12.09.2021 - 13:26 Uhr
Bernricht bei EdelsfeldOberpfalz

Franzosen zum 40. Mal in Bernricht: Eine Freundschaft fürs Leben

Ein Zwiefacher in Maintenon und Baguette mit Artischocken in der Oberpfalz: Seit fünfzig Jahren treffen sich die Lubers aus Bernricht mit den Chaboches aus dem französischen Kreis Chartres. Die sind inzwischen fast zu Birgländern geworden.

Ein deutsch-französischer Abend in Bernricht: Die Oberpfälzer Schmankerla schmecken nicht nur Werner und Hildegard Luber, sondern auch ihren Freunden Guy und Chantal Chaboche sowie Karin und Franz Niebler.
von Helga KammProfil

Seit 1967 die deutsch-französische Partnerschaft zwischen dem damaligen Landkreis Sulzbach und dem Canton Maintenon gegründet wurde, gab es viele Begegnungen hüben und drüben. Vereine, Jugendgruppen, Landwirte, Kommunalpolitiker und vor allem Schüler scheuten nicht die 900 Kilometer Entfernung, um sich zu treffen, ihre Gemeinden und Familien kennenzulernen und die jeweils andere Lebensart zu studieren. Eine der ersten Gruppen, die sich auf den Weg nach Maintenon machten, waren im Mai 1971 Mitglieder des Heimatvereins Birgland. Mit auf die Busreise gingen der damalige Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf Eichenseer und seine Frau Erika, sowie das Birgländer-Urgestein Hanns Binder.

Unter den Musik-, Gesangs- und Volkstanzgruppen waren der Bernrichter Werner Luber und seine spätere Frau Hildegard. "Kurz vor Maintenon haben wir im Bus unsere Birgländer Tracht angezogen", erinnern sich beide, "das hat schon Eindruck gemacht bei den Franzosen". Fünfzig Jahre ist das her, seit die Birgländer ihre Zwiefachen in Frankreich gespielt und dabei die Tanzgruppe "La Ronde du Chartres" kennengelernt haben.

Die Lubers als Dauergast

Für Werner Luber und seine Frau war es mehr als das: der Beginn einer deutsch-französischen Freundschaft mit Chantal und Guy Chaboche, die Jahrzehnte überdauert hat und die in jedem Jahr durch gegenseitige Besuche aufgefrischt wird. In diesen Septembertagen sind Guy und Chantal wieder einmal zu Gast im schmucken Anwesen der Lubers in Bernricht. Zusammen mit dem Birgländer-Vorsitzenden Franz Niebler und seiner Frau Karin wurden bei einem Oberpfälzer Abendessen Erinnerungen ausgegraben.

Ihre ersten französischen Worte hat Hildegard Luber 1971 bei den Gasteltern Denise und Roland Chaboche, den Eltern von Guy, gehört und gelernt. Der begleitete in späteren Jahren bis heute mit seiner Knopfharmonika die Tänzer der "Ronde du Chartres", ist als Ingenieur auch der technische Allrounder der Gruppe. Bei weiteren Reisen der Birgländer fungierten Guy Chaboche und seine spätere Frau Chantal als Gastgeber, und immer waren es die Lubers aus Bernricht, die bei ihnen wohnten. Franz Niebler hat all diese Reisen seines Vereins nach Frankreich exakt archiviert, es waren sehr viele.

Bereits 40 Besuche

Im Gegenzug kamen die Franzosen auch nach Amberg-Sulzbach, tanzten im Josefshaus, im Wagner-Saal, in Theuern und beim Wulfen. Gastgeber für die Chaboches waren ganz selbstverständlich immer die Lubers. "Mit dem heutigen sind es wohl schon an die vierzig Besuche, zählt Werner Luber auf, "es sind längst keine offiziellen mehr, sondern die Begegnung von Freunden".

Vor Jahren hat Guy Chaboche als Gastgeschenk eine Freundschaftskette mitgebracht: Ringe ohne Naht, aus einem Stück Holz herausgearbeitet, ein wahres Meisterstück des Ingenieurs, der bei einem Stromkonzern beschäftigt war. "Es ist das Symbol unserer Freundschaft", erklärt er. Er und seine Frau, eine ehemalige Erzieherin, sind bereits im Rentenalter, wohnen nicht mehr in Maintenon, sondern auch wegen ihrer Tanzgruppe in einem Ort in der Nähe von Chartres. "Man sieht die Kathedrale", beschreibt Chantal den Blick aus ihrem Haus. Hildegard und Werner Luber kennen das Heim ihrer französischen Freunde, waren mehrmals dort, auch zur Hochzeit deren Tochter. Claire Chaboche, eine Hebamme, hat vor einigen Jahren bei einem Besuch ein Praktikum im St. Anna-Krankenhaus absolviert.

Bauernbrot und Edelsfelder Bier

Nun also wieder eine Woche in der Oberpfalz. "Man kann ihnen bald nichts Neues mehr zeigen", sagt Werner Luber. Ihre gemeinsamen Ausflüge führen sie zu den schönen Plätzen der Oberpfalz. Die Abende sind geprägt von gemütlichem Beisammensein mit regionalen Schmankerln. Bauernbrot mögen die Chaboches, und Edelsfelder Bier, nehmen beides mit heim nach Frankreich. "Wir dagegen lieben mittlerweile Baguette und Croissants, auch Artischocken", verrät Hildegard Luber.

Franzosen mit Oberpfälzer Dialekt

Deutsch ist für die französischen Freunde kein Problem mehr, selbst mit Oberpfälzer Ausdrücken konnte Guy schon für manche Überraschung auf dem Annaberg oder bei der Woiz-Kirwa sorgen. Die Lubers und mit ihnen ihre Birgländer-Freunde Karin und Franz Niebler haben von Chartres aus Touren nach Paris, in die Normandie und Bretagne unternommen, wollen dies auch, wenn möglich, im nächsten Jahr fortsetzen.

So wird es also weitergehen mit der Freundschaft zwischen den Lubers und den Chaboches, auch ins sechste Jahrzehnt hinein. Eine Völkerverbindung im Kleinen, die oft so viel mehr bewirkt als das, was zwischen den Nationen ausgehandelt wird.

Im französischen Maintenon könnte es bald eine Sulzbach-Rosenberg-Brücke geben

Amberg

"Kurz vor Maintenon haben wir im Bus unsere Birgländer Tracht angezogen. Das hat schon Eindruck gemacht bei den Franzosen."

Werner Luber über den ersten Patenschafts-Besuch in Frankreich 1971

 

 

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