24.10.2019 - 14:19 Uhr
HirschauOberpfalz

Kindergarten in Ehenfeld: Vorgehen der Kirche ist "nicht nachvollziehbar"

Gekündigte Erzieherinnen, Eltern, die jahrelang unzureichend über den Schimmelbefall informiert wurden, die ungewisse Zukunft der Kinderbetreuung: Der Runde Tisch zum Kindergarten Ehenfeld will vermitteln. Der Träger holte sich erst einmal eine blutige Nase.

Großer Andrang im Josefshaus in Hirschau: Nicht nur die Erzieherinnen des mit Schimmel befallenen Ehenfelder Kindergartens wollten wissen, wie es mit der St.-Michael-Einrichtung weitergeht. Der Großteil im Plenum war besorgte Eltern.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Die vielen Stuhlreihen im Hirschauer Josefshaus am Mittwochabend reichten nicht einmal aus. Kein Wunder, schließlich war der Runde Tisch, den die Gewerkschaft Verdi für die ungewisse Zukunft des Kindergartens in Ehenfeld einberufen hatte, die erste Gelegenheit, bei der Vertreter der Kirchenstiftung, der Stadt Hirschau, Erzieherinnen und Eltern aufeinander trafen. Die besorgten und wütenden Eltern machten ihrem Ärger, der sich teilweise seit drei Jahren aufgestaut hat, Luft.

Ins Kleinste formuliert

Michael Schörnig, nach eigener Aussage selbst Familienvater, hat die Aufgabe, vonseiten der Diözese Regensburg die Trägerschaft für den Kindergarten St. Michael abzuwickeln. Mit wohlbedachten Worten und ins Kleinste formuliert verlas er als erster Redner eine Stellungnahme. Man sei natürlich an einer „nachhaltigen Perspektive“ für alle interessiert. „Natürlich müssen zum jetzigen Zeitpunkt aber noch einige Punkte offen bleiben. Heute kann ich Ihnen jedoch zusagen, dass ich Sie informieren werde, sobald ich mit meiner Arbeit weiter gekommen bin und einen Punkt erreicht habe, der die offenen Fragen beantwortet.“ Dann werde Schörnig die Mitarbeiterinnen erneut zu einem Gespräch einladen, später auch die Eltern.

Ehenfeld bei Hirschau

„Wer der künftige Träger des Kindergartens sein wird: Diese Frage bewegt Sie und uns am meisten“, erklärte Schörnig weiter. Stand bei der jüngsten Mitarbeiterversammlung sei gewesen, dass die Stadt überlegt, die Trägerschaft selbst zu übernehmen. Nun habe die Verwaltung signalisiert, dass sie ab April einen freien Träger suche. „Das heißt für mich, dass der Kindergarten erhalten bleiben soll. Die Stadt setzt sich ein, dass der Übergang gut zu gestalten sei.“

Geduld und Vertrauen

Die Gespräche mit einem potenziellen Träger laufen nach den Aussagen Schörnigs sehr gut, „sehr fruchtbar und konstruktiv“. Der Kirchenstiftung sei die Bereitschaft signalisiert worden, dass ein anderer Träger übernehme. Da noch viele Einzelheiten abzuklären seien, „bin ich vorsichtig, aber die Betonung liegt auf optimistisch. Für heute kann ich Sie nur um Geduld und Vertrauen bitten. Haben Sie Verständnis, dass wir zu aktuellen Verhandlungen keine detaillierten Infos anbieten können.“

Die angestaute Wut vieler Eltern wird bei dem Runden Tisch, bei dem sich zum ersten Mal auch Vertreter der Diözese Regensburg zeigten, deutlich.

Im Plenum wurde gemurmelt, teils ungläubig geschmunzelt. Die Geduld habe man schon lange nicht mehr, riefen einige Mütter dem Kirchenmann zu. Ein Vater kritisierte: „In keinem Punkt haben Sie sich festgelegt. Sie haben alles offen gehalten. Sie haben zwar den Termin wahrgenommen, doch nichts Handfestes dabei.“

Abstimmung mit den Füßen?

„Kommt es im April zum Trägerwechsel, so wird dies in rechtlicher Hinsicht wohl als Betriebsübergang qualifiziert werden“, erklärte Schörnig weiter. Der Übergang solle „geordnet und reibungsarm“ verlaufen, die Kinder sollten in der Zeit gut betreut werden. Daran hat der Bezirksgeschäftsführer von Verdi, Alexander Gröbner, seine Zweifel. Sollte der bisherige Arbeitgeber wirklich einen Betriebsübergang avisieren, seien die Kündigungen der Erzieherinnen nicht nachvollziehbar. „Der klassische Übergang findet im ungekündigten Arbeitsverhältnis statt.“

Ehenfeld bei Hirschau

„Jetzt sind Sie in der misslichen Lage, dass das Vertrauen Ihrer Beschäftigten massiv gestört ist. Ich weiß nicht, wie Sie eine Brücke zum neuen Träger bauen wollen. Heißt das etwa: Der neue Träger will die Beschäftigten nur zum Teil übernehmen? Was bedeutet das für Arbeitszeit und Bedingungen?“ Mit den Kündigungen sei die Unsicherheit nur verstärkt worden. „Mein Appell: Überdenken Sie die Kündigungen und prüfen Sie, ob es nicht doch möglich ist, die Trägerschaft weiter zu übernehmen.“ Ansonsten könnte es sein, dass die Kirchenstiftung ab April „beschäftigtenfrei“ ist, erklärte Gröbner.

Ehenfeld bei Hirschau

Hätte der bisherige Träger zum Zeitpunkt des Übergangs auch keine Betriebsstätte und keine Ausstattung, so könnte es auch mit dem Betriebsübergang problematisch werden. „Wenn Sie den Beschäftigten und berufstätigen Eltern, die Kinderbetreuung brauchen, keine Garantien geben, fliegt uns das Ganze hier um die Ohren“, warnt der Gewerkschafter. Erzieher seien dringend gesuchte Fachkräfte am Arbeitsmarkt. „Am Ende ist keinem damit gedient, dass mit den Füßen abgestimmt wird“, ergänzte Gewerkschaftssekretärin Karin Wagner.

Kirche: "Nichts geschehen"

Soweit wäre es nicht gekommen, wäre die Stadt im Sommer eingesprungen, sagte Schörnig. „Die Kündigungen hätte es nicht gegeben, wenn die Stadt im August die Trägerschaft übernommen hätte.“ Damit erntete er empörtes Lachen aus dem Plenum. Der stellvertretende Bürgermeister, Josef Birner (SPD), schaute sauertöpfisch drein. Im Sommer vertrat er urlaubsbedingt Rathauschef Hermann Falk (CSU). „Als ich erfahren habe, dass der Kindergarten zusperrt, habe ich viele Gespräche innerhalb der städtischen Verwaltung geführt. Niemand vonseiten der Kirche hat mit mir auch nur ein Wort gesprochen oder gesagt, dass man gern einen Betriebsübergang hätte.“ Vielmehr sei er informiert worden, dass die Behörden die mit Schimmel befallene Einrichtung schließen würden, käme die Kirche dem nicht zuvor. „So wie Sie das sagen, war es nicht.“

Ehenfeld bei Hirschau

Nun war auch CSU-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Schönberger angefressen. Vor drei Jahren sei man schon zusammengesessen, weil die Kirchenstiftung Pläne über einen Teilabriss beziehungsweise eine Sanierung vorlegte. „Leider war vonseiten der Diözese nichts weiter geschehen.“ Zu einem Betriebsübergang gehöre aber eben nicht nur das Personal, sondern auch eine Betriebsstätte. „Die existiert im Grunde nicht mehr. Wir stellen uns die Frage: Wie handhabt die Diözese den Abriss des alten Gebäudes? Wie steht es um das Grundstück? Das ist bedeutend, um Planungen für einen Kindergarten im Stadtrat anzugehen“, machte er seinem Ärger Luft.

Birner appellierte daher nochmals an die Kirchenvertreter, baldmöglichst verbindliche Aussagen zu treffen. „Es pressiert. Wollen wir als Übergangslösung ein Containerdorf, müssen wir im Vorfeld vieles planen. Es herrscht großer Zeitdruck.“

Nächstes Treffen im November

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner rang den Kirchenvertretern nach der hitzigen Diskussion das Versprechen ab, dass man über die Rücknahme der Kündigungen der Erzieherinnen nachdenken wolle. Mitte November wollen Schörnig und Clemens Neck, der Pressesprecher des Bistums, wieder nach Hirschau kommen und sich einer zweiten Runde stellen. Bis dahin wird wohl auch der Stadtrat öffentlich über den Ehenfelder Kindergarten sprechen.

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