25.10.2019 - 11:17 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Nach 33 Jahren in der CSU: Parteibuch für Bürgermeister-Kandidatur geopfert

Johann Vornlocher will Bürgermeister in Ebermannsdorf werden. Dafür musste er aus der CSU austreten. Denn er kandidiert gegen den amtierenden Gemeindechef Josef Gilch (CSU). Und spart nicht mit Kritik an diesem.

Zwei CSU-Bürgermeister-Kandidaten geht nicht. Also trat Johann Vornlocher nach 33 Jahren bei den Christsozialen aus, um in Ebermannsdorf gegen Josef Gilch antreten zu können.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

"Meine Lebensplanung war eine ganz andere", sagt Johann Vornlocher. Mit 59 Jahren ist er bereit, alles noch einmal grundlegend umzuschmeißen. Die Entscheidung fällt am 15. März 2020, dem Sonntag der Kommunalwahlen in Bayern. Das politikertypische, aber eher unbeholfene "Bürgerinnen und Bürger" oder "Wählerinnen und Wähler" geht Johann Vornlocher nicht über die Lippen. Er spricht von "Leuten", "uns", "wir". Das sind für ihn in erster Linie die Ebermannsdorfer. Ihr Bürgermeister will der 59-Jährige werden. Das wäre noch nichts Besonderes. Doch Vornlocher musste für sein neues lokalpolitisches Ziel seine 33 Jahre währende CSU-Mitgliedschaft quasi opfern.

Für die CSU im Gemeinderat

Für die Christsozialen saß er seit der noch fünf Monate laufenden Wahlperiode erstmals im Gemeinderat und war stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Keine zwei Wochen ist es her, da teilte der Wahl-Pittersberger in einer Sitzung zusammen mit Richard Scharf zur Überraschung der breiten Öffentlichkeit mit, aus der Fraktion und der CSU auszutreten. Intern sei das als ein Gebot der Fairness bereits bekannt gewesen, gab Vornlocher zu verstehen. In einer Vorstandssitzung habe er seine Position dargelegt, sie sei jedoch nicht mehrheitsfähig gewesen.

Die Vorgeschichte

Ebermannsdorf

Deshalb die Konsequenz des Austritts. "Es gibt bequemere Wege", sagt der passionierte Jäger dazu. Bequem sei aber nicht gleichbedeutend mit richtig. Das Pikante an den lokalpolitischen Ambitionen des 59-Jährigen ist, dass sie unweigerlich auf eine parteiinterne Kampfkandidatur um die Nominierung des Bürgermeisterkandidaten hinausgelaufen wären. Amtsinhaber in Ebermannsdorf ist seit zwei Wahlperioden der CSU-Lokalpolitiker Josef Gilch.

Kein politisches Zerwürfnis

Mit Kritik am amtierenden Bürgermeister spart Vornlocher nicht. Es seien keine tiefgreifenden parteipolitischen Zerwürfnisse, die sich zwischen sie geschoben hätten, stellt der neue Bewerber um das Amt klar. Es seien alltagspraktische Fragen des lokalpolitischen Handelns und des Verhältnisses zwischen dem Bürgermeister und dem Gemeinderat sowie zu den Ebermannsdorfern. Gilch fälle einsame Entscheidungen von enormer Tragweite und kommuniziere sie nach außen als mehrheitliche Haltung des Gemeinderates, obwohl das Plenum darüber noch gar nicht diskutiert habe.

Als jüngstes Beispiel nannte Vornlocher einen an alle Haushalte verteilten Flyer zu dem seit Jahren kontrovers diskutierten Projekt "Neue Mitte". Darin werde eine Umplanung publiziert, ohne sie mit irgendjemanden abgestimmt zu haben. Das habe für ihn nach fünfeinhalb Jahren als Gemeinderat das Fass zum Überlaufen gebracht und den Ausschlag geben, sich selbst um das Bürgermeisteramt zu bewerben. Die Parteisatzung der CSU verbietet eine Kandidatur auf einer anderen als der eigenen Liste. Deshalb nun der Austritt nach 33 Jahren, erläuterte der 59-Jährige seine Entscheidung.

Er werde nicht den klassischen Weg vieler Parteiabtrünniger in Richtung der Freien Wähler gehen, betonte Vornlocher. Vielmehr bleibt er mit einer eigenen Wahlliste offensichtlich nahe an seiner einstigen politischen Heimat dran. Er wird, wie er erklärte, mit der CSL (Christlich Sozial Liberal) in den Wahlkampf ziehen. Der Name sei Programm, und die Transparenz von Entscheidungsprozessen solle ganz oben stehen. "Da kann jeder demokratisch Gesinnte mitmachen", bietet der mutmaßliche Bürgermeisterkandidat der neuen Ebermannsdorfer Liste an.

Breite Unterstützung

Er ist optimistisch, sogar alle 28 Listenplätze für den Ebermannsdorfer Gemeinderat mit Kandidaten besetzen zu können. Die öffentliche Nominierungsversammlung soll im Dezember stattfinden. Danach muss die Wählergruppierung noch 60 Unterstützer-Unterschriften sammeln, um zugelassen zu werden, da sie bisher noch nicht zu einer Gemeinderatswahl angetreten ist. Hinsichtlich der Bürgermeister-Wahl ist Vornlocher nicht minder zuversichtlich. Es habe bereits Signale gegeben, dass die bisher neben der CSU im Gemeinderat vertretene SPD und Freien Wähler (FWG) keine eigenen Kandidaten ins Rennen schicken würden, wenn er gegen Gilch antritt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.