04.01.2021 - 17:29 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Im S-Bahn-Takt nach Regensburg: Zuganbindung für Burglengenfeld rückt näher

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Pendlerströme bündeln, den Pfaffensteiner Tunnel entlasten: Der Kreistag will die Bahnstrecke Burglengenfeld – Maxhütte-Haidhof reaktivieren. Doch würde der Abschnitt überhaupt von genügend Fahrgästen genutzt? Eine Studie gibt Aufschluss.

Der Bahnhof Maxhütte-Haidhof könnte künftig mehr Bedeutung erhalten, wenn die Strecke nach Burglengenfeld aktiviert wird. Das abzweigende Gleis im Bild links führt über Teublitz nach Burglengenfeld.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Es geht um eine bessere Anbindung des Städtedreiecks an den boomenden Großraum Regensburg. Um zu verhindern, dass immer mehr Pendler aus dem Raum Burglengenfeld, Teublitz und Maxhütte-Haidhof mit dem Auto in die Domstadt fahren, will der Kreistag Schwandorf die alte Bahnstrecke von Burglengenfeld nach Maxhütte-Haidhof reaktivieren. Damit das Projekt für Kreis und Kommunen bezahlbar bleibt, sind Zuschüsse vom Freistaat unerlässlich. Dafür müssen jedoch vier Voraussetzungen – sogenannte Reaktivierungskriterien – erfüllt sein (siehe Infokasten unten).

Die wichtigste Vorgabe für eine Reaktivierung ist demnach, dass die Strecke von mehr als 1000 Reisenden pro Werktag genutzt wird. Als Teil des Regensburger Schienenpersonennahverkehrs-Konzeptes (SNPV) haben Experten deshalb untersucht, ob sich dieses 1000er-Kritierum tatsächlich erreichen lässt. Josef Weigl von der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (VGN) im Kreis Regensburg stellte dem Kreistag das Ergebnis der Studie vor. Der Experte kommt zu dem Schluss, dass die geforderten Fahrgastzahlen sogar übertroffen werden könnten – wenn ein integriertes Bahn-Bus-Konzept umgesetzt wird.

Mit einem erneuerten Seniorenkonzept will der Kreis Schwandorf vorangehen

Schwandorf

1000 Fahrgäste nur mit Bus-Bahn-Konzept

Insgesamt wurden zwei mögliche Varianten untersucht: Zum einen die ausschließliche Reaktivierung der Bahnlinie von Burglengenfeld nach Maxhütte, ohne den Busverkehr der Linie 41 an das Bahnangebot anzupassen. Laut Weigl würden hier im Schnitt lediglich 755 Personen pro Werktag den Zug nutzen. In Variante zwei wird allerdings neben der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs auch der Busverkehr an die Zugtaktung angepasst. Im SNPV-Konzept heißt es dazu: "Das optimierte Busangebot bewirkt eine starke Veränderung der Nachfrage." Je Abschnitt würden zwischen 760 und 1250 Fahrgäste erreicht. "Dies entspricht einer durchschnittlichen Nachfrage von 1091 Personen" pro Werktag und Streckenkilometer.

Besonders wichtig sei hierbei ein Ortsbuskonzept für Burglengenfeld. Die bestehende Linie 41 verbindet Burglengenfeld mit dem Bahnhof in Maxhütte-Haidhof und damit mit der Zugstrecke nach Regensburg. Wird die Bahnstrecke reaktiviert, gibt es künftig vier neue Haltepunkte: Burglengenfeld, Burglengenfeld-Ost, Teublitz-West und Teublitz-Ost. Nicht direkt an der Bahnlinie liegende Ortschaften erhielten durch den Bus eine attraktive Anbindung an den SPNV. Laut der Studie würde das integrierte Bus-Bahn-Konzept an den vier Bahn-Haltepunkten 200 zusätzliche Ein/Aussteiger generieren. Wenn der Stadtbus ausgebaut und die Fahrtzeiten von Bus und Bahn aufeinander abgestimmt werden, sei das 1000er-Kriterium zu schaffen. Viele Menschen würden dann das Auto stehen lassen und mit dem Zug nach Regensburg fahren. Dass dann von Burglengenfeld aus eine durchgehende Zugfahrt nach Regensburg ohne Umstieg in Maxhütte möglich sei, würde den SPNV noch attraktiver machen.

Bevor die Strecke tatsächlich wieder in Betrieb genommen werden kann, müssen jedoch die Kosten für die Instandsetzung der Gleisanlagen ermittelt werden. Die Ausgaben von bis zu 80 000 Euro wollen sich der Kreis Schwandorf und die Kommunen des Städtedreiecks zu jeweils einem Viertel teilen. An dem neuen Buskonzept beteiligt sich der Kreis mit 32 Prozent. Zudem müssen Gespräche mit dem Eigentümer der Schieneninfrastruktur geführt und nach einem Eisenbahnunternehmen gesucht werden, das bereit wäre, die Strecke zu betreiben.

Drei Züge in einer Stunde

Trotz der Kosten und offenen Aufgaben stießen die Pläne im Kreistag auf viel Zustimmung. Mit der Reaktivierung der Strecke käme das Städtedreieck einer Regio-S-Bahn nahe. "Dies wäre die dritte Zugverbindung, die von Maxhütte aus innerhalb von einer Stunde nach Regensburg fährt. Damit hätten wir einen S-Bahn-ähnlichen Takt und würden unseren Beitrag dazu leisten, den Pfaffensteiner Tunnel zu entlasten", sagte Landrat Thomas Ebeling (CSU). SPD-Fraktionssprecher Peter Wein sprach von einem "Meilenstein, den wir hier beschließen". "Dies ist nicht nur eine Aufwertung für das Städtedreieck, sondern eine Aufwertung für den ganzen Landkreis", betonte er. Regensburg drohe ein Verkehrskollaps, am Pfaffensteiner Tunnel sei dies besonders gut zu sehen. Weint hofft, "dass sich der Zug Meter für Meter vorarbeitet".

Das Städtedreieck soll eine bessere Schienenanbindung bekommen

Schwandorf

Martin Scharf von den Freien Wählern lobte das Vorhaben als entscheidend für den Erfolg der Mobilitätswende. Für die Grünen signalisierte Marion Juniec-Möller Zustimmung: "Wir haben in der Oberpfalz viele Radwege, die auf rückgebauten Bahntrassen verlaufen. Wir sind froh, dass hier ein anderer Weg gegangen wird." In der folgenden Abstimmung beschloss der Kreistag einstimmig, das Projekt weiterzuverfolgen – sprich: Die Erfüllung der vom Freistaat geforderten vier Reaktivierungskriterien weiter umzusetzen (siehe Infokasten).

Bus-Probebetrieb wird verlängert

Passend zum Thema beschäftigte sich das Gremium auch mit der Busverbindung von Burglengenfeld über Teublitz nach Maxhütte-Haidhof. Wie vom Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz und Touristik Mitte 2019 beschlossen, werden auf der Verbindung seit 1. Februar 2020 zwei zusätzliche Fahrten angeboten. Die Extra-Busse sollten bestehende Lücken im Morgen-Fahrplan der Linie 41 schließen und die Bus-Anbindung für Teublitz verbessern. Der einjährige Probebetrieb, der zum 31. Januar 2021 endet, hat ergeben, dass bislang "keine großen Passagieraufkommen festgestellt" werden konnten, heißt es in der Beschlussvorlage des Kreistags. Als Grund wird auch die Corona-Pandemie vermutet. Weil die jährlichen Kosten von 15 500 Euro für die Fahrten über den bayerischen Mobilitätsfonds noch bis Ende 2024 zur Hälfte bezuschusst werden können, beschloss der Kreistag mehrheitlich, den Probetrieb um ein Jahr fortzuführen.

Hintergrund:

Kriterien für die Reaktivierung der Bahnstrecke Burglengenfeld – Maxhütte-Haidhof

  • 1000er-Kriterium: Vorlegen einer Prognose, die bestätigt, dass mehr als 1000 Fahrgäste/km pro Werktag zu erwarten sind
  • Strecken-Sanierung: Die Gleise werden ohne Zuschuss durch den Freistaat instand gesetzt
  • Betreiber finden: Ein Eisenbahnunternehmen ist bereit, die Strecke mit den zugehörigen Stationen zu betreiben, ohne dafür mehr Geld zu verlangen als die Deutsche Bahn
  • Bahn-Bus-Konzept: Ein auf den Bahnverkehr abgestimmtes Buskonzept muss eingerichtet werden

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