13.03.2020 - 13:25 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbach und Umgebung: Schul- und Kindergartentüren bleiben zu

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Das Coronavirus zieht weiter weitreichende Kreise: Schulen und Kindergärten müssen laut Ministerpräsident Markus Söder bis zum Ende der Osterferien schließen. Wie gehen die Einrichtungen in der Eschenbacher Region mit dieser Nachricht um?

Die Stühle in den Klassenzimmern bleiben erst einmal unbenutzt. Bayernweit sind alle Schulen und Kindergärten ab Montag geschlossen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Coronavirus: Ab 16. März bleiben alle Schulen in Bayern geschlossen

Bayern

"Das Telefon klingelt in einer Tour", berichtet Daniela Dimler am Freitagvormittag. Sie ist die Leiterin des Kinderhauses St. Elisabeth in Kirchenthumbach. Viele Eltern würden sich nach der Ansprache von Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo zur Schließung von Schulen und Kindergärten in Bayern nun bei ihr erkundigen, wie es weitergeht. "Ob wir eine Notgruppe aufmachen müssen, weiß ich noch nicht", sagt Dimler am Vormittag. Das hänge davon ab, ob Eltern dabei sind, die in sogenannten "systemkritischen Berufen" arbeiten. "Altenpflegedienst, Polizei, Ärzte, alle, die den öffentlichen Dienst aufrechterhalten", zählt sie auf. Alle anderen Kinder müssten ab Montag, 16. März, bis zum Ende der Osterferien daheim betreut werden. "Es wird sehr angeraten, dass bitte Großeltern nicht einspringen. Alleinerziehende stoßen dann aber an ihre Grenzen", vermutet Dimler. Auch beim Homeoffice sieht die Kinderhausleiterin Schwierigkeiten auf die Familien zukommen: "Es ist eine Herausforderung, wenn man zwei, drei Kinder daheim hat, diese betreuen und gleichzeitig arbeiten muss."

Schulleiterin Gabriele Bodner (Grundschule "Am Rauhen Kulm" in Speinshart) erzählt am Telefon, dass ihre Schüler wegen der Nachricht, dass die Schule erst einmal ausfallen soll, "durch den Wind sind". Fünf Klassen mit insgesamt 111 Schülern stehen unter Bodners Fittichen. "Man muss halt Ruhe bewahren", sagt sie. Die Lehrer seien vorbereitet, Unterrichtsmaterialien könnten digital an die Schüler verteilt werden. "Mit der Anton-App kann der Lehrer Aufgaben pinnen und dann sehen, wann und was gemacht wurde", erklärt sie.

Bei den weiterführenden Schulen in Eschenbach setzen die Lehrer ebenfalls auf digitale Programme, um die Schüler trotz geschlossener Schultüren mit Aufgaben und Arbeitsblättern versorgen zu können. "Seit gestern Nachmittag sind alle Vorkehrungen getroffen. Alle Lehrer und Schüler haben Zugänge zu ,Mebis', einer Onlineplattform", informiert Thomas Reitmeier, Schulleiter der Wirtschaftsschule Eschenbach und der Gustl-Lang-Wirtschaftsschule Weiden. Dort würde dann entsprechend Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt. Im "klassischen Sinn prüfen", ob die Aufgaben auch erledigt werden, könnten die Lehrer laut Reitmeier zwar nicht, "wir appellieren aber an die Vernunft der Schüler, zu lernen". Die beiden Schulen würden schon seit mehreren Jahren mit "Mebis" und "Schul.cloud", einem "Whatsapp"-Ersatz, arbeiten - ein Vorteil in solchen Zeiten, wie Reitmeier findet. "Wir sind aufgestellt, aufmerksam und sehr fokussiert und sehen dem gelassen entgegen."

Der Schulleiter hätte dennoch nicht gedacht, dass die Schulen noch vor der Kommunalwahl geschlossen werden. Dass dies jedoch spätestens in zwei Wochen so gekommen wäre, habe er vermutet. "Es geht um die Gesundheit der Gesellschaft und dass man das Leben so gut wie möglich aufrechterhält. Alles Weitere ist Nebensache." Reitmeier hat bis zum Montag nun noch einiges zu tun. "Bis zur 6. Klasse muss eine Betreuung gewährleistet sein, wenn Eltern in systemkritischen Berufen arbeiten. Da müssen wir noch abfragen, wen das betrifft", sagt er am Freitagvormittag.

Das Gymnasium Eschenbach bereitet sich währenddessen ebenfalls auf die außerplanmäßige Schließung vor. Bis auf die Ausnahmen, für die es eine Notfallversorgung geben muss, bleiben ab Montag alle Schüler zu Hause. "Ich sehe das schon als Problem, dass die anderen Eltern schauen müssen, dass sie die Kinder selbst versorgen", bedauert Schulleiter Peter Schobert.

Trotz des Ausfalls des Unterrichts in den Klassenzimmern bekommen die Gymnasiasten aber Aufgaben an die Hand. "Wir haben ein Online-System aufgebaut, einen Notfallplan vorbereitet. Damit haben wir schon vor vier Tagen begonnen, da waren die Anzeichen schon da." Da "Mebis" laut Schobert überlastet sei, habe er sich für "Esis" und "OneDrive" entschieden. "Ab Dienstag sind garantiert überall Aufgaben da. Man muss den Lehrkräften ein bisschen Zeit geben, Materialien einzustellen", sagt er. Die Arbeitsblätter würden in Ordner, auf die nur die jeweiligen Klassen Zugriff haben, hochgeladen. Die Schüler könnten sich dort dann einloggen und alles bearbeiten. Um zu überprüfen, ob die Jugendlichen die Aufgaben erledigt haben, können sich die Lehrer laut Schobert die bearbeiteten Arbeitsblätter per E-Mail schicken lassen.

Dass es nun auf diesem Weg gehen muss, kann der Schulleiter nur zu gut verstehen. "So etwas hatten wir noch nicht. Man kann das Coronavirus dadurch nicht verhindern, aber es wird die einzige Möglichkeit sein, es zu verlangsamen. Sonst erleidet das Gesundheitssystem einen Kollaps." Die Abiturtermine mit der ersten Prüfung am 30. April sollen aber erst einmal beibehalten werden.

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Info:

Das sagt das Schulamt zur Situation:

An den Grund- und Mittelschulen in Weiden und dem Landkreis Neustadt haben einige Lehrer den Kindern bereits am Freitag Aufgaben mit nach Hause gegeben, berichtet Schulamtsdirektorin Elisabeth Junkawitsch. Andere Schulen nutzen „Mebis“, „Esis“ oder E-Mails, um Unterrichtsmaterialien zu übermitteln. Die Notfallbetreuung für die Erst- bis Sechstklässler werde auf alle Fälle sichergestellt. Sie richte sich in erster Linie an Kinder von Eltern, die beide in systemkritischen Berufen tätig sind. (ps)

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