12.03.2020 - 09:54 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

Geretteter Kindergarten Ehenfeld plant Übergang mit BRK

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Hinter dem Kindergarten in Ehenfeld liegt mit der Schließung wegen giftigen Schimmels im Sommer ein turbulentes Jahr. Ab April übernimmt das BRK die katholische Einrichtung. Wie es jetzt mit dem Personal und den Kindern weitergeht.

Auf dem Grundstück der Grundschule in Ehenfeld steht ab September der Containerkindergarten.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Im November machte sich unter Eltern, Kindern und Erzieherinnen in Ehenfeld Erleichterung breit: In der nichtöffentlichen Stadtratssitzung am 6. November wurde bekannt, dass die katholische St.-Michael-Einrichtung zum 1. April in die Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) übergeht. Damals teilte der Wohlfahrtsverband mit: „Das heißt, alle Mitarbeiter behalten ihre Jobs und ihr Gehalt. Alle Kinder werden wie bisher weiter betreut.“

In trockenen Tüchern: BRK übernimmt Kindergarten in Ehenfeld

Ehenfeld bei Hirschau

Hinter den Eltern und dem Personal lag da ein turbulentes Jahr. Denn kurz vor den Sommerferien wurde das Gebäude wegen giftigen Schimmels in der Luft gesperrt. Die Kirchenstiftung plante, die Trägerschaft schnell abzugeben, weshalb sich unter anderem auch die Gewerkschaft Verdi im Oktober mit einem Runden Tisch einschaltete, um Kündigungen der Mitarbeiterinnen zu verhindern.

Kurz vor den Sommerferien musste der Kindergarten schließen

Ehenfeld bei Hirschau

Übergangsweise zogen Kinder und Erzieherinnen zum neuen Kindergartenjahr in drei Räume in die Hirschauer Mittelschule, damit der Betrieb aufrecht gehalten werden konnte. Für Eltern und Personal blieb lange ungewiss, ob und wie es mit der Einrichtung weitergeht – eben bis zur Mitteilung im November.

Der Runde Tisch zum Kindergarten Ehenfeld will vermitteln

Hirschau

„Das hat sich zum Glück alles sehr positiv für uns entwickelt“, sagt Kindergartenleiterin Bettina Rösch erleichtert. Kein Kind wurde abgemeldet, man bleibt zusammen. „Im neuen Kindergartenjahr sind wir auch gut belegt“, blickt sie in die Zukunft. Auch Verdi zeigt sich zufrieden. "Unser Ziel war es, dass ein neuer Träger die Einrichtung lückenlos übernimmt und dass es keine Kündigungen gibt. Das ist genau so gekommen", sagt Gewerkschaftssekretärin Katrin Wagner. Sie ist froh, dass die Kirchenstiftung die Kündigungen zurückzog. "Der neue Träger zeigt sich sehr engagiert und professionell."

Das waren die Probleme um den Kindergarten Ehenfeld

Für den Kindergarten geht es ab 1. April trotz Betriebsübergang erst einmal so weiter. Bis September hat das BRK die Erlaubnis, den Kindergarten in den Räumen der Mittelschule, die saniert werden soll, weiterzuführen. Zum neuen Kindergartenjahr zieht die Einrichtung in Containern wieder nach Ehenfeld.

16 Container auf dem Grundstück der Grundschule Ehenfeld

BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller ist zufrieden, wie die Planungen zum Betriebsübergang laufen. In insgesamt 16 Containern, die auf dem Grundstück der Grundschule aufgestellt werden, gibt es auf 285 Quadratmetern Platz für Gruppen- und Funktionsräume. Hinzu kommt eine Außenfläche. „Eigentlich ein ganz normaler Kindergarten“, sagt Schaller mit Blick auf die Pläne. Material sei ebenfalls schon vieles angeschafft, „für die Einrichtung wird noch das eine oder andere bestellt“. Wichtig ist ihm, dass nachhaltig investiert wird – dass Einrichtung und Material auch in den neuen Kindergarten mitgenommen werden können.

Die Daumen nach oben für den Kindergarten in Ehenfeld: (von links) Anja Hopf (Fachbereichsleitung beim BRK) und Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller übernehmen ab 1. April das Team der achtköpfige Kindergartenleiterin Bettina Rösch.

„Ziel ist natürlich, nicht ewig in den Containern zu bleiben“, sagt Schaller. Günstig sei das schließlich nicht. Ein Kindergarten-Neubau würde sich anbieten. „Eigentlich ist das schade, denn aus Gründen der Nachhaltigkeit wäre die Sanierung des bestehenden Gebäudes toll. Aber wir wissen nicht, was da noch auf uns zukommen könnte.“ Schaller ist guter Dinge, dass man sich mit der Kirchenstiftung einig wird, was das Grundstück des Kindergartens betrifft. „Wenn wir es erwerben können, reißen wir wahrscheinlich das alte Haus ab.“ Aus wirtschaftlicher Sicht ergäbe alles andere keinen Sinn.

BRK-Kreisverband auf Wachstumskurs

Das BRK sieht sich aber nicht als „Retter des Ehenfelder Kindergartens“, betont Schaller. „Es ist eher ein Glücksfall für uns.“ Er glaubt nicht, dass es je eine Option gewesen sei, dass es in Ehenfeld keinen Kindergarten mehr gegeben hätte.

Zudem sei der Kreisverband auf Wachstumskurs in Sachen Kindergärten. "Wir sind sehr offen, wenn Träger eine Einrichtung nicht mehr finanzieren können." Schaller erklärt das so: „Der zusätzliche Bedarf an Gruppen und Betreuungszeiten wird immer größer. Die Anforderungen an die Kinderbetreuung sind heute höher als noch vor 15 Jahren.“ Unter anderem für Pfarreien würde es so immer schwieriger, die Verwaltung zu stemmen.

Christkönig-Kindergarten bekommt zum 1. Januar 2021 einen neuen Träger

Amberg

Strategisch wolle der Kreisverband drei gleich große Säulen aus Rettungsdienst, Kinderbetreuung und Pflege anbieten. „Aus Gründen der Stabilität“, erklärt Schaller. Um dauerhaft auch alle Leistungen erbringen zu können. So stehe der Verband auf drei unabhängigen Säulen, bei denen eine wirtschaftliche Schieflage unwahrscheinlicher werde. Zum 1. Januar übernimmt der Kreisverband auch den Christkönig-Kindergarten der Pfarrei St. Georg in Amberg – es ist ebenfalls eine katholische Einrichtung. Mit ihr sind es zu Jahresbeginn dann elf Kindergärten in Verbandshänden.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.