27.06.2021 - 10:59 Uhr
BärnauOberpfalz

Verblichenes und Verschwundenes weiterhin sichtbar machen

Im Geschichtspark Bärnau-Tachov macht eine interessante Ausstellung des Adalbert-Stifter-Vereins München auf sich aufmerksam. Sie trägt den Titel „Verblichen, aber nicht verschwunden“.

Interessiert schauten sich die Gäste, die zur Ausstellungseröffnung geladen waren, die Fotografien der Studenten an.
von Ulla Britta BaumerProfil

Ein altes Holzkreuz im Nachbarland Tschechien mit einem abgebrochenen Arm hat ein Student zum Anlass genommen, es zu fotografieren. Der Student hat es wenig später ausgesucht für eine Ausstellung, die seit einigen Tagen im Archaeozentrum Bärnau gezeigt wird. Anlass dieser Präsentation mit Titel „Verblichen, aber nicht verschwunden“ war eine Exkursion von Studenten aus den Universitäten Regensburg, Passau und Prag im Rahmen des bestehenden Forschungsverbunds zum Thema „Grenzen in nationalen und internationalen Erinnerungskulturen zwischen Tschechien und Bayern“.

Was wissenschaftlich klingt, entpuppt sich als emotionale Fotopräsentation junger Leute, die ihre Fotoausbeute zudem mit schönen Texten beschreiben. Dass diese Ausstellung überhaupt in Bärnau gezeigt wird, ist allerdings ein Zufall. Sie sollte vor einem Jahr schon an der Universität Regensburg eröffnet werden. Dazu kam es nicht, wegen Corona. „Und auch jetzt war das noch nicht möglich“, erklärte Initiator Wolfgang Schwarz. Er ist der Kulturreferent für Böhmische Länder beim Adalbert-Stifter-Verein und bereits das zweite Mal mit einer Ausstellung im Geschichtspark präsent.

Studenten wählen Bilder aus

Am Beispiel der Geschichte des Böhmerwalds seien die Studenten den Spuren der deutschsprachigen Bevölkerung in den böhmischen Ländern nachgegangen, so Schwarz. Ziel sei es gewesen, das gemeinsame deutsch-tschechische Kulturerbe vor Ort kennenzulernen. Die Studenten haben in Krumlov, Boletice, Bystra, Horni Plana und anderen Orten verschwundene Orte, Museen, Kirchen, Friedhöfe, verlassene Kasernen und mehr besichtigt. Jeder wählte aus seinen Fotografien ein Bild aus und verfasste dazu einen Text. Entstanden ist eine interessante Collage verschiedener Eindrücke.

Nicht die Kunst am Bild, sondern die Auseinandersetzung und Reflexion über die gemeinsame Geschichte sei dabei im Mittelpunkt gestanden, berichtete Schwarz weiter aus der Entstehungsphase der Ausstellung. Beeindruckt haben ihn Diskussionen der Studenten untereinander während des Projekts. Das habe ihm gezeigt, wie die Zugänge zur Geschichte individuell ganz verschieden seien. „Die Meinung des einzelnen ist entscheidend, und diesen Ansatz finde ich sehr vielversprechend“, so Schwarz.

Pauschalurteile nicht akzeptabel

Identische Geschichtsbilder seien seiner Meinung nach weder wahrscheinlich noch erstrebenswert. „Durchsetzen soll sich aber der Grundsatz, dass Kollektivmaßnahmen oder Pauschalurteile in jedem Fall nicht akzeptabel sind. Da sind wir auf einem guten Weg.“ Nach einer Besichtigung der sehenswerten Ausstellung kamen die Gäste in den Genuss eines Vortrags über „Bayern und Böhmen im 20. Jahrhundert“ von Dr. Miroslav Breitfelder, Historiker an der Westböhmischen Universität Pilsen.

Breitfelder hatte unter anderem versucht, Vergleiche zu ziehen zwischen den Ländern Deutschland und Tschechien ab dem Jahr 1918, insbesondere entlang der Grenzen. Der Referent durchleuchtete in seinem Vortrag auch die finanzielle Unterstützung durch das Land Bayern, die unterschiedliche politische wie wirtschaftliche Lage, die Flüchtlingsströme mitsamt deren Auswirkungen und mehr.

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Service:

Ausstellung "Verblichen, aber nicht verschwunden"

  • Ausstellungort: Archeozentrum Bärnau
  • Dauer der Ausstellung: bis 15. Juli 2021
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
  • Eintritt frei
Zu diesem Kreuz mit dem fehlenden Arm hat einer der an der Exkursion teilnehmenden Studenten geschrieben, dass für ihn dieser fehlende Teil symbolisch für die nun fehlende deutsche Bevölkerung in Tschechien stünde. Das hat den Ausstellungs-Initiator Wolfgang Schwarz beeindruckt. Deshalb hat er dieses Foto zum Titelbild der Präsentation gewählt.
Alfred Wolf (rechts) stellte Wolfgang Schwarz als Kulturreferent des Adalbert-Stifter-Vereins München und als gutem Bekannten in Bärnau vor.
Dr. Miroslav Breitfelder hielt einen interessanten Vortrag über die gegenseitige und gleiche Geschichte von Tschechien und Deutschland, insbesondere entlang des Grenzkamms.
Die Ausstellung ist eine längere Besichtigung wert. Zu jedem Foto haben die Studenten Texte verfasst mit eigenen Emotionen über die Erlebnisse während der gemeinsamen Exkursion.
Die Fotos der Studenten sind in ihrer Schlichtheit einerseits Kunstwerke und andererseits Zeugen einer verschwundenen, gemeinsamen Kultur, die nicht in Vergessenheit geraten darf.

 

 

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