Nach Hochwasser: Kamele kamen nicht zu Schaden

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Unwetter waren zuletzt an der Tagesordnung. Ein Gehöft in Eberhardsbühl hat es hart getroffen. Zum Glück ist keines der Tiere dort in den Wassermassen umgekommen. Doch die Frage nach dem Auslöser des Hochwassers wird ein Nachspiel haben.

Bis zum Bauch im Wasser, eine für Trampeltiere unangenehme Situation.
von Helga KammProfil

Sie erregen immer Aufsehen in ihrem Dorf in der Gemeinde Edelsfeld: die fünf Kamele, die auf der Ranch von Uschi und Alfons Heindl am östlichen Ortsrand von Eberhardsbühl weiden. Sie teilen sich ein sechs Hektar großes idyllisches Wiesental mit sechs Reitpferden und gut 20 Schottischen Hochland- und Texas-Langhorn-Rindern.

In den Jahren vor der Pandemie sorgten vor allem die Kamele, es sind durchwegs zweihöckerige Trampeltiere, für Aufsehen, wenn sie gesattelt und geschmückt Kinder und Erwachsene durch das Dorf und hinaus in die Flur trugen. Damit ist seit langem Schluss. „Wir haben uns damit abgefunden, sind auch einigermaßen über die Runden gekommen“, erzählt Alfons Heindl, obwohl auch Uschi Heindl ihren Beruf als Fahrlehrerin nicht mehr ausüben konnte.

Nicht das erste Hochwasser

Als die dunklen Wolken allmählich heller wurden und die Infektionszahlen sanken, konnten auch die Heindls wieder auf Einnahmen hoffen. „Gleich nach dem Fellwechsel wollten wir mit Ali, Said und den anderen Kamelen wieder Ausritte anbieten, bereiteten uns darauf vor“, erzählt Alfons Heindl. Doch dann kam das Hochwasser. Es war nicht das erste Mal, dass der Eberhardsbühler Bach, im Sommer ein Rinnsal und des Öfteren sogar ausgetrocknet, über die Ufer getreten ist. Diesmal aber war es eine ganz neue Dimension.

Uschi und Alfons Heindl hatten am Sonntag, 6. Juni, Gäste, Alfons' Eltern waren zum Kaffeetrinken gekommen. Gegen 16 Uhr wurde der Himmel dunkel, ein paar Blitze und Donnerschläge, und dann begann es heftig zu regnen.

„Ich schau amal, wos da Boch macht“, sagte Alfons, verließ ein wenig beunruhigt das Wohnhaus und ging vorbei an den Ställen und Wirtschaftsgebäuden hinunter zur Weide. Er sah das Wasser kommen, von Westen her, durch sein Wiesen- und Weidetal. Noch glaubte Heindl, es werde sein wie bei den anderen Überschwemmungen Anfang des Jahres, das Wasser werde sich verlaufen.

Schlafzelt unter Wasser

Es kam aber ganz anders. Uschi Heindl schildert die folgenden Stunden: „Das Wasser stieg und stieg, überschwemmte komplett die Weiden, setzte das Schlafzelt unserer Kamele unter Wasser und drang schließlich in unsere Nebengebäude ein.“ Da waren sie und ihr Mann schon lang dabei, zu retten, was zu retten war. „Das Sattelzeug für die Kamele haben wir ins Trockene bringen können, die eingelagerten Heuballen, das Kraft- und Mineralfutter aber sind zum großen Teil nass und damit unbrauchbar geworden.“ Alfons Heindl rechnet allein dadurch mit einem Schaden von weit über 1000 Euro.

Bis gegen 20 Uhr, so erinnert sich Uschi Heindl, stieg das Wasser stetig an, bis auf eineinhalb Meter am tiefsten Punkt der Weide. Zwei Fohlen, die panisch reagierten, mussten in eine Freistallung gesperrt werden, da ihr Schlafzelt bereits unter Wasser stand.

Kamele bleiben ruhig

Auch das Zelt der Trampeltiere war überflutet, die Kamele, die bis zum Bauch im Wasser standen, kamen in ein Ausweichquartier. „Zum Glück sind diese Tiere nicht hektisch, sondern sehr gelassen“, erklärt Heindl, „deshalb sind sie auch so gut geeignet für Ausritte mit Kindern und Erwachsenen, auch Behinderten tun sie gut.“

Auch die Pferde und Rinder machten keine Probleme, sie zogen sich auf die höheren Randgebiete des Weidelandes zurück. Dass keines ihrer Tiere durch das Hochwasser Schaden erlitt, ist für die Heindls das Wichtigste. „Mit der Arbeit kann man schon fertig werden“, erklärt Alfons Heindl. Treibgut wie Eisenbahnschwellen musste er beseitigen, große Äste hatten sich im Zaun verfangen, Holz musste getrocknet und die Räume für die Maschinen und Geräte sowie die Futtervorräte mussten gesäubert werden. „Auch da haben wir noch Glück gehabt“, sagt Uschi Heindl, „es ist wenig Schlamm gekommen, sondern hauptsächlich schmutziges Wasser.“

Wohnhaus bleibt verschont

Gegen Mitternacht sind die Heindls an diesem Tag müde und erschöpft ins Bett gegangen. Das Hochwasser hatte ihr Wohnhaus und ihren so liebevoll gepflegten Garten verschont. Am anderen Morgen erfuhren sie, dass am anderen Ende des Dorfes auch zwei Anwesen vom Hochwasser betroffen waren, allerdings weniger schwer als ihres. Auch der angrenzende Goglhof, das kleine Bauernmuseum von Margarethe Jäkel, blieb trocken.

Bürgermeister Strehl und auch Nachbarn, so Alfons Heindl, hätten Hilfe angeboten. Er musste sie nicht in Anspruch nehmen. Juristischen Beistand allerdings holt er sich im Nachhinein wegen der Ursache dieser Überschwemmungen. Er vermutet sie in einer Veränderung des Wasserdurchlasses, den die Bundesbahn im Zuge der Arbeiten an den Bahngleisen im Winter 2019/20 vorgenommen hat. Dieser Tunnel hat die Aufgabe, das Wasser der Talsenke aufzufangen und abzuleiten. Er habe, so Heindl, schon damals vergeblich darauf hingewiesen, dass der Durchlass zu hoch angesetzt sei, also das Wasser erst auf einen halten Meter ansteigen müsse, bevor es darin abfließen könne.

Dass das Wasserwirtschaftsamt sich mittlerweile kundig gemacht habe, macht Heindl Hoffnung. Einige Erwartungen verbindet er auch mit einem Termin in den nächsten Tagen: Der TV-Sender RTL schickt ein Recherche-Team, das sich um Menschen kümmert, die um ihr Recht kämpfen.

Die ersten Eindrücke und Bilder vom Hochwasser in Eberhardsbühl

Eberhardsbühl bei Edelsfeld
Hintergrund:

Können Kamele schwimmen?

  • Nein, Kamele können nicht schwimmen, sagt Alfons Heindl, aber sie können auch nicht ertrinken. Kamele seien Passgeher, das heißt: Sie treten auf der Stelle, können deshalb nicht vorwärts schwimmen.
  • Andere Quellen, zum Beispiel Wikipedia, vertreten die Theorie, dass bestimmte Kamel-Arten sehr wohl schwimmen können.

Ich schau amal, wos da Boch macht.

Alfons Heindl, bevor es losging mit dem Hochwasser

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.