Dieterskirchen
18.06.2019 - 21:04 Uhr

"Ganz & Gar" im Teeniealter

Ein schwarzes Shirt und ein Schal in Pink: Das steht Müttern und Töchtern. Wer für "Ganz & Gar" die Stimme erhebt, bringt aber vor allem eins mit: Freude am Singen. Jetzt wird der Chor zehn Jahre alt – und ist erstaunlich jung geblieben.

Der Spaß am Singen eint beim Chor "Ganz & Gar" mehrere Generationen und hält auch die Jugend bei der Stange. Bild: Gabi Böckl/exb
Der Spaß am Singen eint beim Chor "Ganz & Gar" mehrere Generationen und hält auch die Jugend bei der Stange.

"Unser Durchschnittsalter liegt bei 35, ganz genau sind es 35,3 Jahre", sagt die Chorleiterin von "Ganz & Gar", Anita Forster. Anlässlich des Chor-Jubiläums am Sonntag, 7. Juli, hat sie nachgerechnet. Dass so viele Jugendliche und junge Frauen dabei sind, macht sie stolz. Schließlich ist ein Kirchenchor nicht gerade dafür bekannt, die jüngere Generation in seinen Bann zu ziehen. Doch in Dieterskirchen singen Töchter neben Müttern, und wenn Männer Mangelware sind, so wird auch das in dem 33-köpfigen Ensemble ganz gut kompensiert.

"Ein Frauenchor muss nicht quietschen", räumt Anita Forster mit einem gängigen Klischee auf. "Klar müssen da manche mit der Stimme ziemlich tief in den Keller", das nimmt man in Kauf, wenn die tieferen Stimmen einen Tenor ersetzen sollen. Geprobt wird aber nicht im Keller, sondern im Pfarrheim, wo genügend Licht auf die Notenblätter fällt und an diesem Tag auch kaum einer seine Stimme schont. Die Chorleiterin muss nicht lange um Ruhe bitten, die Platzverteilung ist längst festgelegt, und nach einer kurzen Stimmübung geht es schon los mit "Schön dass du da bist". Anna Forster, die 17-jährige Tochter der Chorleiterin hat Glück. Gleich zu Beginn ist auch ihr Lieblingslied "Hallelujah" an der Reihe, und zwar in der "Hochzeits-Version mit Pentatonix-Effekten". Der Text dazu stammt aus der Feder der Chorleiterin und hat weit mehr mit göttlichem Beistand zu tun als das Original von Leonard Cohen. "Manche hassen den Song allerdings inzwischen, weil er so häufig gesungen wird," räumt Anna Forster ein, die sich dadurch nicht beirren lässt.

Neue Kirchenlieder

Ihre Mutter steht mehr auf "Wie das ist" von Kathi Stimmer-Salzeder, ein neuer Song, der eigens für das Jubiläum ins Repertoire genommen wurde. Generell ist es das Neue Geistliche Lied, das hier alle Sänger verbindet und dafür sorgt, dass Kirchenlieder Spaß machen. "Sonst wären wir nicht hier", lautet der Tenor bei den Sängerinnen, die immerhin auch ein paar Männer mit Instrumenten in ihren Reihen haben. Einer von ihnen ist Ulrich Fuchs, dessen Cajón optisch wie ein Behälter für Motoren-Öl aussieht. "Unser Deko-Fuchs", preist die Chorleiterin seine zusätzlichen Qualitäten und fügt scherzhaft hinzu: "Manchmal hab' ich schon befürchtet, dass die Leute nicht wegen unseres Gesangs kommen, sondern wegen seiner tollen Dekoration."

Ab und zu bringt der Chor auch mal etwas Klassisches zu Gehör, vor allem an Weihnachten. Hin und wieder wird abgestimmt, welches Lied das Rennen macht, und mit befreundeten Chören gibt es jeweils einen gemeinsamen Favoriten. "Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern genießen das Miteinander", sagt Anita Forster, "von einem Austausch profitieren alle".

Überhaupt lautet ihr Rezept für einen Chor, der Spaß machen soll: viel Freiraum. Das gilt auch für den U-20-Chor, der sich inzwischen als eigene Formation mit Chefin Andrea Zimmermann herauskristallisiert hat und sein Programm für die Jubiläumsfeier am 7. Juli eigenständig zusammenstellen darf. Das jüngste Mitglied ist elf Jahre alt, und daran, dass es bei "Ganz & Gar" ganz und gar nicht mit dem Nachwuchs hapert, ist wohl auch ein Kinderchor schuld, der die Weichen gestellt hat.

"Hineingewachsen"

"Wir sind zusammengewachsen, haben uns weiterentwickelt und sind hineingewachsen", fasst Anita Forster die Entwicklung zusammen von einem eher traditionellen Kirchenchor über eine Singgruppe bis in zu einem Chor, "dessen Name auch über Dieterskirchen hinaus ein Begriff geworden ist".

So nebenbei sind enge Freundschaften entstanden, und die bunte Mischung prägt das Leben im Dorf. Ganz ohne Disziplin geht es freilich nicht, auch wenn die Chorleiterin auf eine hilfreiche Glocke, ein Geschenk ihrer Sängerinnen, lieber verzichtet, um für Ruhe im Saal zu sorgen. "Als Lehrerin schafft die Mama das auch so", weiß Tochter Anna. Längst ist allen klar, dass im Dienst der Qualität auch Kritik ihren Platz hat. "Ich muss es halt sagen, wenn etwas nicht passt, das hilft nichts", räumt die Chorleiterin ein. Aber was tun, wenn ein Mitglied so richtig falsch singt? Die 42-Jährige sieht das gelassen: "Das schluckt so ein Chor."

Der Name "Ganz & Gar" zeugt von der Leidenschaft, mit der sich die Sänger aus Dieterskirchen ihrem Hobby widmen. Bild: bl
Der Name "Ganz & Gar" zeugt von der Leidenschaft, mit der sich die Sänger aus Dieterskirchen ihrem Hobby widmen.
Info :

Festprogramm zu Jubiläum

Zehn Jahre "Ganz & Gar": Dieses Jubiläum wird am Sonntag, 7. Juli mit einem Festgottesdienst (10 Uhr) und einem Konzert um 14 Uhr mit gefeiert. Gestartet wird um 9.45 Uhr mit einem Kirchenzug. Nach dem Gottesdienst ist musikalischer Frühschoppen am Kirchplatz ("Plo"), bevor der Chor dann nachmittags Highlights und Neues präsentiert. Auch musikalische Wegbegleiter sind mit von der Partie: der Kirchenchor Schwarzhofen, die Blaskapelle Dieterskirchen, der Chor "Horizont" aus Teunz und "Contigo" aus Neunburg sowie der Dieterskirchener Kinderchor. Als Organist fungiert Florian Sorgenfrei. Ab 16 Uhr rockt die U-20-Formation von "Ganz & Gar" das Pfarrfest. Regulär probt der gesamte Chor sonntags von 19 bis 20.30 Uhr. Der Name stammt im Übrigen von Monika und Julia Roßkopf und der früheren Chorleiterin Martha Martzak-Göricke. Er steht nicht zuletzt exemplarisch für die Hingabe, mit der sich die Sänger und Instrumentalisten (Mundharmonika, Alt- und Querflöte, E-Piano, Cajón und Gitarre) der Musik widmen, gemäß dem neuen Motto "Musik verbindet – Ganz & Gar".

Ulrich Fuchs begleitet die Sängerinnen auf seinem Cajón, dessen Klang einen Konzertbesucher besonders erstaunte: Wegen des Designs hielt der das Instrument für leeren Ölkanister. Bild: bl
Ulrich Fuchs begleitet die Sängerinnen auf seinem Cajón, dessen Klang einen Konzertbesucher besonders erstaunte: Wegen des Designs hielt der das Instrument für leeren Ölkanister.
Die U-20-Gruppe des Chors "Ganz & Gar" überzeugte bei einer Jugendvesper und probt seither auch eigenständig. Bild: Gabi Böckl/exb
Die U-20-Gruppe des Chors "Ganz & Gar" überzeugte bei einer Jugendvesper und probt seither auch eigenständig.

Ein Frauenchor muss nicht quietschen.

Anita Forster

Anita Forster

 
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