21.03.2021 - 11:27 Uhr
BrandOberpfalz

Zum Skifahren "ans Bad"

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Bereits vor 90 Jahren hatte Brand ein Freibad, das einem Geländeabschnitt seinen Namen gab, der sich bis heute erhalten hat. In den 1950er und 1960er Jahren war da einiges geboten - und zwar im Winter.

Ein Luftbild an einem guten Badetag mit vollbelegtem Parkplatz.
von Bertram NoldProfil

„Ich geh zum Skifahren ans Bad!“, sagte man in den 1950er und noch in den 1960er Jahren in Brand und meinte damit einen etwas höheren, relativ steilen Hang am westlichen Rand von Neubrand - und das war schon immer "dahinten". Mit Brettern, die noch mit Riemen und Metallfedern locker an den Schuhen befestigt waren und sich deshalb noch zum Laufen eigneten, stapfte man dorthin und trampelte, seitlich zum Abhang stehend, hinauf, wo sich an sonnigen, winterlichen Wochenenden Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Dorf trafen.

Oben angekommen, stand man vor der gefährlichen Abfahrt in die Tiefe, die kaum länger als 50 Meter war. Nach einem kräftigen Schwung mit den oft noch hölzernen Stöcken ging es hinunter in eine Mulde, aus der heraus über den erhöhten Rand ein drei bis vier Meter weiter Sprung möglich war, um die Landung auf den locker befestigten Skiern auf dem unteren Stück des Hügels und danach einen längeren Auslauf durchzustehen. Manches Mal wurden die Skier abgeschnallt und als eine Art Spaten gebraucht, mit dem man kleine Quader aus dem festgetrampelten Schnee geschnitten hat. Damit wurde der Rand der Mulde erhöht und zur Sprungschanze gemacht, die einen etwas weiteren Sprung aus der Mulde heraus ermöglichte.

Lehrerin als Unterstützerin

Daran, dass dieses Areal einmal Teil des ersten Freibads von Brand war, erinnerte sich da niemand. Aber genau davon hatte dieses abschüssige Gelände seinen Namen. „Am Bad“ meint genau die Stelle, an der sich einmal ein Badeweiher befunden hat. Diesen hat der Fichtelgebirgsverein (FGV) im Jahre 1931 errichtet. Erstmals konnte im Juli 1931 gebadet werden. Die Herstellungskosten betrugen 1509 Reichsmark. Das Geld hat der FGV aufgebracht und Annemarie Oberberger, Lehrerin in Brand, hat sich darum große Verdienste erworben.

Sie war in Brand von 1928 bis 1932 tätig, war in der Zeit FGV-Vorsitzende und führte in diesem Amt auch die umfangreiche Vereinschronik, die nicht nur die Geschichte des Vereins beinhaltet, sondern darüber hinaus auch die Menschen im Fichtelgebirge, ihre Eigenarten, ihre Sitten und Gebräuche beschreibt. Mit einer Häuserchronik endet das Werk.

Als FGV-Vorsitzende sorgte sie auch für Theater-Abende im ehemaligen Gasthaus „Goldener Hirsch“ zugunsten der Finanzierung des Freibads. Die Einnahmen reichten manches Mal nicht aus, so dass sie in ihre private Tasche griff, um dem Verein zumindest mit einem kleinen Darlehen über eine Durststrecke zu helfen.

In späteren Jahren wurde der Weiher eingefüllt und Brand hatte kein Bad mehr. Der Skiabhang war aber bis in die Mitte der 1960er Jahre noch frequentiert und verlor erst an Bedeutung, als in der Fichtelgebirgs-Region Skilifte gebaut wurden, die längere Abfahrten ermöglichten und den Skifahrern das mühsame Hinauftrampeln ersparten. Die Skier, mit den Schuhen nun absolut fest verbunden, hätten das sich dafür auch nicht mehr geeignet.

Heizen mit Öl

Gegen Ende der 1960er Jahre trug sich die Gemeinde mit dem Gedanken, ein beheiztes Freibad zu bauen. 1970 waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, dass das Projekt in Angriff genommen werden konnte. Am 28. April 1970 wurden die Baulinien ausgesteckt, und mit den Erdarbeiten wurde am 19. Mai 1970 begonnen.

Den Firmen Alois Riedl aus Ebnath, zuständig für die Hochbauten, und Otto Busch, Neusorg, die das Wasserbecken erstellte, machte der sumpfige Untergrund schwer zu schaffen. Zu bestimmten Zeiten war die Pumpe Tag und Nacht eingesetzt, um das ständig zulaufende Wasser zu beseitigen. Ende August 1970 waren die Betonplatte für die Hochbauten eingebracht und die gesamte Kanalisation ausgeführt. Unter der Bodenplatte musste im Schnitt 1,10 Meter gesundes Erdreich aufgefüllt werden, um einen brauchbaren Untergrund zu bekommen.

Die Arbeiten am Schwimmbeckenbereich gingen etwas langsamer vor sich. Zuerst wurden die notwendigen Arbeiten am Sprungbecken ausgeführt. Der felsige Osthang stellte die Neusorger Firma vor Probleme. Dort fertigte man eine ein Meter starke Betonplatte - wie beim Becken wegen des aggressiven Grundwassers aus Hochofenbeton. Im November 1970 waren Umkleide- und Heiztrakt im Rohbau fertig. Nach der Winterpause gingen die Arbeiten zügig weiter, und ab Beginn der Bausaison galt das besondere Augenmerk auch der Gestaltung der Außenanlagen.

Der Gemeinderat hatte die Arbeiten Zug um Zug an die einzelnen Firmen vergeben. Das Becken wurde mit einer Überflutungsrinne versehen und mit einer wasserdruckhaltenden Weich-PVC-Folie ausgekleidet. Der Gemeinderat hatte sich für Öl zur Temperierung des Wassers entschieden und nicht für Strom, was einen 50.000-Liter-Tank nötig machte. Die Füllmenge reichte in der Regel für eine Badesaison aus. Rund 2000 Kubikmeter Wasser mussten erwärmt werden. Das Wasser wurde vom Zweckverband zur Wasserversorgung "Oberes Fichtelnaabtal" bezogen.

Einweihung im Juni 1972

Großzügige Räumlichkeiten entstanden: Kassen-Raum, Gastraum, Verkaufskiosk, Wassererwärmungsanlage, Wärmehalle mit zwei Duschen, Erste-Hilfe-Raum, Lagerraum, Jugendraum, Bademeisterraum, Garderobetrakt, Wasserwacht-Aufenthaltsraum, zwei Garagen, WC-Räume, Camping-WC und natürlich war mit einem Bratwurststand für das leibliche Wohl der Badegäste gesorgt. Aktivitäten waren möglich an einer Minigolfanlage, am Kinderplanschbecken sowie Kinderkarussell. An der Westseite des Nichtschwimmerbeckens wurde eine Rutschbahn installiert. Ballspielplatz und Tischtennisplatte waren vorhanden. Auch wegen der Sonnenterrasse und der reichen Bepflanzung für viel windgeschützte und schattige Plätzchen war das beheizte Freibad von Brand sehr beliebt.

Die gesamte Anlage von etwa drei Hektar Ausdehnung wurde mit einem Maschendraht umzäunt. Der große Parkplatz reichte an heißen Badetagen oft nicht aus und war auch am Samstag, 3. Juni 1972, dicht belegt, als das Bad in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste seiner Bestimmung übergeben wurde. Rund 2,3 Millionen D-Mark waren da verbaut. Die kirchliche Segnung nahm Pfarrer Georg Prösl vor. Der damalige Bürgermeister Hans Söllner eröffnete die Feier, zu der sich auch Landrat Bruno Ponnath sowie die Abgeordneten Ernst Dietz (Landtag) und Franz Weigl (Bundestag) und der Architekt Gerhard Naumann eingefunden hatten. Die Feier gestalteten der Männergesangverein „Max Reger“ und der Spielmannszug aus Immenreuth musikalisch. Das Ereignis war sogar für das Fernsehen interessant – damals noch eine Sensation – das am Abend darüber berichtete. Am darauffolgenden Tag, dem ersten Badetag, wurden 1500 Besucher gezählt.

Das Brander Rathaus wird 65

Brand

Mit zunehmenden Jahren wurde das Freibad zur Last für die Gemeinde. Notwendige Sanierungen waren teuer und der Ölpreis wurde zum Problem. Immer wieder war es Thema im Gemeinderat. Alle Versuche, die Anlage umzugestalten oder sie wiederzubeleben, scheiterten. Ein Bürgerentscheid zur Umgestaltung in ein Naturbad fiel negativ aus und schließlich wurde es 2004 geschlossen.

Neue Perspektiven tun sich nun mit der Städtebauförderung auf. Was aus der Anlage werden soll, ist noch völlig offen. Architekt Peter Haimerl hat mit seinem Team mehrmals Vorschläge gemacht. Einzelne Teile sollen in diesem Jahr umgesetzt werden. Dem Haushalt 2021, der in der vergangenen Sitzung verabschiedet wurde, kann man auch Ansätze dafür entnehmen: 1,8 Millionen Euro für die Bestandssanierung für den Leerstand des Freibadgebäudes mit erwarteten Zuschüssen von 1,6 Millionen Euro, für die Wiederbelebung des Schwimmbeckens 200 000 Euro. Dafür werden 160 000 Euro Zuschuss erwartet. Wie das geschehen soll, ist noch offen. Derzeit werden Vorschläge mehrerer Firmen erwartet, um dann weitere Schritte einzuleiten. Details über den Rückbau wurden bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Peter Haimerl hatte dazu eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, in der er seine Vorschläge festgehalten hat.

Im Haushalt der Gemeinde ist auch das Freibad mit berücksichtigt

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