13.02.2020 - 17:46 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Vor 80 Jahren: Großbrand im Kloster Ensdorf

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Das Wirken der Salesianer Don Boscos in Ensdorf wurde vor 80 Jahren jäh unterbrochen: Ein verheerender Brand zerstörte im Winter 1940 einen großen Teil ihres Klosters. Alte Fotos dokumentieren die Katastrophe.

Hier sieht man das ganze Ausmaß der Zerstörung: Der Südflügel (Mitte) und ein Teil des Ostflügels (links) des Klosters Ensdorf aus Richtung des Kirchturms gesehen.

Johann Weiß vom Freundeskreis des Klosters hat jetzt an die Brandkatastrophe von damals in einem Vortrag im Bildungshaus des Klosters Ensdorf erinnert. Anhand alter Fotos zeigte er das Ausmaß der Zerstörung.

Schwarze Brand-Überreste vor weißer Kulisse: Die Gesamtansicht von Osten auf das schwerbeschädigte Klostergebäude. Damals, im Januar 1940, lag Schnee in Ensdorf.

Dachstuhl in Flammen

Laut Weiß wurden 1940 große Teile des Klosters zerstört und ein enormer Sachschaden angerichtet. Er zitierte einen Bericht der Amberg-Sulzbacher Zeitung von damals: „Von einem schweren Brandunglück wurde in der Nacht zu Samstag, den 6. Januar, dem Hl. Dreikönigstag des Jahres 1940, das Klostergebäude in Ensdorf heimgesucht. Gegen zwei Uhr nachts sahen Augenzeugen aus dem Dachstuhl des Klostergebäudes Flammen schlagen, die rasch um sich griffen und in kürzester Zeit den Dachstuhl und die oberen Stockwerke des ganzen Gebäudes vernichteten.“

Im West- (rechts) und Südflügel (Mitte) drangen die Flammen teilweise bis zum 1. Stock vor.

Weiter heißt es in dem Bericht: „Die Flammen erfassten auch den Dachstuhl und den Turm der Klosterkirche. Die am Brandort erschienenen Feuerwehren von Ensdorf, Rieden, Vilshofen und Amberg nahmen mit größtem Einsatz die Bekämpfung des Brandes vor. Ihrem tatkräftigen Einsatz war es zu verdanken, dass die Klosterkirche vor der Vernichtung bewahrt wurde. Das Klostergebäude jedoch wurde ein Opfer der mehrere Stunden andauernden Brandkatastrophe“.

Kloster wird fast zur Ruine

Der mutmaßliche Auslöser des Brandes war der Bäckereikamin im Südflügel.

Das Kloster sei fast zu einer Ruine geworden, berichtete Weiß. Er zitierte aus einer Schilderung der Brandnacht eines Zeugens – des direkt betroffenen Klosterdirektors Pater Stephan Wolferstetter. Demnach verbrannten die Dachstühle aller vier Flügel. Im Inneren fraß sich das Feuer nach unten durch, bis es auf gemauertes Gewölbe oder auf eine Betondecke stieß. Im Pfortenflügel zerstörte es die Säle in den beiden Obergeschossen. Im Südflügel wurden die Kapelle und der Speisesaal ein Raub der Flammen. Erst vor dem überwölbten Erdgeschoss mit der Küche und seinen Nebenräumen machte das Feuer Halt.

Johann Weiß mit dem noch erhaltenen Widder: Von dieser Pumpanlage führte die eingefrorene Leitung zu den Wasserbehältern auf dem Kloster-Dachboden. Zwei Laienbrüder wollten sie mit Bügeleisen auftauen.

Keine Toten oder Verletzten

Im Ostflügel und in einem kleinen Teil des Südflügels, wo die Zimmer mit gemauerten Gewölben überdacht waren, fiel ihm der Dachboden zum Opfer, berichtete Weiß: Was noch stand, war durchnässt. „Gott sei Dank kam bei dem Unglück niemand ums Leben.“ Auch verletzt wurde niemand.

Der Gang vor der Hauskapelle im 2. Stock.
Im Blickpunkt:

Die Brandursache

Als Brandursache wurde laut Weiß zunächst ein Kurzschluss vermutet, was sich allerdings nicht bestätigte. Vielmehr konzentrierten sich die Ermittlungen auf zwei Laienbrüder des Klosters: Diese sollen durch Fahrlässigkeit den Brand verursacht haben. Sie hantierten mit einem elektrischen Bügeleisen, mit dem sie die eingefrorene Leitung vom Wasserwidder (Pumpanlage) von der Quelle im Klostergarten zu den Wasserbehältern auf dem Dachboden auftauen wollten. Am 25. September 1940 wurde diese Angelegenheit an die Strafkammer des Landgerichts Amberg übergeben. Am 8. Mai 1941 gab es dort einen Freispruch. Im Urteil hieß es: „Es spricht alles dafür, dass der Brand infolge des schadhaften Zustandes des überbelasteten Bäckerei-Kamins entstanden ist. Die beiden Laienbrüder trifft an der Entstehung des Brandes keine Schuld“.

Das Deckengewölbe über der Pfarrkirche erhält ein Notdach.
Nach der Katastrophe: Diese Archiv-Aufnahme erinnert an den Aufbau des neuen Dachstuhls der Pfarrkirche.
Der Dachstuhl der Pfarrkirche ist komplett niedergebrannt. Die Deckengewölbe blieben aber unbeschädigt.
Der Nordflügel mit dem bereits angebrannten Kirchturm.

Ein Blick zurück: Die Salesianer in Ensdorf

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