05.09.2019 - 11:13 Uhr
BayernOberpfalz

Hitlers Lieblingsmarsch ertönt bei Kirchweih in Franken

Ein Lied sorgt für Verstimmung: Die "Knoblauchsländer Musikanten" hatten auf der Schnepfenreuther Kirchweih ausgerechnet ein historisch belastetes Musikstück angestimmt.

Ein Lied sorgt für Verstimmung: Die "Knoblauchsländer Musikanten" hatten auf der Schnepfenreuther Kirchweih ausgerechnet ein historisch belastetes Musikstück angestimmt.
von Alexander Unger Kontakt Profil

Es war der Musikwunsch eines Gastes, 50 Euro habe er dafür springen lassen berichtet der Leiter der Blaskapelle, Günter Pfann, gegenüber nordbayern.de. Danach erklang der "Badenweiler Marsch" - Hitlers Lieblingsmarsch. Das sorgte für hochgezogene Augenbrauen bei Kirwabesuchern. "Der Marsch ist hinreichend anrüchig", befand der Nürnberger Turhan Fettahoglu. ver.di-Gewerkschaftssekretär Ulli Schneeweiß vom Bündnis Nazistopp forderte die Musiker auf, zukünftig das Spielen des Marsches zu unterlassen. Es könne seiner Meinung nach nicht im Interesse der Musiker sein, in besonderem Maße die extreme Rechte anzusprechen. Günter Pfann reagierte sofort. Nie im Leben habe er sich vorstellen können, dass der Marsch solche Wellen schlägt, sagt er gegenüber nordbayern.de. Er versprach, den Marsch aus dem Programm zu nehmen.

Bericht auf nordbayern.de

Der Badenweiler-Marsch:

Den Badonviller-Marsch (auch Badenweiler-Marsch) hat der bayerischen Militärmusiker Georg Fürst 1914 für das Königlich Bayerische Infanterie-Leib-Regiment komponiert. Er thematisiert ein Gefecht bei Badonviller (Frankreich) während des Ersten Weltkrieges aus damaliger deutscher Sicht. In der NS-Zeit wurde er bei Auftritten Adolf Hitlers häufig gespielt und wird daher heute nur noch selten aufgeführt.

Badenweiler-Marsch als grober Unfug:

Sieben Musiker hatten den Marsch 1955 "bei der Kirchweih in dem Dorfe Ziegelstein den "Badenweiler Marsch" zum besten gegeben", berichtet die Zeit im Bericht "Märsche-entnazifiziert". Das beschäftigte das Amtsgericht Nürnberg. Der Richter musste entscheiden über die Anklage wegen gemeinschaftlichen groben Unfugs. Das Amtsgericht sprach die Trompeter frei. Denn das Lied sei ein "Marsch der alten bayerischen Armee, die tausend Jahre lang von der Schlacht auf dem Lechfeld bis zur Frühjahrsoffensive 1918 stets tapfer, anständig und ritterlich gekämpft hatte und nie zur Eroberung fremder Länder und Unterdrückung fremder Völker, sondern stets nur zur Verteidigung ihres Heimatbodens ausgezogen war".

Weiter heißt es im Urteil: "Jeder echte Bayer empöre sich daher noch heute darüber, dass ein nichtbayerischer Halbzigeuner aus der Hausierersippe der Schicklgruber diesen Marsch, der eine Erinnerung an eine schneidige Waffentat der alten bayerischen Armee hochhält, für seine das ganze deutsche Volk zum Gespött der übrigen Welt machenden Hanswurstiaden, genannt Führergroßkundgebungen, mißbrauchen konnte".

Bericht: "Märsche - entnazifiziert" im Archiv der "Zeit"

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