11.10.2021 - 13:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Zum Frieden 1801 Festgottesdienst und "Freudenschiessen aus Flinten, Pöllern und Kanonen"

Vor 220 Jahren erschien zum ersten Mal in einer Zeitung ein Artikel über ein Ereignis in Eschenbach. Wer ihn geschrieben hat, ist nicht überliefert. Der Bericht selbst schon. Sein Titel: "Beschreibung der Feierlichkeiten zu Eschenbach".

Die Eschenbacher Kirche – hier als Skizze dargestellt – spielte früher eine wichtige Rolle im Leben der Bürger. Auch der Friedensschluss 1801 zwischen Frankreich sowie Bayern/Österreich und Großbritannien wurde dort mit einem Festgottesdienst gefeiert.
von Autor OTTProfil

Im "Oberpfälzer Wochenblatt" sind die Geschehnisse überliefert: Anlässlich des Friedens von Lunéville wurde 1801 auch in der Rußweiherstadt gejubelt. Die Zeitung berichtete von den Feierlichkeiten am 14. Juni 1801 zum Frieden vom 9. Februar 1801. Anscheinend hatte es damals so lange gedauert, bis die Nachricht in das Oberpfälzer Städtchen gelangt war.

Der Friedensschluss zwischen Frankreich auf der einen Seite sowie Bayern/Österreich und Großbritannien auf der anderen Seite bedeutete für das Deutsche Reich den Verlust der linken Rheinseite. Bayern musste an Frankreich 6 Millionen Gulden Kriegskontributionen zahlen, mehr als die Einnahmen eines Jahres.

Im "Oberpfälzer Wochenblatt" stand dazu damals unter der Überschrift "Beschreibung der Feierlichkeiten zu Eschenbach": "Unter anderen oberpfälzischen Städtchen hat auch die Gränzstadt Eschenbach (Anm.: Franken zählte damals noch nicht zu Bayern) seine Freude über den erhaltenen Frieden am 14ten Tag des verflossenen Monats Junii auf eine Art an den Tag gelegt, die Wohlthätigkeit mit Gottesverehrung verband, und unter den dortigen Bewohnern, nach ihrer Denkungsart allgemeinen lebhaftesten Eindruck erweckte.

Schon früh um 5 Uhr weckte das Geläute der Glocken, der Trompeten und Paukenschall, und der Donner der Kanonen jeden Einwohner zu diesem Freudenfeste auf. Die SchützenCompagnie, mit ganz neuen Fahnen, die Schuljugend mit Blumenkränzen geziert, die Burgerschaft, Geistlichkeit, die in der Gegend wohnenden Herren Landsassen (..) versammelten sich und zogen in wohlgeordneten Reihen in den Tempel Gottes, um allda dem höchsten Wesen ihren Dank abzustatten. Tit. Herr Prälat von Speinshart hielt ein solennes Hochamt, Herr Professor Wilhelm eine rührende Predigt; darauf folgte die Absingung des ambrosianischen Lobgesanges und das wiederholte Freudenschiessen aus Flinten, Pöllern und Kanonen.

Vier Knaben, die verschiedenen Stände des Landes vorstellend, trugen einen Triumphbogen, unter welchem der Genius des Vaterlandes begleitet wurde. Weiss gekleidete Mädchen zierten mit Bildern den Zug, und ein Page opferte eine große Wachskerze (..). Nach dieser kirchlichen Feyer versammelte man sich bey frohen und zahlreichen Gelagen."

Natürlich gab es auch nachmittags einen Festakt, bei dem auch ebenfalls wieder viel geschossen wurde. Die Armen der Stadt konnten kostenlos essen und trinken. Die nach 50 Jahren wieder neu errichtete Schützengesellschaft bezog den neuen Schießstand.

Der Friede sollte jedoch nicht lange halten. Bayern verbündete sich mit Napoleon, zog mit ihm in die Kriege. Zwei Bürgerssöhne musste die Stadt für den Russlandfeldzug des französischen Kaisers stellen. Nur einer von ihnen kam zurück.

Erstes Eschenbacher Loblied

Eschenbach
Hintergrund:

Frieden von Lunéville

  • 1799 zweiter Koalitionskrieg. Großbritannien, Österreich, Portugal und Russland kämpfen gegen das revolutionäre Frankreich
  • Im selben Jahr Rückkehr Napoleons aus Ägypten. Erhebt sich durch Staatsstreich zum Ersten Konsul der Republik
  • 1800 nur noch Rückschläge für Koalition
  • 1801 Frieden von Lunéville. Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich, Rhein als durchgehende Grenze
  • 1803 Reichsdeputationshauptschluss: Deutsches Reich wird neu geordnet. Ziel: Entschädigung der von Abtretung betroffenen deutschen Staaten. Weniger Kleinstaaten, andere Staaten - wie Preußen - wachsen stark. Aufhebung fast aller geistlichen Fürstentümer, Säkularisation des Kirchenbesitzes. (rca)

 

 

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