10.09.2020 - 10:50 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Den Wald entdecken

Wenn Naturpark-Ranger Christian Rudolf durch den Hirschwald streift, hört, sieht und riecht er Dinge, die andere gar nicht wahrnehmen. "Wildnis steht für Freiheit", sagt er. "Diese Wildnis lässt sich auch in der heimischen Natur entdecken."

von Autor EWAProfil

Schon als Kind war Christian Rudolf, der seit Mai vergangenen Jahres als Naturpark-Ranger für den Naturpark Hirschwald arbeitet, gerne und viel im Wald. "Wie viele andere habe ich damals die Bücher von Karl May gelesen", erzählt er und lacht. "Vor allem das Trapperleben hat mich fasziniert. Ich habe davon geträumt, durch die Wildnis zu streifen und Abenteuer zu bestehen. Also war ich dauernd mit meinen Freunden draußen und mit meinem Opa beim Fischen."

Wildnispädagoge

Trapper ist der Oberpfälzer zwar nicht geworden, aber Förster und Berufsjäger, Wildnispädagoge und nun Naturpark-Ranger. "Das, was ich damals schon toll fand, tue ich auch heute noch", sagt er zufrieden - und macht sich wieder einmal auf den Weg in den Wald. Auch Ronja (8) und Ida (6) lieben es, mit ihrem Papa durch die Natur zu streifen.

Denn schließlich gibt es dort immer wieder Neues zu entdecken. Tierspuren und Fährten zum Beispiel, leckere Früchte und Wildpflanzen, Fledermauskästen oder interessante Krabbeltiere. "Ich schau gerne den Ameisen zu", sagt Ida begeistert. "Oder den Spinnen."

Ihre Schwester interessiert sich da mehr für die größeren Tiere und liebt es, dem Rotvieh im Hirschwald einen Besuch abzustatten. Oder mit Papa die Spuren auf dem Boden zu bestimmen. "Viele Menschen laufen durch den Wald, ohne irgendetwas wahrzunehmen", sagt dieser. "Dabei gibt es hier ständig so viel Interessantes zu hören und zu sehen. Es lassen sich zum Beispiel bis zu 50 verschiedene Vogelarten entdecken. Rehbetten liegen oft direkt neben den Wegen."

Leckere Streifzüge

Gerade jetzt im Spätsommer und Frühherbst kann ein Streifzug durch den Wald auch noch richtig lecker werden. Wilde Himbeeren und Brombeeren wachsen direkt an den Wegen, es lassen sich Pilze und Wildkräuter sammeln, auch Pastinaken oder Wilde Möhren sind zu finden. "Nehmen wir die mit nach Hause zum Kochen?", fragt Ronja und zieht einen Doldenblütler aus dem Boden. "Mhmm, das riecht richtig nach gelber Rübe."

Christian Rudolf nickt. "Viele Menschen schätzen die Privilegien gar nicht, die es in unseren bayerischen Wäldern gibt", sagt er und pflückt einige Brombeeren. "Diese können nicht nur jederzeit frei betreten werden, sondern auch Pilze, Beeren oder andere Pflanzen dürfen für den Eigenbedarf gesammelt werden.

Die Verbote, die es gibt, sind überschaubar. Wenn jemand unsicher ist, kann er jederzeit bei der zuständigen Forstverwaltung nachfragen."

Natur entdecken

Nicht erlaubt sei zum Beispiel das Wildcampen oder das Feuermachen, erklärt der Naturpark-Ranger. Doch auch da gibt es Ausnahmen. Etwa dann, wenn eine ausdrückliche Genehmigung vom Waldbesitzer vorliegt.

Grundsätzlich gilt: Wenn sich jeder im Wald so verhält, wie er das auch im eigenen Garten tun würde, ist schon viel gewonnen. "Jeder kann den Wald nutzen", betont Christian Rudolf. "Aber bitte so, dass es keinen anderen schädigt."

Nicht nur bei seinen Kindern möchte er die Lust wecken, die Natur immer wieder neu zu entdecken. In verschiedenen Seminaren, Kursen und Weiterbildungen gibt er jeden die nötigen Grundkenntnisse mit auf den Weg, um mit offenen Augen und Ohren den Wald zu erleben.

Mehr zum Naturpark Hirschwald

Info:

Die Waldregeln - Was erlaubt ist:

  • Den Wald auch abseits der Wege betreten. In Nationalparks oder Naturschutzgebieten kann allerdings die Pflicht bestehen, auf den Wegen zu bleiben, um gefährdete Arten zu schützen.
  • Pilze, Beeren oder Nüsse in geringen Mengen zum Eigenbedarf sammeln. Bei Blumen und Kräutern gilt die sogenannte „Handstraußregelung“. Das heißt: Man darf einen Blumenstrauß pflücken.
  • Ein Picknick machen. Selbstverständlich sollte allerdings sein: Müll bitte anschließend wieder mit nach Hause nehmen.
  • Radfahren und Reiten auf dafür geeigneten und ausgeschriebenen Wegen.
  • Hunde ohne Leine laufen lassen, solange sie sich im „Wirkungskreis“ ihres Besitzers befinden.
Info:

Die Waldregeln - Was verboten ist:

  • Ein Lagerfeuer machen. Ausnahme: wenn vorher eine schriftliche Einwilligung des Waldbesitzers eingeholt wurde.
  • Das Rauchen ist vom 1. März bis 31. Oktober verboten.
  • Generell gilt: Wildcampen in Zelt oder Wohnwagen ist nicht erlaubt. Ausnahme: ausdrückliche Zustimmung des Grundstückeigentümers.
  • Wilderei und Fischwilderei. Lebende oder tote Wildtiere, deren Nester oder auch Eier, Federn oder Geweihstangen dürfen nicht mitgenommen werden. Es ist auch nicht erlaubt, ohne Fischereischein und Tageskarte zu angeln.
  • Pflanzen, die forstwirtschaftlich angebaut wurden (Bäume, junge Setzlinge, Schmuckreisig, Brennholz) oder streng geschützte Arten dürfen nicht mit nach Hause genommen werden. (ewa)

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