10.07.2021 - 00:21 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Rettet die Biene – Vor der Varroamilbe

Bereits jetzt bereitet sich der Imkerverein Unteres Vilstal auf den Winter vor. Zu tun gibt es einiges. Die Bienen müssen vor ihrem größten Feind gerettet, der Imker-Nachwuchs ausgebildet werden.

von Evi WagnerProfil

Das Thermometer zeigt fast 30 Grad, ein Summen liegt in der Luft. Der Sommer hat Einzug gehalten im Vilstal. Doch die Imker haben ihre eigene Jahreszeit. „Für uns beginnt nun schon fast der Winter“, sagt Karl Siegert vom Imkerverein Unteres Vilstal und lacht. „Der letzte Honig ist im Juli geerntet, die Saison geht auf das Ende zu. Jetzt starten wir mit der Varroabehandlung, um die Bienenvölker gut durch die kalte Jahreszeit zu bringen.“ Die Varroamilbe ist wohl der größte Feind der Bienen. Sie vermehrt sich in der Bienenbrut, beißt die Larven an und verbreitet so Viren. Daran können die Bienen dann sterben. „Um das zu verhindern, müssen wir Imker die Bienen gegen die Varroa behandeln, ohne eine solche Behandlung überleben die meisten Völker nicht.“ Karl Siegert ist nicht nur Schriftführer des Vereins und Bienenfachwart, sondern auch Gesundheitswart. Er weiß genau, was zu tun ist, um die Bienen vor Milben und Krankheiten zu schützen.

Imkern auf Probe

Wie fast alle seiner Vereinskollegen gibt er sein Wissen regelmäßig an Jungimker weiter. Denn alle, die sich für Bienenhaltung interessieren, können beim Imkerverein Unteres Vilstal an einem Schnupperkurs am Lehrbienenstand der Umweltstation des Klosters Ensdorf, den der Verein nutzen darf, teilnehmen oder ein Imker-Probejahr starten. „Wir zeigen hier Basiswissen, das jeder anwenden kann“, erklärt Stephan Graf, Vereinsvorsitzender und selbst Imker aus Leidenschaft. „Gemeinsam lernen wir, welche Arbeiten in einem Bienenjahr anliegen. Zudem erfahren die Teilnehmer Grundlegendes über die Honigbiene und die Pflanzen in unserer Region.“ Im ersten Jahr wird jedem Jungimker ein erfahrener Pate zur Seite gestellt, der ihm dabei hilft, seine Bienenvölker gut durch die Saison zu bringen, den Honig zu schleudern und letztendlich auch ins Glas zu bringen. „Man darf nicht vergessen, hierbei handelt es sich ja um ein Lebensmittel, da müssen ja auch bestimmte Hygienestandards beachtet werden.“

Den ersten eigenen Honig zu ernten ist ein Glückserlebnis, das wohl kein Imker so schnell vergisst. Doch es gibt noch so einiges, was den Umgang mit den Bienen als Hobby so attraktiv macht. „Das Faszinierende für mich ist die Entwicklung im Frühjahr“, schwärmt Stephan Graf. „Wenn man beobachten kann, wie explosiv sich so ein Bienenvolk aufbaut. Wenn es draußen wächst und blüht, kann sich die Volksstärke innerhalb nur einer Woche verdoppeln. Seit ich imkere, erlebe ich die Jahreszeiten viel intensiver. Früher habe ich zwar auch gesehen, wenn zum Beispiel der Apfelbaum blüht. Doch heute achte ich bewusst darauf, denn dann weiß ich, welche Arbeit an den Bienen gemacht werden kann.“ „Für mich ist das Faszinierendste die Biene an sich“, sagt Karl Siegert. „Bei einem Bienenvolk gibt es keinen Entscheider, der den anderen sagt, was zu tun ist. Entschieden wird immer gemeinsam vom ganzen Volk. Daran könnten wir Menschen uns ruhig mal ein Beispiel nehmen.“

Gegenseitig helfen

Zumindest im Verein tut man das schon mal, über wichtige Entscheidungen wird gemeinsam abgestimmt. Sich gegenseitig zu helfen, ist ebenfalls selbstverständlich. „Wenn sich jemand nach seinem Schnupperjahr bei uns entscheidet, mit dem Imkern weiterzumachen, bekommt er von uns einen Ableger oder einen Kunstschwarm, wir unterstützen ihn dann bei der Arbeit mit den Bienen. Manche tun sich auch zusammen, kaufen sich zum Beispiel gemeinsam eine Honigschleuder und helfen sich gegenseitig.“ Auch erfahrene Imker bekommen beim Imkerverein Unteres Vilstal hilfreiche Tipps und können immer wieder dazulernen. Regelmäßig gibt es Fachvorträge von Experten. „In letzter Zeit hat sich wegen Corona natürlich nicht so viel getan wie sonst“, sagt der Vereinsvorsitzende bedauernd. „Aber wir hoffen, dass wir im Herbst wieder ganz normal mit unseren Abendveranstaltungen starten können.“ Interessierte, die in der kommenden Saison an einem Schnupperkurs teilnehmen möchten, können sich noch den ganzen Winter über anmelden.

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