia Kühnelt und Theresa Kleber sind Interviews mit den Zeitzeugen und Fotos aus der Vergangenheit zu sehen. Daniel Brunner und Mohammad Mohamadi stellen die Zeitzeugen in Porträts dar. Dabei versuchen die Schüler Angst, Wut und Trauer der ehemaligen Einwohner zum Ausdruck zu bringen. "Man soll die Emotion in den Bildern spüren", sagte Künstler Daniel. Einige Porträts sind leicht radiert, um das Verschwinden der Dorfbewohner zu symbolisieren, erklärt er.

Eine gelungene Vernissage, wie die Resonanz der Besucher zeigte. "Man spürt, dass die Schüler es gerne machen", erklärte ein Paar. Auch Projektleiter Rainer Christoph war begeistert. Die Schüler leisteten "Premiumarbeit", sagte er stolz.

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