16.05.2021 - 16:37 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Ehemalige Hausmülldeponie verhindert Gewerbegebiet in Edelsfeld nicht

Das Grundwasser ist sicher. Die Kernaussage des Sachverständigen in der Sitzung des Gemeinderats lautete: Wenn man nicht zu tief gräbt, wird eine teure Sanierung der ehemaligen Hausmülldeponie Edelsfeld wohl nicht nötig sein.

Der Gemeinderat begutachtete den neuen Verkaufswagen für die Gemeindefeste aller Vereine in Edelsfeld.
von Redaktion ONETZProfil

Ein wichtiger Teil im Prozess um die Ausweisung des neuen Gewerbegebietes an der B 85 sei mit dem Abschluss der Bodenuntersuchungen der ehemaligen Hausmülldeponie geschafft. Man wisse jetzt, wie künftig mit der Fläche umgegangen werden könne, eröffnete Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl die Sitzung des Edelsfelder Gemeinderats.

Warum die Auswertung etwas länger auf sich warten ließ, informierte Johannes Reiß als Vertreter des Büros Rupp Bodenschutz. Erfolgt seien Detailuntersuchungen der sogenannten Altablagerungsfläche. Nach einer historischen Recherche, bei der sich der ursprüngliche Verdacht einer Bodenbelastung erhärtet hatte, habe man mittels verschiedener Bohrpunkte Bodenproben entnommen, wodurch sich bestätigte, dass das dort in zirka 50 Metern Tiefe gelegene Grundwasser bei Grabungs- oder Bauarbeiten potenziell gefährdet sei.

Schadstoffe befänden sich im südlichen Teil der Fläche mit vornehmlich Bauschutt, dazu in tieferen Lagen sogenannte „schwarze Müllschichten“, abgelagerter Hausmüll der in den 60er und 70er Jahren dort verbrannt wurde. Aber auch an der Oberfläche seien hie und da Ziegelbruchstücke und vereinzelt Plastikfolien zu erkennen.

Unnatürliche Konzentration von Schwermetallen

Für die notwendig gewordenen Detailuntersuchungen habe sich die gewählte Methode mittels Saugkerzen als die weitaus günstigste Variante erwiesen. An drei zentral gelegenen, ellipsenförmigen Stellen wurden mehrere Schäfte von ungefähr 50 Millimeter Durchmesser zwischen sechs und sieben Meter tief eingebracht. Dann mittels einer Membran über eine Schachtverlängerung nach oben ein dauerhafter Unterdruck erzeugt und damit die vorhandene Bodenfeuchte nach oben gesaugt.

Nach einigen Tagen wurden die Proben aus dem Sammelgefäß gezogen und an ein Labor weitergeschickt. In unnatürlicher Konzentration nachweisen konnte man eine Belastung mit Schwermetallen wie Arsen, Cadmium und Nickel. Um die Werte aussagekräftiger zu machen und damit Datensicherheit zu erreichen, mussten insgesamt vier Probenentnahmen über den Zeitraum eines Jahres erfolgen. So erklärte sich der zeitliche Umfang des Projekts. Dadurch habe man nun aber nachweisen können, das die befürchtete Gefahr für das Grundwasser nahezu auszuschließen sei, vorausgesetzt, man verzichte im betreffenden Areal auf tiefen Aushub, der bei Kellergeschossen oder gar Tiefgaragen nötig wäre.

Vor gut einem Jahr war das geplante Gewerbegebiet an der B 85 im Gemeinderat vorgestellt worden

Edelsfeld

Nicht zu tief graben

Erhalte man dafür die noch ausstehende Bestätigung der Fachstelle Abfallrecht des Landratsamts, wäre die Konsequenz, dass tatsächlich keine Sanierung des Areals notwendig sei und künftige Parzelleneigentümer hinsichtlich des Bundesbodenschutzgesetzes nicht mehr belangt werden könnten. „Somit wäre das größte Risiko eines Investors oder eines Betriebes vom Tisch“, so der Referent. Die Kernaussage sei also, das Sickerwasseraufkommen tunlichst nicht zu erhöhen sowie nicht tiefer als unbedingt notwendig zu graben und das Abfallrecht für nötigen Erdaushub „im Hinterkopf zu behalten“, fasste Johannes Reiß zusammen.

Ziel der Gemeinde sei gewesen, die durch die Hausmülldeponie eventuell drohenden Gefahren abzuwenden und das Problem nicht den nachfolgenden Generationen zu überlassen. Möglich gemacht habe das Ganze eine Förderung durch die Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern mbH (GAB), resümierte Bürgermeister Strehl. Mit dem Ergebnis zeigte er sich zufrieden, eine Regenwasserableitung sei für das Gewerbegebiet gewährleistet und Aushubmaterial müsse inzwischen generell geprüft und gegebenenfalls nach dem Abfallrecht entsorgt werden. Ganz klar sah er eine Hinweispflicht seitens der Gemeinde auf Mehrkosten beispielsweise bei Vorhaben mit Kellergeschossen.

Planung für Feuerwehrhaus

Richtung Ziellinie bewege sich die Gemeinde beim Bebauungs- und Grünordnungsplan Mischgebiet „Am Kastanienweg“ Edelsfeld. Von 41 Trägern öffentlicher Belange hatten 15 keine Stellungnahme abgegeben und 17 keine abzuarbeitenden Hinweise vorzubringen. So war eine überschaubare Anzahl von Empfehlungen der restlichen 9 Stellen zu behandeln. Zügig näherte man sich dem Satzungbeschluss. Mit der weiteren Planung, speziell für das gemeinschaftliche Feuerwehrhaus könne nun begonnen werden, beschrieb der Rathauschef die weiteren Schritte.

Die Oberste Landesbehörde fordere immer mehr die Anwendung der Auslegungshilfe zum Bedarfsnachweis für neue Siedlungsflächen für Wohnen und Gewerbe im Rahmen der landesplanerischen Überprüfung, kurz gesagt „Innen statt Außen“. Wenn ein neues Baugebiet ausgewiesen wird, müsse nachgewiesen werden, dass im Innenbereich kein Platz dafür zur Verfügung stehe. Im Rathaus habe man sich die Mühe gemacht und ermittelt, welche Projekte neu geschaffen wurden und was revitalisiert worden sei. „Die Gemeinde steht hier relativ gut da“, konstatierte Strehl mit dem Hinweis, dass diese Thematik noch gesondert erörtert werde.

Stall wird zu Wohnraum

Ein Carport, der bis zu sechs Pkw Platz bietet, soll im Gemeindeteil Schmalnohe entstehen. Genau gegenüber will der selbe Antragsteller in einem vorhandenen Stallgebäude Wohnfläche schaffen. Diese Nutzungsänderung wäre beispielhaft dafür, dass keine Fläche „auf der grünen Wiese“ versiegelt, sondern ein leerstehendes Gebäude in Wohnraum umgewandelt werde, bemerkte dazu der Bürgermeister.

Aus dem Gremium wurde vorgeschlagen, den Bauwerber darauf hinzuweisen, dass sich die Dachfläche des Carports für eine Photovoltaikanlage anbieten würde. Damit waren alle einverstanden und erteilten das gemeindliche Einvernehmen.

Zuwachs soll das Baugebiet West BA II an der B 85 in der Nähe des Lärmschutzwalles bekommen. Gegen den Neubau eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage hatte niemand etwas einzuwenden.

Feuerwehr wird ausgestattet

Die Feuerwehren aus Edelsfeld, Sigras, Weißenberg und Steinling hatten Bedarf an neuer Ausrüstung angemeldet. Diese wurde einstimmig genehmigt und schlägt mit rund 6000 Euro für die Gemeinde zu Buche. Darüber hinaus dürfen sich zwei aus der Truppe fortbilden und an einem Lehrgang teilnehmen. Eine zweite Wärmebildkamera muss höchstwahrscheinlich auch noch beschafft werden, dies will man aber zu einem späteren Zeitpunkt besprechen.

Testaktion in der Schulaula

Seit 27. April können sich in der Aula der Grundschule Edelsfeld alle Bürger durch die First-Responder-Gruppe, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern, in Kooperation mit dem ASB Jura kostenlos auf Corona testen lassen. Und zwar bis auf weiteres jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr. Darauf wies Bürgermeister Strehl hin. Er gab bekannt, dass der Auftrag zur Verlängerung des Gehweges am Wertstoffhof in nichtöffentlicher Sitzung an die Strabag AG vergeben wurde.

Skaterplatz für die Jugend im Gespräch

Für den beim Feuerwehrhaus gelegenen Bolzplatz wurden neue Regelungen erteilt. Die Nutzung soll künftig nur wochentags zwischen 9 und 18.30 Uhr erlaubt sein, mit einem neuen Schild wird darauf hingewiesen. Gleichzeitig suchen die Gemeindevertreter einen Treffpunkt für die Jugendlichen, der etwas weiter außerhalb liegt. Ein Skaterplatz könnte es werden, geeignete Örtlichkeiten sollen durch den Bauausschuss erkundet und besprochen werden.

Zusammen 45 Jahre im Kommunalparlament

Seit 1. Mai 1996, also 25 Jahre, ist Hans Klann ("Unsere Gemeinde") im Gemeinderat. Seit 2008 ist er stellvertretender Bürgermeister. Aus der SPD-Fraktion kann Horst Kölbel mit 20 Jahren im Gremium aufwarten (seit 22. Februar 2001). Mit einem Glückwunsch dankte Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl seinen zwei sichtlich überraschten Mitstreitern mit einer Urkunde und Blumen (für deren Gattinnen).

Zweiter Bürgermeister Hans Klann (links) ist seit 25 Jahren Mitglied im Gemeinderat Edelsfeld, Horst Kölbel (rechts) seit 20 Jahren. Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl (Mitte) gratulierte.

Somit wäre das größte Risiko eines Investors oder eines Betriebes vom Tisch.

Johannes Reiß macht klar, was die Bestätigung der Fachstelle Abfallrecht des Landratsamts im Verfahren bedeutet

 

 

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