Fensterbachtaler Delta Club sprengt über den Wolken die Corona-Ketten

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Grenzenlose Freiheit: In der Corona-Pandemie ist sie weit weg gerückt. Doch über den Wolken sind Maskenpflicht und Abstandsgebot zumindest für Gleitschirmflieger schnell vergessen. Hier zählt das Gesetz der Natur.

Bei der Vorbereitung des Starts mit dem Gleitschirm ist volle Konzentration gefragt. Der Buchberg mit seinem offenen Hang bietet gute Bedingungen für einen Absprung ohne Winde und war in diesem Corona-Winter sehr gefragt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", sang einst Liedermacher Reinhard Mey. Doch mit den Flügen ist das so eine Sache während der Corona-Pandemie: Wer im Flugzeug Platz nimmt, läuft Gefahr, sich anzustecken. Mehr Glück haben da die Gleitschirm- und Drachenflieger vom Fensterbachtaler Delta Club. Zwar bleibt auch für ihre Sportart das Vereinsgelände mit dem bequemen Start per Winde aktuell noch tabu, aber es gibt eine Alternative: "Am Berg dürfen wir fliegen, wenn wir selbstständig aufsteigen", berichtet Karl Ruhland, Schriftführer beim Fensterbachtaler Delta Club.

Der 52-Jährige aus Pfreimd hat diese Chance wie viele seiner Vereinskollegen in diesem Winter mehr als sonst genutzt. Dank einer Kooperation mit den benachbarten Vereinen Flysports Weiden und dem Regensburger Club "Ratisbona" stehen den Mitgliedern aus dem Landkreis Schwandorf zahlreiche Hänge zur Auswahl, an denen ein Start für die Individualisten gestattet ist. Die jeweiligen Vereine kümmern sich dabei um den Erhalt der Geländezulassung und damit um die Einhaltung der jeweiligen Verhaltensregeln.

"Das ist ein Stück Freiheit, du konzentrierst dich auf die Natur und vergisst, was unten auf der Erde los ist." 100 Meter Abstand, das reicht. Viel mehr ist meist im Winter nicht drin, wenn es an der Thermik hapert. Dann muss vor allem der Wind passen.

Dazu gibt es entweder auf der Homepage der jeweiligen Vereine oder auf der Seite des Verbandes (www.dhv.de) die entsprechenden Informationen über günstige Windrichtungen und die einzuhaltenden Verhaltensregeln.

Weil seit Monaten der Weg in die bei Fliegern beliebten Alpen blockiert ist, haben sich bei guten Windverhältnissen in den vergangenen Wochen viele Gäste auf den passenden Hängen getummelt – trotz niedriger Temperaturen. Denn Kälte sind die erfahrenen Piloten auch im Sommer gewohnt. Pro 100 Meter wird es 0,6 bis 0,7 Grad kühler", weiß der Hobbysportler. Im richtigen Thermikschlauch kann sich so ein Gleitschirm schon mal 2000 Meter in die Lüfte schwingen, bis zur Wolkengrenze. "Bei einer Inversionswetterlage, geht natürlich gar nichts, da haben wir eine regelrechte Sperrschicht", so Ruhland. Auch ein wolkenloser Himmel ist nicht ideal. "Jede Wolke ist wie ein sichtbares Sahnehäubchen oben auf einem Thermikschlauch", weiß Ruhland, der sich bei seinen Flügen geschickt von "Schlauch" zu "Schlauch" hangelt. Zu groß sollten die weißen Gebilde aber auch nicht sein und schon gar nicht so riesig wie Gewitterwolken.

Gewitter sind generell nicht nur wegen der Gefahr eines Blitzschlags gefürchtet, sie können Gleitschirmflieger durch eine Sogwirkung in gigantische Höhen katapultieren – mit dramatischen Folgen. Doch wer vom Hang den Absprung wagt, kennt sich aus in Wolkenkunde.

Abstandregeln sind in der Luft schon gar kein Problem, der Ausblick ist unverstellt. "Das ist genau der Ausgleich, den man braucht, wenn einen der Corona-Blues packt", schwärmt Ruhland. "Da oben gibt es keine Begrenzung, die Natur liefert die einzigen Rahmenbedingungen." Bis Mai, so hofft man bei den Fensterbachfliegern, könnte vielleicht auch der Start mit Winde unter Hygiene-Auflagen wieder freigegeben werden. "Abstand ist für uns kein Problem, nur das mit den Tandemflügen könnte etwas dauern", meint der Schriftführer optimistisch. "Wir brauchen einfach eine Perspektive", so seine Überzeugung. Das gilt besonders mit Blick auf Nachwuchs im Verein, denn das Virus hat Interessenten etwas ausgebremst, und ohne "Schleppgemeinschaft" hilft die Winde wenig.

Wäre doch schade, wenn die optimalen Wolken im Frühjahr ungenutzt blieben, wo Reinhard Mey schon ihre heilsame Wirkung beschwor: "Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen. Und dann, würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein."

Das begeistert den Nachwuchs

Pfreimd
Hintergrund:

Abflug beim Fensterbachtaler Delta Club

  • Verein: Der Fensterbachtaler Delta Club hat aktuell rund 50 Mitglieder, darunter 20 sehr aktive.
  • Gelände und Technik : 1000 Meter langes Schleppgelände am Südrand von Dürnsricht; Kirchner K6 Doppeltrommelwinde
  • Flugstrecken: Bei guten Bedingungen wurden Strecken bis nach Tschechien zum KKW Temelin, Bamberg, Würzburg, Schweinfurt, Schwäbisch Hall, Landshut, Passau oder Linz erflogen.
  • Kooperation: mit Flysports Weiden und Ratisbona Regensburg, dadurch Nutzung mehrerer Hänge wie Buchberg (Landkreis Amberg-Sulzbach) oder Matzelsberg bei Luhe (Landkreis Neustadt).
  • Kontakt: über www.fensterbachflieger.de oder E-Mail info[at]fensterbachflieger[dot]de

"Das ist ein Stück Freiheit, du konzentrierst dich auf die Natur und vergisst, was unten auf der Erde los ist."

Karl Ruhland

Karl Ruhland

 

 

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