11.03.2021 - 13:23 Uhr
BrandOberpfalz

Erinnerung an den Eisenhammer von Grünberg

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Ein Brückenkunstwerk greift die Geschichte von Grünberg auf. Es entstand 2003 nach einem Kunstwettbewerb, den Paul Schinner aus Schwandorf gewann.

Das Original: Der Schattenwurf bewegt sich mit dem Lauf der Sonne, ebenso verändert sich seine Länge mit ihm.
von Bertram NoldProfil

Sehr wenig ist bekannt über das Kunstwerk an der Brücke in Grünberg. Man fährt daran vorbei, anhalten ist aufgrund der Verkehrssituation nicht möglich - es zieht quasi rasch vorüber. "Die Autofahrer kommen an dem Kunstwerk vorbei, ohne daran vorbeizukommen“, beschrieb der Vorsitzende des Bundesverbandes bildender Künstler, Ludwig Bäuml, das Objekt an der Staatsstraße 2665 an der Brücke in Grünberg.

Es war im Juni 2003, als eine Jury unter der Leitung des Bundesvorsitzenden zusammensaß, um sich für ein Kunstwerk zu entscheiden, das an dem Platz stehen sollte, den damals noch ein Steinquader markierte. Der Jury gehörten auch zwei Baudirektoren der Regierung der Oberpfalz an, ebenso Hermann Weigl, Leitender Direktor des damaligen Straßenbauamtes Weiden, sowie der damalige Bürgermeister Georg Zaus als Vertreter der Gemeinde.

Der Sitzung war ein Kunstwettbewerb vorausgegangen, der auf sechs Teilnehmer beschränkt war. Am Ende fand der Entwurf von Paul Schinner aus Schwandorf die Zustimmung der Jury.

Vorbild aus dem 14. Jahrhundert

Bauherr der 108 Meter langen und 17 Meter hohen Brücke über die Fichtelnaab war der Freistaat Bayern, vertreten durch das Straßenbauamt Weiden - deshalb lag auch dieses Projekt in den Händen der damaligen Weidener Behörde. In der Ausschreibung war die Aufgabe detailliert beschrieben. Zugrunde lag der ehemalige Waffenhammer, der hier im 14. Jahrhundert schon bestanden haben soll. Er wurde durch die Wasserkraft der Fichtelnaab angetrieben. Der Hammerbetrieb wurde 1897 eingestellt. Auf dem Gelände befinde sich nun ein Sägewerk, wurde in der Ausschreibung festgehalten.

Das Fichtelnaabtal wird als tief eingeschnittenes, relativ naturbelassenes, landschaftlich ansprechendes Tal beschrieben, weshalb die Zielsetzung des Brückenbauentwurfs gewesen sei, eine Brücke mit einem ausgewogenen Verhältnis von Stützweite, Bauhöhe und Tiefe des Tales zu erhalten, die sich gut in das kleine Tal einfügt und dennoch wirtschaftliche Belange nicht außer Acht lässt. Pfeiler, Widerlager und Überbauquerschnitt seien architektonisch gestaltet.

Aus den historischen und räumlichen Rahmenbedingungen wurde das Thema des Wettbewerbs formuliert: „Historische Industrieregion Fichtelnaabtal“. Die sechs beteiligten Künstler hatten neben Unterlagen auch ein Modell im Maßstab 1:10 einzureichen, dazu einen Entwurfsplan, der eine zweifelsfreie Beurteilung des Entwurfs in technischer und künstlerischer Sicht ermöglicht. Auch die Kosten mussten detailliert angegeben werden. Es durfte nur ein Vorschlag sein, Alternativen waren nicht erlaubt.

Immer neue Bilder durch Schattenwurf

Die Jury hatte eine schwere Aufgabe und brauchte mehrere Wertungsdurchgänge, um sich auf den Entwurf von Paul Schinner zu einigen. Er schlug eine Eisenwand vor, auf der sich durch den Schattenwurf immer neue Bilder bieten. Vor der Wand steht ein herausgelöstes Mühlrad, Sinnbild für das Hammerwerk, das jahrhundertelang die Geschichte von Grünberg prägte.

Der Lauf der Sonne lasse den Schatten über die Wand wandern und so entstehe eine gewisse Dynamik, erklärt der Künstler heute dazu. Damit ändere sich ständig das Lichtspiel. Damit war nach seiner Meinung und der der Jury das Thema „Historische Industrieregion Fichtelnaabtal“ voll erfasst und die Entscheidung fiel für Schinners Werk.

Es sei eine Auseinandersetzung mit Kunst, Natur und Technik, die sich auf das Rad reduziert, formulierte damals Ludwig Bäumler. Er erläuterte auch die Verwendung von Cortenstahl: Diese Art von Stahl bildet auf der Oberfläche durch Bewitterung unter der eigentlichen Rost- eine besonders dichte Sperrschicht aus festhaftenden Sulfaten oder Phosphaten aus, die den Stahl vor weiterer Korrosion schützt. Die Patina mache dann den besonderen Reiz des Kunstwerks aus.

In Floß gibt es ein Kunstdenkmal

Floss

Die Gesamtkosten aus Material- und Ausführungskosten, Transport, Montage und Versicherungsleistungen beliefen sich auf 22 000 Euro, als Honorar wurden 3000 Euro bezahlt. Die Brücke selbst wurde schon ein Jahr eher eingeweiht, die Erstellung eines Kunstwerkes war in die Planung eingeschlossen und auch ein entsprechender Betrag war dafür vorgesehen.

Zu Fuß ist das Kunstwerk zu erreichen, wenn man an der Abzweigung zur Firma Schiettinger vom frei stehenden Wohnhaus den Feldweg entlang der Staatsstraße läuft. Nach Verlassen des Feldwegs sind es noch 30 Meter bis zu dem Kunstwerk.

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