26.05.2021 - 20:46 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Mittelalter mitten im Wald bei Ebermannsdorf

In Ebermannsdorf war am Pfingstsonntag Ungewöhnliches zu beobachten. Mittelalterlich gekleidete Frauen und Männer, Ritter mit Schwertern und finstere Wegelagerer kreuzten die Wege der braven Menschen, die einer Sagenwanderung folgten.

von Christine Wendl - wecProfil

Eingeladen hatte die Schaukampfgruppe "Schwertbrecher", die sich aus mittelalterlich Interessierten aus der gesamten nördlichen Oberpfalz zusammensetzt. In normalen Zeiten, ohne Pandemie, ist die Gruppe für private Feiern buchbar und sorgt für aufregende und beeindruckende Momente des Schwertkampfes - oder spielt realitätsnahe Begebenheiten aus dem Mittelalter.

Aus der Not heraus geboren wurde in dieser Zeit ohne Veranstaltungen das Projekt "Sagen und Mythen aus der Oberpfalz", und der große Zulauf bei den angebotenen Terminen spricht für sich. Start der Wanderung war am Köhlerplatz in Ebermannsdorf, wo alle Teilnehmer auf das Coronavirus getestet wurden. Nach dem erfolgreich negativen Ergebnis bei allen eröffnete Jürgen Gruber in passendem Gewand die Reise in die Vergangenheit. Er berichtete über die vor dem Köhlerplatz angelegten Hügelgräber, von denen es im Gemeindebereich tatsächlich historisch belegte Exemplare aus längst vergangenen Zeiten gibt. Die Ahnen wurden wohl in einer Art "Steinkiste" beigesetzt.

Darum der Name Stoapfalz

Auch eine mittelalterlich gekleidete Frau erschien und erzählte den Gästen die Sage, wie die Oberpfalz zu ihrem Namen Stoapfalz kam. Der Teufel selbst wollte dem Herrgott das Stück Land schenken, doch als dieser von oben herunterblickte, habe er gesagt: "Na! Lauter Stoa! Pfallt's!"

Auf dem Weg durch den Wald begegnete dem Wandervolk eine Frau, die einen großen Korb voller Schuhe mit sich trug. Sie wusste viele Dinge zu erzählen, zum Beispiel, warum der Vilsecker Kirchturm so ein spitzes Dach hat oder was es mit dem Teufelsstein auf sich hat. Gewitzt schlug sie den Teufel, der ihren Weg kreuzte, mit einer klugen Behauptung in die Flucht. An einer Weggabelung mitten im Wald verriet Jürgen Gruber weitere interessante Geheimnisse der Oberpfalz, berichtete im Erzählstil vom "weißen Gold", dem Salz, das in früheren Zeiten mehr wert war als Edelsteine. Kaum war das ausgesprochen, erschien wie aus dem Nichts ein junger Bote mit einer Karre voller Salz, die ihm von einem Wegelagerer geraubt werden sollte. Ein aufregendes Gemetzel mit schneidigen Waffen folgte im Beisein der erschrockenen Wanderer und tot war er, der junge Bursch.

Davon relativ unbeeindruckt zog die Gruppe weiter in Richtung Pittersberg. Damals hieß es, nach Osten zu ziehen, über den "bitteren Berg". Der die Gruppe anführende Sagenerzähler sorgte mit Leichtigkeit für die Weitergabe der althergebrachten Überlieferungen zu zahlreichen Begebenheiten in und um Ebermannsdorf. Nachzulesen sind diese historisch belegten Tatsachen in der Ebermannsdorfer Chronik, aber sie in echt zu erleben, macht natürlich viel mehr Spaß.

Bis hinauf zum Burgfried

Immer wieder überraschten die Laiendarsteller mit gespielten mythischen Szenen, bei denen man manchmal froh war, nicht schon früher gelebt zu haben. Bis hinauf zum Burgfried führte die Wanderung durch den idyllischen Wald am Schloss vorbei. Man begegnete einem "Feurigen Mann" und einer Maid, die von der "Weißen Frau" erzählte. Nach einem echten Schwertkampf zweier feindlicher Gruppen, ähnlich dem Krieg der Hussiten, ging es ungeachtet der besiegten, blutenden "Opfer" am Wegesrand zurück zum Köhlerplatz. Hier erklärte Chef-Köhler Josef Gilch als Vorsitzender der Köhlerfreunde die Ursprünge der Köhlerei und warum dieses traditionelle Brauchtum von den Ebermannsdorfer Köhlern aufrechterhalten wird. Ein märchenhaftes Ende fand die Sagenwanderung mit der spannenden Geschichte von der hübschen Rebecca, die mit dem friedliebenden Sohn des aufbrausenden Burgherrn Ratzo zuerst ein tragisches Abenteuer, aber am Schluss natürlich ein echtes Happy End erlebt.

Auch an den kommenden Wochenenden finden diese Sagenwanderungen statt, zu denen aufgrund der geltenden Coronaregeln zwingend eine Anmeldung erforderlich ist. Ansprechpartner ist der Mitbegründer der Schaukampfgruppe Schwertbrecher, Helmut Biegerl (Telefon 01 52 / 105 67 94).

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