04.07.2019 - 17:08 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Abruptes Erdbeer-Ende

Die andauernde Hitze und extreme Trockenheit machen den Erdbeeren auf den Feldern den Garaus. Einige Vermarkter beendeten die Pflückzeit deshalb nach gerade einmal zwei Wochen.

Die Erdbeeren sind reif.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Hochzeit bei der Erdbeerernte. "Bei uns brennt's!", berichtet Hermann Bösl. Der Familienbetrieb mit Sitz in Erbendorf meldet am Mittwochabend über die Sozialen Medien, dass aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit die Erdbeerernte auf den Selbstbedienungs-Feldern nur noch wenige Tage geht. Der Chef ist ständig im Einsatz auf seinen elf Feldern. Zwei davon mussten schon geschlossen werden. Bei weiteren dreien reduzierte Bösl die Öffnungszeiten. Die Ernte läuft seit Mitte Juni. Wie lange die Ernte auf den einzelnen Feldern noch möglich ist, kann er nicht sagen.

Erst Frost, dann Hitze

"Das ist ganz unterschiedlich. Wo es mehr geregnet hat, gehts länger." Dass die Erdbeerzeit heuer kürzer ausfällt, sei laut Bösl nichts besonderes. "Die kann zwei Wochen dauern oder sechs Wochen." Dieses Auf und Ab mache er schon seit Jahrzehnten mit. "Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren. Beim Obst ist das so individuell." Trotzdem mache die andauernde Hitze und akute Trockenzeit den Erdbeeren heuer schwer zu schaffen. Das bestätigt auch Bernhard Schedl vom Fürstenhof bei Schwarzenbach. Er beendete die Erdbeer-Saison bereits am Mittwochabend. Schedl baut auf vier Feldern Erdbeeren an. Das Feld in Schwarzenbach sei für Selbstpflücker gedacht, ebenso eines im tschechischen Nachbarland. "Unsere Ernte hat genau zwei Wochen gedauert", erklärt der Fürstenhof-Betreiber.

Dafür gebe es zwei Gründe: "Wir haben durch den Blütenfrost im Frühjahr 50 Prozent des Ertrags verloren. Dazu kommt das extrem heiße Wetter. Das tut den Pflanzen weh." Weil die Ernte bereits 2018 schlecht ausgefallen ist, möchte der Landwirt aus Schwarzenbach im nächsten Jahr auf Spätsorten umstellen und diese dann komplett mit Stroh abdecken, damit sie einen längeren Winterschlaf haben.

Trotzdem zufrieden

Trotzdem ist er mit der Saison 2019 zufrieden. "Unsere Erdbeeren hatten eine sehr gute Qualität", zieht Schedl Bilanz. Die Kunden, auch im Einzugsbereich Tschechien, hätten die kurze Zeit ausgenutzt. Nur jetzt fehlt der Regen und setzt der Pflückzeit ein abruptes Ende. Die verbliebenen grünen Erdbeeren werden nicht mehr rot. Nicht nur auf dem Erdbeerfeld in Schwarzenbach war sehr viel los, auch auf dem Blühstreifen des Landwirts schauten die Kunden vorbei. Schedl hat nur eine kurze Pause. Nach der Erdbeerzeit steht für ihn nun die Heidelbeersaison an. Diese startet in etwa 14 Tagen.

Auch der Familienbetrieb "Erdbeerland Frohmader" in Vordorfermühle bei Tröstau im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel weist in den Sozialen Medien darauf hin, dass den Erdbeerfreunden wegen der anhaltenden Trockenheit nicht mehr viel Zeit für die Ernte bleibt. Klaus Frohmader betreibt neben dem Hofladen drei Erdbeerfelder zum Selbstpflücken. Jeweils eines in Brand, Schwarzenreuth bei Neusorg und direkt bei der Vordorfermühle.

Hintergrund:

Erdbeeren leiden an Sonnenbrand

Erdbeeren wachsen zumeist auf Feldern, wo die Böden das Wasser nicht besonders gut halten. Staunässe mögen sie nämlich gar nicht. Da sei der Wassermangel besonders zu spüren, erklärt Harald Schlöger, Gartenamtsrat und Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt. Wegen ihrer dünnen Fruchthaut bekommen die Erdbeeren dann leicht Sonnenbrand und faulen dann schneller. Zudem gehe die Pflückzeit für manche Sorten langsam zu Ende. Unter Sonnenbrand leiden auch Johannis- oder Stachelbeeren, die noch am Strauch faulen.

"Das zweite Trockenjahr in Folge macht sich schon bemerkbar." Nicht nur bei Beeren, auch beim Obst. "Da ist dieses Jahr nicht viel drin. Laut Kreisfachberater seien die Kirschen heuer kleiner als sonst. Äpfel und Birnen hätten zudem unter dem Spätfrost zu den Eisheiligen gelitten. "Dazu kommt ein zweiter Effekt: Wir hatten 2018 ein sehr gutes Obstjahr. Die Bäume haben überreich getragen und sich dabei fast übernommen. Sie bilden daher weniger Blütenknospen und setzen im Folgejahr kaum Früchte an." Dafür erwarte Schlöger eine gute Ernte für Tomaten und Paprika.

"Das ist die Natur, das muss man hinnehmen", sagt Schlöger. "Das eine leidet, das andere profitiert. Die 35 Grad letzte Woche waren einfach zu viel. Die Erdbeeren können nicht in den Schatten laufen", sagt Schlöger. Obstbauer könnten heuer nur ein eingeschränktes Sortiment anbieten. "Deshalb muss man nicht in Panik verfallen. Aber bestimmte Kulturen und Früchte bekommen bei anhaltender Trockenheit Probleme."

Gabi Müller aus Waldeck sammelt Erdbeeren für eine leckere, selbst gemachte Marmelade.
In Erbendorf sind viele Felder zum Selberpflücken stadtnah angelegt. Auch dort wird die Ernte diesmal nicht sehr lange dauern.
Erdbeerernte vor den Toren der Stadt Erbendorf.
Der Preis hängt davon ab, wie viel man pflückt. Wer mindestens acht Kilo sammelt, zahlt derzeit etwa drei Euro für das Kilo.

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