Eschenbach
15.03.2023 - 18:12 Uhr
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Eisdielen im Landkreis Neustadt eröffnen: Kostet eine Kugel Eis bald zwei Euro?

Die Eissaison beginnt. Seit Anfang März kreieren die Eismacher in Eschenbach, Grafenwöhr oder Pressath altbewährte Klassiker und neue ausgefallene Sorten. Allerdings müssen Eisesser meist mit höheren Preisen rechnen.

Kaum zeigt sich die Sonne, zieht es viele in die Eisdiele. Doch der Blick auf die Preise trübt die Vorfreude auf den eiskalten Genuss. Eine Kugel Eis zum Mitnehmen in der Waffel oder im Becher kostet zum Saisonauftakt im März 1,50 Euro, wie etwa bei Eis Europa in Eschenbach.

"Wir haben lange überlegt mit den Preisen", sagt Inhaberin Rita Dal Cin. Letztlich sei die Steigerung um 20 Cent im Vergleich zum Vorjahr nötig gewesen – das sind 15 Prozent. Grund hierfür seien neben den Energiekosten für Strom vor allem die gestiegenen Preise für Rohstoffe, die zur Zubereitung von Speiseeis notwendig sind. Zucker oder Sahne gehören zu den Hauptzutaten. "Alles wurde erhöht", sagt Ehemann Stefano Dal Cin, der sich mit der Herstellung von Eis auskennt und die Sorten selbst zubereitet. Der gebürtige Italiener erinnert an die 90er Jahre vor der Euro-Einführung, in der eine Kugel Eis noch eine D-Mark gekostet hat. Vor etwa zehn Jahren war für die Kugel Eis der gleiche Betrag fällig, allerdings in Euro.

Teil der Coronahilfen zurückzahlen

Rita und Stefano Dal Cin haben die Eisdiele in Eschenbach vor 15 Jahren übernommen. Ganzjährig sind sie in Eschenbach zuhause. Die Coronapandemie sei für sie nicht einfach gewesen. "Was ist die Coronahilfe, wenn man fast alles wieder zurückzahlen muss?", fragt sich Rita Dal Cin. Sie ist nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch vierfache Mutter. Neben ein paar Aushilfen und Springern im Sommer hält einzig und allein die Familie den Betrieb am Laufen. "Die Große macht daheim Babysitter oder arbeitet mit", sagt die Mutter, deren Leben sich zwischen Eisdiele und Kindergarten abspielt. Ihren Tagesablauf muss sie ebenso durchdacht planen wie die Ausgaben für die Eisdiele. Bei Personalkosten müsse sie den Mindestlohn von zwölf Euro einkalkulieren. Hinzu kommen unerwartete Reparaturen und Neuanschaffungen, zum Beispiel für einen neuen Gefrierschrank oder eine neue Eismaschine.

Trotz Preissteigerung ist den Eisdielen-Besitzern aber auch klar: "Ab null Grad haben die Leute Lust auf Eis", weiß Rita Dal Cin. Ihr Mann ergänzt: "Wenn es kalt ist, ist mehr Milcheis gefragt. Wenn es heiß ist, Fruchteis." Die Amerikaner hier in der Gegend seien gute Eisesser, ebenso wichtige Kunden seien die Kinder. "Ich komme mit meinem Kind oft nach dem Kindergarten her", sagt Petronella Virland, eine Kundin. Was bei den Kleinen ankommt, wissen die Eismacher genau. "Einmal blau, immer blau", so das Motto für das allseits beliebte blau gefärbte Schlumpf-Eis. Die Familie Dal Cin zeigte sich experimentierfreudig, hatte schon Drachenfrucht- und Marshmallow-Eis im Sortiment. Am Ende sei aber das Schlumpf-Eis ebenso unersetzlich wie das Eis mit Nutella.

Inhaber hat den Winter in Italien verbracht

Schokolade, Vanille oder Erdbeere: Klassiker wie diese kommen bei Erwachsenen immer gut an, erzählt Pascuale Teodoro. Der Inhaber der Cioccolato Gelateria in Pressath ist erst vor ein paar Wochen aus Italien zurückgekehrt. Den Winter verbringt er zusammen mit seiner Frau entweder in Sizilien oder in seiner Heimat Apulien. "Wir machen immer wieder was Neues", sagt er und zeigt auf die große Auswahl verschiedener Eissorten. Neben den Lieblingseissorten der Deutschen bietet Teodoro auch ausgefallene Sorten an, wie etwa Zuckerwatte, Joghurt-Karamell oder Walnuss-Feige.

Was bei den Preisen auffällt: Die Kugel Eis zum Mitnehmen kostet wie in Eschenbach 1,50 Euro. Wer aber eine Kugel Pistazie haben möchte, muss noch tiefer in die Tasche greifen. So steht es auch auf dem Preisschild an der Theke. Noch einmal 50 Cent mehr sind fällig und damit ist die Zwei-Euro-Marke für die Kugel auch in der Oberpfalz geknackt. "Pistazien sind eine der teuersten Hülsenfrüchte", betont Pascale, der die Eisdiele in Pressath seit zwölf Jahren betreibt. Auch er beklagt die hohen Kosten für Lebensmittel. "Wir müssen sehen, dass wir mit diesen Preisen durchkommen", hofft er. Schon gegen Mittag türmen sich an der Theke die Eisberge, auch wenn das Wetter schlecht ist. Was dann noch fehlt: "Bissl Sonne", sagt der Italiener mit oberpfälzischem Dialekt.

Auf das erste warme Frühlingswetter hoffen auch Arianna De Biasi und ihr Mann Philippe Castellarin von der Eisdiele Pinguino in Grafenwöhr. Um die Erhöhung für eine Kugel Eis von 1,30 auf 1,50 Euro sind sie nicht herumgekommen. "Vor allem Joghurt und Milchprodukte sind teuer", beklagt De Biasi. 50 wechselnde Eissorten hat die Familie aus der Lombardei im Sortiment. Dieses Jahr soll vor allem dunkle Schokolade den Geschmacksnerv der Eisesser treffen.

HINTERGRUND:

Eine Kugel zum Mitnehmen: Eispreise im Vergleich

  • Pressath: 1,30 im Pezini Eiscafe. Preis nicht erhöht
  • Weiden: ab 1,60 Euro im Eiscafé Dolce Vita
  • Amberg: 1,70 Euro im Eiscafé Firenze
  • Regensburg: 1,80 Euro bei Stenz Eis
  • Nürnberg: 2 Euro in der La Gelateria im Herzen der Stadt
  • München: 2,10 Euro im Schnitt laut Statista 2021 und damit am teuersten in der Landeshauptstadt
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