21.07.2019 - 19:02 Uhr
MünchenOberpfalz

Erziehung zum Widerstand am Beispiel "Weiße Rose"

Das Thema Widerstand ist nicht nur wegen des 75. Jahrestages des missglückten Attentats vom 20. Juli 1944 aktuell. Rechtspopulisten wollen sich des Themas bemächtigen. Militärbischof Overbeck weist das zurück.

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck (Mitte) leitet das Gedenken für die Mitglieder der „Weißen Rose“ in der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Rechts neben ihm steht Berthold Goerdeler, Enkel von Carl Friedrich Goerdeler, einem Mitverschwörer des 20. Juli.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Für Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg war es am 20. Juli 1944 Zeit, dass etwas getan wird. Der Wehrmachtsoffizier, dessen Name "gleichsam synonym für den militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler" steht, sagte der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck, beschrieb den Gewissenskonflikt desjenigen, der sich dem Widerstand zuwendet, 1944 so: "Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem Gewissen."

In diesem Jahr, in dieser Woche, in der sich das missglückte Attentat auf Adolf Hitler zum 75. Mal jährte, spürte eine Vorlesungsreihe an der Hochschule für Philosophie in München der Frage nach der "Bildung zum Widerstand" nach. Zum Abschluss ging es um das Thema: "Weiße Rose: Ethik des Widerstands - gestern und heute". Dazu luden Hochschule, katholische Militärseelsorge, Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (Zebis), die Sanitätsakademie der Bundeswehr München, Weiße-Rose-Stiftung und die Stiftung Kulturelle Erneuerung zu einer Podiumsdiskussion ein. Es begann mit einem Gedenken an die Studenten der "Weißen Rose", die schon in den Jahren 1942 und 1943 zum Widerstand gegen das NS-Regime aufgerufen hatten. Bereits in ihrem ersten Flugblatt hatten sie "das Bürgertum auf seine staatspolitischen Pflichten hingewiesen", sagte Overbeck.

Zugleich betonte der Militärbischof, politischer Widerstand komme nur in Betracht, wenn alle "friedlichen und legalen Mittel ausgeschöpft sind". Und: Widerstand dürfe nur um des Rechts willen geleistet werden. Dieser richte sich gegen eine verbrecherische Obrigkeit. Overbeck nannte es inakzeptabel, dass "mehr oder weniger radikale Gruppierungen, mehrheitlich von rechts, den Begriff Widerstand und ihr Recht darauf für sich beanspruchen" und erhielt viel Applaus.

Eingangs hatte Professor Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie, vor den 200 Gästen, darunter Soldaten aus der Oberpfalz deutlich gemacht, dass der rechtsextremistische Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gezeigt habe, wie notwendig eine Veranstaltung sei, in der es um Widerstand und Extremismus geht.

Berthold Goerdeler, Enkel Carl-Friedrich Goerdelers, dem zivilen Kopf des Widerstandes vom 20. Juli 1944, hatte mit der Kulturphilosophin Barbara Schellhammer (Hochschule für Philosophie) die Vorlesungsreihe organisiert. Er betonte die Bedeutung des Gewissens. "Wie kommen wir dahin, ein Gewissen in der breiten Bevölkerung wieder aufleben zu lassen." Schon in den in den Jahren 1933/34 sei ein Überspülen der Tugenden zu beobachten gewesen, etwa des einfachen menschlichen Anstandes. Letzterer werde auch heute immer häufiger vermisst.

Berthold Goerdeler, der regelmäßig an Schulen Vorträge hält und mit Schülern diskutiert, zitierte den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der als Mitverschwörer im KZ-Flossenbürg hingerichtet worden war: "Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen."

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