15.12.2020 - 11:38 Uhr
BärnauOberpfalz

Teichwirte tauchen trotz Corona nicht ab

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Die Coronakrise hat auch auf die Arbeit der Teichwirte im Landkreis Tirschenreuth vielschichtige Auswirkungen. Wir haben bei drei Betrieben nachgefragt.

Das Abfischen der Karpfen dauerte heuer bei den Fischereibetrieben länger.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Normalerweise herrscht gerade Hochsaison für Karpfen und andere Fische, von der Schließung der Gastronomie sind die Fischereibetriebe im Landkreis aber ganz unterschiedlich schwer betroffen. Fischwirtschaftsmeister Alfred Stier, Vorsitzender des Landesfischereiverbands, berichtet von drei Absatzschienen: Zum einen beliefert der Bärnauer den Großhandel, der die Supermärkte beliefert. „Das läuft eigentlich ganz gut“, sagt er. „Die Verbraucher versorgen sich anscheinend mit regionalen Produkten.“ Besonders bei den Zwischenhändlern sei die Nachfrage nach seinen Beobachtungen aktuell verstärkt. Auch beim Verkauf von Besatzfischen, der zweiten Absatzschiene, ist Stier zufrieden. „Die Angelvereine haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestellt.“ Weil die Menschen heuer mehr zu Hause waren, wurde auch mehr geangelt, begründet der Fischwirtschaftsmeister. Insgesamt belieferte Stier hier 90 große Vereine in ganz Bayern.

Umsatzeinbußen verkraftbar

Der Verkauf an Gastronomen ist für den Bärnauer nur ein kleiner Absatzzweig. Er beliefert etwa zehn Gastro-Betriebe. Diese brauchten ansonsten jeweils mehrere Hundert Kilo Fisch in der Woche. „Diese Schiene ist aktuell mausetot“, aber für den Fischwirtschaftsmeister „verkraftbar“. Umsatzeinbußen verzeichnet Stier dennoch. In der aktuellen Saison aber nicht so dramatisch wie befürchtet. Sein Betrieb hätte es gut durch die Krise geschafft, findet der Bärnauer. Als Vizepräsident des Landesfischereiverbands weiß Stier aber, dass es viele kleine Fischereibetriebe gibt, denen es aufgrund der Gastronomieschließung sehr schlecht geht.

Sorge um tschechische Mitarbeiter

Neben Corona machen auch ihm die Prädatoren große Sorgen. „Corona macht dem Kormoran oder dem Fischotter nichts aus“, berichtet Stier von einer Doppelbelastung für die Teichwirte. Ebenso hätten die Corona-Umstände Nerven gekostet. Einige von seinen zehn Mitarbeitern seien Pendler aus dem Nachbarland Tschechien. Diese mussten sich alle sieben Tage auf Corona testen lassen. „Ich hab jede Woche gezittert.“ Auch um seinen Betrieb aufrecht zu erhalten und das Virus nicht einzuschleppen, verzichtete er auf einen Fischverkauf direkt am Hof.

Klaus Bächer führt einen Fischereibetrieb in Muckenthal bei Wiesau. Dass die Gastronomie geschlossen hat, trifft ihn hart. „Wir verkaufen hauptsächlich an die Gastronomie“, sagt er. Die Teiche müssen abgefischt werden, das ist das Problem. Aktuell sind noch 30 Prozent der Fische nicht abgefischt. Die Konsequenz aus dem Lockdown: Die Fische müssen überwintert werden. Bächer hofft, diese im Frühjahr an den Mann zu bringen. Und nicht nur in Sachen Absatz beeinträchtigt das Virus den Teichwirt. Normalerweise ist das Abfischen schon beendet. Doch wegen Corona durften nicht so viele freiwillige Helfer mit anpacken.

Die Direktvermarktung mit dem Verkauf vom Hof und das „Karpfen-to-go“-Angebot laufen sehr zäh, sagt Bächer. Trotz der Werbung in den sozialen Medien dauert es laut dem Fischwirtschaftsmeister lange, bis das in den Köpfen der Kunden ist. „Die Leute wollen sich doch ins Lokal setzten“, berichtet Bächer frustriert. Die Familie betreibt seit über 25 Jahren ein eigenes Lokal und einen Fischladen am Hof. Dort gibt es heuer zum ersten Mal „Karpfen-to-go“. Wie viele Gasthöfe in der Region bieten sie den traditionellen gebackenen Karpfen und andere Fischgerichte zum Abholen an. Das Angebot löst die Absatzprobleme nicht gänzlich. „Das kann den Verkauf im Lokal nicht ersetzten“, sagt Bächer. Er rechnet mit Umsatzeinbußen von 75 Prozent. Trotzdem ist er dankbar für jeden Fisch-Freund, der die kleinen Betriebe unterstützen will.

Abfischen dauert länger

Das Hauptgeschäft von Thomas Beer aus Kleinsterz bei Mitterteich sind die Besatzfische. Deswegen ist auch er nicht so sehr von der Schließung der Gastronomie betroffen. Die Fische, die Beer verkauft, gehen hauptsächlich an Restaurants im Fränkischen Raum. Dort sei der Verkauf von „Karpfen-to-go“ ein durchaus bewährtes Modell. Beer bleibt zwar nicht auf seinen Fischen sitzen, doch auch bei ihm sind noch einige nicht abgefischt und müssen überwintern. Er gibt sich allerdings zuversichtlich, denn es sei noch mitten in der Saison. Dennoch ist auch in seinem Betrieb wegen der Pandemie vieles anders abgelaufen. Die Angelvereine hätten wegen ausgefallener Fischerfeste weniger Geld und würden deshalb weniger Satzfische bestellen, findet der Fischwirtschaftsmeister. Zudem sei das Abfischen heikler gewesen, sagt der Vorsitzende der Arge Fisch. Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst dauerte alles wegen der Einhaltung der Corona-Regeln wesentlich länger.

Thema Fisch präsent halten

Beer berichtet, dass seine Pension und sein Lokal, ein zusätzliches Standbein zur Fischerei, geschlossen bleiben. Weggefallen sind ihm heuer auch die Teich-Führungen, Busgruppen blieben aus. Auch hier verzeichnet er Umsatzeinbußen. Ebenso hätte die Arge Fisch heuer nur ein schmales Programm mit Veranstaltungen gefahren. „Das haben wir gemacht, damit der Fisch überhaupt im Gespräch bleibt.“ Bis auf den Fisch-Grill-Kurs seien die Angebote nur schwach besucht gewesen.

In den Fischereibetrieben sei die Stimmung nicht nur wegen Corona düster. Viel größere Zukunftsängste als Corona bereiten dem Fischwirtschaftsmeister Fischotter und Kormoran. „Gegen Corona gibt es irgendwann einen Impfstoff. Das Prädatoren-Problem scheint unlösbar“, macht Beer sich Sorgen. Doch er ist sicher: „Wir haben ein super Produkt. Das wissen die Leute zu schätzen.“

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Teichwirte teilen Karpfenrezepte

Nachdem heuer bei vielen Familien das traditionelle Karpfen-Essen in der Weihnachtszeit in den Gasthäusern ausfallen muss, teilt die Arge Fisch ein traditionelles und ein modernes Rezept, wie man denn Karpfen an Weihnachten zu Hause am besten zubereiten kann.

  • Karpfenfilet gebacken:
    Zutaten: 2 Karpfenfilets ohne Haut, Salz, Pfeffer, für die Panade Weizenmehl, 3 bis 4 Eier und Semmelbrösel, zum Herausbacken Butterschmalz oder Frittierfett.
    Zubereitung: Karpfenfilets gut mit Salz und Pfeffer würzen, mehlieren, durch die verquirlten Eier ziehen und mit Semmelbrösel panieren. Panade gut andrücken. Das Filet kann man auch nur in Mehl wenden, das geht schneller und ist weniger aufwendig. Panierte Filets in reichlich heißem Fett schwimmend ausbacken, bis sie goldbraun und knusprig sind (etwa 20 Minuten). Mit Zitrone garnieren und mit Kartoffelsalat und grünem Salat servieren.
  • Karpfen unter Käsehaube:
    Zutaten: 2 Karpfenfilets ohne Haut, 250 Gramm Kirschtomaten, 3 Frühlingszwiebeln, Salz, Pfeffer, Zitronensaft, 75 Gramm geriebener Gouda.
    Zubereitung: Karpfenfilets trockentupfen, mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen. Die Filets in eine gefettete Auflaufform legen. Halbierte Kirschtomaten und in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln über die Filets geben und mit geriebenem Gouda bestreuen, pfeffern. Im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad etwa 20 Minuten garen.
  • Polnische Soße mit Bier:
    Zutaten: Rapsöl, halbe Zwiebel, 10 Gramm Zucker, 20 Gramm Mehl, 30 Gramm Soßenlebkuchen, 500 Milliliter Karpfenfond, 120 Milliliter Malz- oder Starkbier, Salz, 40 Gramm Rosinen, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt.
    Zubereitung: Den Zucker im heißen Öl hellgelb rösten, das Mehl und die fein gewürfelte Zwiebel dazugeben und mitrösten. Sobald das Mehl goldgelb ist, mit Fond ablöschen, nach Belieben Lorbeerblatt und Wacholderbeeren zugeben. Den in Malzbier eingeweichten Soßenlebkuchen mit dem Bier hinzugeben und etwa 10 bis 15 Minuten bei schwacher Hitze kochen lassen, bis eine sämige Soße entstanden ist. Die Soße abseihen, gebrühte Rosinen dazugeben, mit Salz und Zucker abschmecken. Traditionell werden zu Karpfen mit polnischer Soße Kartoffelknödel serviert.

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