25.06.2019 - 17:29 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Windpark im Hessenreuther Wald: Kommunen nicht einbezogen

Energiewende ja, aber nicht vor der eigenen Haustür? Der geplante Windpark im Hessenreuther Wald ist umstritten, auch bei den Rathauschefs der angrenzenden Gemeindegebiete in Erbendorf, Pressath und Kemnath.

Auf diesem Luftbild sieht der Betrachter vorne Hessenreuth und hinten Erbendorf. In der Mitte verläuft die B 299. Links von der Bundesstraße, in der Mitte von beiden Ortschaften, befindet sich das Waldgebiet „Silberschlag“. Dort plant die Gesellschaft Natural Energy Solutions einen Windpark mit sieben Anlagen. In der Bevölkerung und unter den Bürgermeistern der angrenzenden Gemeinden ist das Vorhaben umstritten.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Mehr als 150 Leute wanderten am Sonntag im Hessenreuth Wald, um sich über den geplanten Windpark an dieser Stelle zu informieren. Im Waldstück „Silberschlag“ gibt es von der Gesellschaft Natural Energy Soloutions (NES) bereits Planungen zu sieben Anlagen. Zudem laufen Untersuchungen für die sogenannte artenschutzrechtliche Prüfung (saP). Zu der Wanderung aufgerufen hatte die Kreisgruppe des Vereins für Landschaftspflege- und Artenschutz (VLAB). Dieser spricht sich gegen die Windkraftanlagen aus. Aber was denken die Bürgermeister der angrenzenden Kommunen über das Vorgehen von NES?

Lesen Sie hier den Artikel "Windkraft im Wald wühlt Bürger auf" auf onetz.de

Erbendorf

Das sprachliche Bild klingt ebenso salopp wie treffend. In Sachen Windkraft im Hessenreuther Wald will der Erbendorfer Bürgermeister Hans Donko (CSU) keine ungelegten Eier ausbrüten. „Wir haben keinen Diskussionsbedarf. Ich kann nicht über Sachen reden, die nicht existieren.“ Will heißen: An die Steinwaldstadt ist auf dem Verwaltungsweg bislang noch niemand herangetreten.

Was das Anlaufen der sogenannten artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) betrifft, kommentiert Donko: „Ich weiß nicht, wer hier einen Antrag gestellt hat.“ Die Stadt Erbendorf habe das Thema augenblicklich auf alle Fälle nicht auf der Agenda. Die Windkraft sieht Donko als sehr komplexes Thema: „Jeder will regenerative Energie, aber nicht vor der eigenen Haustüre.“ Jedoch seien entsprechende Projekte inzwischen schwieriger geworden, weil sich das Stimmungsbild in der Bevölkerung gewandelt habe, die Menschen seien sensibler geworden. „Ich verstehe ihre Sorgen.“

Die Wanderung der VLAB-Kreisgruppe am Sonntag zu möglichen Windkraftstandorten sieht Donko als Beitrag zu einem Meinungsbild. Sollte das Thema wirklich auf den Tisch kommen, könnte sich der Erbendorfer Bürgermeister vorstellen, dass es im Zuge eines Bürgerentscheids befürwortet oder angelehnt wird.

Lesen Sie hier den Artikel "Windpark im Hessenreuther Wald wird forciert" auf onetz.de

Erbendorf

Bevölkerung mehr einbeziehen

Auf der anderen Seite des Hessenreuther Waldes sieht Bürgermeister Werner Walberer (SPD) die Angelegenheit eher leidenschaftslos. "Jeder will eine Energiewende haben, doch keiner will die Windkraft- oder Solaranlagen haben." Walberer spricht sich für die Nutzung erneuerbarer Energien aus. "Ich stehe dem offen gegenüber. Wir wollen keinen Strom mehr aus Atom- oder Kohlekraftwerken. Trotzdem soll der Strom aus der Steckdose fliesen." Walberer ist zwar informiert über die Planung der Windkraftanlagen im Hessenreuther Wald, jedoch weiß er auch nicht viel mehr, als die anderen Bürgermeister. Seiner Ansicht nach müsse aber die Bevölkerung mehr mit einbezogen werden. "Nur das kann einen Konsens schaffen." Außerdem verweist er auf die 10-H-Regelung in Bezug auf die Planung von Windkraftanlagen. "Das ist ein langwieriger Weg. Erst, wenn in Bezug auf die Regelung alles erfüllt ist, kann das Projekt umgesetzt werden."

"Gewaltiges Bauchkrimmen"

Bürgermeister Werner Nickl (CSU) weiß, dass Windkraftanlagen wichtig und notwendig sind. "Wenn ich aber an Anlagen im Hessenreuther Wald denke, kriege ich ein gewaltiges Bauchkrimmen", erklärt er. Der Hessenreuther Wald sei wichtig für die Region. "Einerseits ist es eine ästhetische Sache. Andererseits spielen aber auch Natur- und Artenschutz eine wichtige Rolle. Mit dem Bau dieser Anlagen wird auch das Waldkauzprojekt, das dort vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde, wieder in Frage gestellt." Vor einigen Jahren gab es ähnliche Überlegungen im Raum Kemnath. "Wir wollten vor fünf Jahren an der Flötz nördlich von Immenreuth ein Windkraftprojekt starten. Auch hier sprachen Belange bezüglich des Naturschutzes dagegen."

Lesen Sie hier den Artikel "Gegen Windpark aussprechen"

Guttenberg bei Kemnath

Seiner Ansicht nach sollten unberührte Landschaften nicht mir Windparks zugebaut werden. "Für mich ist das eine Verschandelung. Flächen oder Gelände, wo eine gewisse infrastrukturelle Störung schon vorhanden ist, wie an einer Autobahn, da ist es in Ordnung." Nach Nickl sollte klar differenziert werden, welche Landschaft Windräder verträgt und welche nichte. "Im Norden Deutschlands, wo es viel Flachland gibt, reichen Windräder, die 60 Meter hoch sind. Bei uns bräuchte es Anlagen, die etwa 230 Meter in die Höhe ragen, um die gleiche Leistung zu bekommen." Zudem befremdet es den Kemnather Bürgermeister, dass die artenschutzrechtliche Prüfung ohne die Kommunen erfolgt ist. "Weder Erbendorf noch Kemnath wussten von den Planungen und Untersuchungen." Für ihn sei dieses Vorgehen keine gute Grundlage für eine Diskussion zu diesem Thema. "Egal, was bei diesem Gutachten rauskommt, ohne die Bevölkerung und die Kommunen kann das nicht verwirklicht werden." Aus diesem Grund geht er auch davon aus, dass sobald die Pläne von der Gesellschaft Natural Energy Solutions (NES) konkreter werden, der Stadtrat dem Vorgehen sehr kritisch gegenüber stehen wird.

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