14.07.2021 - 11:56 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Zimmerer Christoph Rester geht drei Jahre und einen Tag auf die Walz

Die sogenannten Wanderjahre gibt es seit dem Mittelalter. Zimmerergeselle Christoph Rester aus Rannhof (Gemeinde Ensdorf) folgt dieser Tradition und machte sich auf die Walz.

Zimmerergeselle Christoph Rester (liegend) aus Rannahof, Ensdorfs Bürgermeister Hans Ram (rechts) und die zehn Handwerksgesellen, die Christoph Rester auf seinem ersten Stück der Walz begleiteten.
von Externer BeitragProfil

Genau drei Jahre und einen Tag wird Christoph Rester aus der Gemeinde Ensdorf seine Heimat nun nicht mehr sehen. So lange ist der junge Zimmerergeselle nun auf Wanderschaft. Zusammen mit zehn weiteren Handwerksgesellen ist er von seinem Heimatort Rannahof aus zur Walz aufgebrochen – und folgt damit einer uralten Tradition.

Die sogenannten Wanderjahre gibt es seit dem Mittelalter. Im späten Mittelalter wurden sie sogar für manche Zünfte zur verpflichtenden Voraussetzung, um eine Meisterprüfung ablegen zu dürfen. Während dieser Zeit zogen die Gesellen von Stadt zu Stadt, meist allein, manchmal in Begleitung eines weiteren Gesellen und suchten in den ansässigen Werkstätten nach Arbeit. Dabei waren die Wandergesellen mittellos und lebten von dem, was sie auf der Wanderschaft verdienten.

Keine Ersparnisse bei sich

Auch die Gesellen, die in Ensdorf Halt machten, gestalten ihre Walz nach diesem Vorbild. Auch sie sind zu Fuß unterwegs und haben keine Ersparnisse bei sich. Einige in der Gruppe sind schon seit Jahren unterwegs, andere erst seit Wochen, einer der Männer kam gerade aus Berlin, ein anderer war von Lübeck nach Rannahof gekommen, um Christoph Rester auf der Wanderschaft zu begleiten. Denn auch das ist Tradition bei der Walz: Ein Wandergeselle, der zu seiner großen Wanderschaft aufbricht, wird mit einem Fest verabschiedet, von anderen Gesellen eingekleidet und mit einer Zeremonie aus seinem sogenannten Bannkreis gebracht. Der Bannkreis beträgt einen Radius von 50 Kilometern um den Heimatort des Wanderers. Erst, wenn er diesen verlassen hat, trennt er sich von den anderen Gesellen und darf sich Arbeit suchen. Der Bannkreis darf dann in den nächsten drei Jahren nicht mehr betreten werden.

Geheime Regeln

Bei einem Treffen mit Ensdorfs Bürgermeister Hans Ram (SPD) erklärten die Wandergesellen, dass die Wanderung tatsächlich auch zu einer Weltreise werden kann. Im ersten Jahr blieben die meisten zwar im deutschsprachigen Raum, doch dann sei es durchaus üblich, auch durch Europa oder die ganze Welt zu reisen – immer anhängig davon, wo es Arbeit gibt und ob die Gesellen das Ziel ohne Geld überhaupt erreichen könnten. Viel allerdings gaben die Wanderer bei ihrem Termin im Rathaus nicht preis. Denn die Walz folge uralten Regeln, die von Wandergeselle zu Wandergeselle weitergegeben werden, die Außenstehenden aber vorenthalten bleiben sollen. Nur so viel verrieten die elf Frauen und Männer noch: Anders als im Mittelalter müssten sie nicht ausschließlich zu Fuß gehen – meist käme man per Anhalter erstaunlich weit. Die Walz ist seit 2015 ein immaterielles Weltkulturerbe. Alljährlich brechen nur noch wenige hundert Handwerksgesellen in Deutschland zu ihren Wanderjahren auf. Die Gruppe, die Christoph Rester abholte, bestand aus Bäckern, Konditoren, Köchen, Landwirten, Zimmerern, Schreinern, Schweißern, Metzgern und einem Hund.

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