20.10.2019 - 16:49 Uhr
MünchenOberpfalz

CSU-Parteitag bremst Söders Modernisierungskurs

Jünger, digitaler und weiblicher will Parteichef Markus Söder die CSU machen. Doch trotz langer Vorbereitung geht der Plan vielen zu weit. Ein Pyrrhus-Sieg der Gegner, meint Jürgen Umlauft.

Parteifreunde gratulieren Markus Söder zur Wiederwahl.
von Jürgen UmlauftProfil
Kommentar

Es scheint so, als habe Markus Söder die CSU mit seinem Reformeifer doch überfordert. In seinem Streben, die Partei zu öffnen und für neue Wähler attraktiv zu machen, hat er alte CSU-Gewissheiten relativiert und sich Positionen der zuletzt so erfolgreichen Grünen zu eigen gemacht. An der Parteibasis hat das viele verstört. Auf dem Parteitag war dann die Debatte um die Ausweitung der Frauenquote das Ventil für das angestaute Unbehagen über Söders flotten Modernisierungskurs.

Es war beinahe zu erwarten, dass der Druck genau an dieser Stelle entweicht, der denkbar prekärsten. Denn es entstand der Eindruck eines Geschlechterkampfes in der CSU mit einer verheerenden Außenwirkung genau auf die Zielgruppe, die mit der Quote besonders angesprochen werden soll: junge Frauen. Aus deren Reihen haben zuletzt nur noch wenige ihre Kreuzchen bei der CSU gemacht.

Mit der Entschärfung der Quotenpflicht zur bloßen Empfehlung in letzter Minute hat Söder dank der um des Parteifriedens willen gezeigten Kompromissbereitschaft der Frauen-Union eine Schlappe vermieden. Denn die Quote ist zwar kein Allheilmittel, aber gewichtigster Bestandteil seines Plans, die CSU jünger und weiblicher zu machen.

Für die Quotengegner könnte sich ihr Erfolg noch als Pyrrhus-Sieg erweisen. Sie stehen nun in der Pflicht zu beweisen, dass es machbar ist, auch ohne fixe Vorgabe mehr Frauen in die Kreisvorstände der Partei zu bringen. Gelingt ihnen das nicht, steht die Quote bald wieder auf der CSU-Agenda. Die Quotengegner hätten dann denkbar schlechte Karten.

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A. Schmigoner

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung: Die Partei von "Laptop und Lederhose" muss dringend modernisiert werden. Das ging der in Teilen stockkonservativen Parteibasis zu schnell. Ausgerechnet „Grüne Ideen“, über die man seit 30 Jahren lästerte und auch ein wenig belächelte, sollten nun Einzug in die Parteistatuten erhalten. Freche JU´ler und forsche FU-Weiber stellen dann womöglich die altgedienten CSU-Platzhirsche infrage? Dann lieber weiterhin etwas altmodisch und männerbündisch sein, sagte die Basis.

20.10.2019