10.01.2022 - 14:35 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Über 300 Impfungen bei Sonderimpfaktion in Erbendorf

Es war eine kurzfristig geplante Sonderimpfaktion mit Biontech in Erbendorf: Über 300 Bürger nahmen das Angebot des Impfzentrums des Landkreises Tirschenreuth an.

Trotz winterlicher Temperaturen standen am Samstagvormittag Menschen entlang des Stadtparks, um eine Impfung zu erhalten.
von fksProfil

303 Menschen sind am Samstag in die Stadthalle Erbendorf gekommen, um sich gegen Corona impfen zu lassen. Das Angebot war ungewöhnlich: Der Impfstoff von Biontech wurde an alle Impfwilligen vergeben – und das auch noch ohne Termin. Meist werden über 30-Jährige derzeit mit Moderna geimpft, da Biontech bevorzugt an Jüngere gehen soll. Grund dafür, dass Biontech an alle Impfwilligen verimpft wurde, war der drohende Verfall der Impfdosen.

Melissa Wagner, Leiterin des Impfzentrums Waldsassen, hatte bei der Regierung der Oberpfalz diesen Sondertermin beantragt. Dieser wurde auch genehmigt, jedoch mussten zwei Voraussetzungen erfüllt werden: eine Kooperation mit den Hausärzten und ein Impfangebot ohne vorherige Terminvergabe.

Wagner hatte dann den Mittwoch vergangener Woche vorwiegend am Telefon verbracht, um ihre Planungen zu realisieren. Unterstützung erhielt sie von BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl und dessen Stellvertreter Sven Lehner. Einer der ersten Anrufe ging an Hausarzt Adrian Kottas, der in Erbendorf praktiziert. Ohne zu zögern willigte er ein, die Aktion zu unterstützen. Mit Dr. Lena Steiner, Dr. Hans-Joachim Zebisch und Dr. Viktoriya Bauer-Yankulova fanden sich schnell drei weitere Erbendorfer Ärzte.

Ärzte, Stadt und Feuerwehr

Damit war der Grundstein für Wagner und ihr Team gelegt. Binnen kürzester Zeit bestätigte Bürgermeister Johannes Reger, dass die Stadthalle genutzt werden dürfe, Kommandant Bernhard Schmidt sicherte die Unterstützung beim Auf- und Abbau durch die Feuerwehr Erbendorf zu. Am Donnerstagabend war die Liste der Mitwirkenden Haupt- und Ehrenamtlichen des BRK im Kreisverband Tirschenreuth aufgestellt, ein Dienstplan angefertigt worden. Über die Hälfte des ehrenamtlichen Teams am Aktionstag stammte direkt aus Erbendorf.

Wagner bedankte sich bei allen Beteiligten für die kurzfristige Unterstützung. Am Freitagvormittag war klar, dass es vier parallele Impfstraßen geben wird – Grundvoraussetzung, um möglichst viele Menschen in den geplanten sechs Stunden impfen zu können. Schließlich mussten mehrere Stationen besetzt werden. Nach dem Zutritt zur Aktionsimpfstelle mussten sich die Impfwilligen zunächst registrieren lassen. Danach ging es weiter zur ärztlichen Aufklärung, aufgeteilt auf die vier beteiligten Hausärzte. Waren alle Fragen beantwortet und Aufklärungsbogen unterschrieben, kam der kleine Piks in den Oberarm.

Im Hintergrund zogen zwei Mitarbeiterinnen des Impfzentrums die Impfspritzen auf und verteilten sie an die vier Impfteams. Für die abschließende viertelstündige Wartezeit war ein weiterer Raum vorbereitet worden, damit bei eventuellen Schwierigkeiten schnelle Hilfe geleistet werden könnte.

Wer am Samstagvormittag an der Stadthalle vorbei kam, staunte nicht schlecht: Die Warteschlange reichte vom unteren Eingang mehrere hundert Meter am Stadtpark entlang. Am Ende sollten es 303 Menschen gewesen sein, die sich zur Erst-, Zweit- oder Drittimpfung in der Stadthalle der Steinwaldstadt eingefunden hatten. Wegen des großen Andrangs in den Anfangsstunden harrten viele Menschen in der winterlichen Kälte aus, bevor sie die Stadthalle betreten konnten. Gegen Mittag war der große Andrang vorbei und weitere Impflinge konnten zügig den Gang durch die Impfstelle angehen.

16 Prozent von außerhalb

Unter den 303 Geimpften waren 17 Personen (5,6 Prozent), die sich zum ersten Mal gegen das Coronavirus immunisieren ließen. 37 (12,2 Prozent) waren zum zweiten Mal bei einer Impfung. 249 (82,2 Prozent) war die große Mehrheit für die dritte Impfung. 16 Prozent waren Bürger von außerhalb des Landkreises Tirschenreuth, die die Möglichkeit der terminfreien Impfung nutzten. Wagner zeigte sich am späten Samstagabend zufrieden: "Wir freuen uns über jeden, den wir heute erreichen konnten", fasste sie den Tag zusammen. Es wären durchaus noch genügend weitere Impfungen möglich gewesen, doch eines zeigte dieser Tag deutlich: Wenn ein einfaches Impfangebot bereitgestellt wird, sind viele Menschen bereit es anzunehmen.

Zudem gab es am Samstag Impfaktion bei der Impfstation in Kemnath und im Impfzentrum Waldsassen. In Waldsassen ließen sich 290 Personen (Erstimpfung: 8, Zweitimpfung: 73, Auffrischungsimpfung: 209) impfen , davon waren 11 Prozent von außerhalb des Landkreises. Zur Station in Kemnath kamen 104 Bürger (2, 11, 91), davon waren 4 Prozent von außerhalb des Landkreises. "Der vom Verfall bedrohte Biontech-Impfstoff wurde rechtzeitig umverteilt, sprich ins Impfzentrum Waldsassen zurückgebracht, wo er planmäßig verimpft werden konnte. In Erbendorf wurde dafür am Nachmittag noch länger haltbarer Impfstoff vorgehalten, der aber nicht mehr verbraucht wurde. Daher gab es keinen Verwurf", fasst Sven Lehner am Montag auf Nachfrage zusammen.

Weitere Termine

In den kommenden Tagen sind auch wieder mobile Impfteams im Landkreis unterwegs. Hierfür ist, anders als am Sonderaktionstag, eine Terminvereinbarung unter www.impfzentren.bayern nötig. Dort gibt es für die über 30-Jährige Moderna und Biontech für die Jüngeren.

  • Dienstag, 11. Januar, 14 bis 21 Uhr, Feuerwehrhaus Tirschenreuth
  • Mittwoch, 12. Januar, 14 bis 21 Uhr, Feuerwehrhaus Bärnau
  • Donnerstag, 13. Januar, 9.30 bis 15.30 Uhr, Feuerwehrhaus Ebnath
  • Donnerstag, 13. Januar, 14 bis 21 Uhr, Mehrzweckgebäude Premenreuth
  • Freitag, 14. Januar, 9.30 bis 15.30 Uhr, alte Sporthalle Waldershof
  • Freitag, 14. Januar, 14 bis 21 Uhr, Mehrzweckhalle Kemnath
  • Samstag, 15. Januar, 9.30 bis 15.30 Uhr, Mittelschule Wiesau
  • Samstag, 15. Januar, 14 bis 21 Uhr, BRK-Bereitschaftsraum Konnersreuth
  • Sonntag, 16. Januar, 9.30 bis 15.30 Uhr, BRK-Bereitschaftsraum Poppenreuth
  • Sonntag, 16. Januar, 14 bis 21 Uhr, Kultursaal Plößberg

Wer sich im Landkreis Tirschenreuth gegen Covid-19 impfen lassen will, hat eine große Auswahl an Möglichkeiten

Tirschenreuth
Sven Lehner (im Vordergrund) registrierte die Impfwilligen an der ersten Station. Danach ging der Weg weiter zur ärztlichen Aufklärung.
Die Erbendorfer Ärztin Dr. Lena Steiner (links) klärte die Patienten über Impfstoff, Wirkungen und Nebenwirkungen auf und beantwortete bereitwillig viele medizinische Fragen.
Hausarzt Adrian Kottas erklärte sich sofort bereit, an der Impfaktion in Erbendorf mitzuwirken.

"Wir freuen uns über jeden, den wir heute erreichen konnten."

Melissa Wagner, Leiterin des Impfzentrums Waldsassen

 

 

Kommentare

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Martin Pfeifer

Vielen Dank an alle Mitwirkenden für diese Soder-Impfaktion. Der Erfolg dieser Aktion und auch weiterer Aktionen dieser Art in anderen Orten zeigt mir, das dieses Impfangebot die Leute wohl mehr anspricht als ein Impfzentrum in dem man sich vorher ohne große Terminauswahl anmelden muß.

Nichts gegen eine Anmeldung, aber die Möglichkeiten der Software, die den Impfzentren zur Verfügung steht, ist immer noch zu sehr auf die Verwaltung des Mangels ausgerichtet. Es ist nur möglich einen Tage und "vormittags" oder "nachmittags" auszuwählen. Wer seinen Termin ein bis zwei Wochen im voraus buchen will und einen Termin nach dem Feierabend wünscht, bekommt so nie zu einem sinnvollen Termin. Da ist noch Luft nach oben, aber die aktuelle Stand beim Thema Distanzunterricht zeigt nach 2 Jahren Pandemie, das die Staatsregierung in Sachen Digitalisierung immer noch in der Steinzeit ist. Traurig.

11.01.2022