Die Erinnerung an den böhmischen König und Kaiser Karl IV. ist in der Rußweiherstadt allgegenwärtig. Grund dafür sind die am 11. Januar 1358 in Prag beurkundeten „Ortsrechte, die unsere Stadt zu Tachau von alters her gehabt hat“. Mit Privilegien und Gnadenerweisen bedachte Karl im Zuge seiner Erwerbspolitik seit 1353 Gemeinden zwischen Böhmerwald und Regnitz seines „Landes zu Baiern“, das erst in der Neuzeit als „Neuböhmen“ bezeichnet wird. In den geschichtlichen Erläuterungen des „Collegium Carolinum“ zum „Böhmischen Saalbüchlein“ Kaiser Karls IV. heißt es zum Kaufvertrag Karls mit dem „ewig geldbedürftigen Pfalzgrafen Rupprecht d. Ä.“ unter anderem: „Der Vertrag am 29. Oktober 1353 in Hagenau geändert und erweitert: Rupprecht d. Ä. verkaufte an diesem Tag an Karl die Vesten Neustadt, Störnstein, Hirschau und Lichtenstein um 12.000 Mark Silber, womit Rupprecht d. J. aus seinem Gefängnis in Sachsen gelöst wurde, und die Vesten, Städte und Märkte Sulzbach, Rosenberg, Hartenstein, Neidstein, Thurndorf, Hilpoltstein, Hohenstein, Lichtenegg, Frankenberg, Lauf, Eschenbach, Hersbruck, Auerbach, Velden, Pegnitz und das Plech um 20.000 Mark, die Karl dem am 4. Oktober 1353 gestorbenen Herzog Rudolf, seinem Schwiegervater, geliehen hatte“.
Nannte man in Prag das neu gewonnene Land „Bavaria trans silvam Boemican“, gebrauchte Karl gerne eine ähnliche Formel in deutscher Fassung, wenn er scheiben ließ: „allen unsern hauptluten und amtluten uff yenseits des Behemischen waldes“. Das Aufblühen des Gemeinwesens in dem mit Böhmen verbundenen Land beweist das Collegium Carolionum unter anderem mit dem Hinweis auf einen Salbuchtext zu „Tvrndorf“ mit der Feststellung: „Die Stadt Eschenbach bekam in dieser Zeit Zuzug aus einigen Dörfern des platten Landes“. Bedeutung für die weitere Entwicklung Eschenbachs hatte der Passus der Stadterhebungsurkunde: „Auch verleihen wir die vollkommene Macht und Gewalt allen Kretzern und allerlei Handwerkern zu wehren, zu verbieten und zu stören in allen Dörfern um und um bei einer Meile Weges“. (Anmerkung der Redaktion.: „Kretzer“ war die Bezeichnung für Wirtshäuser.)
An die Stadterhebung erinnert eines der von Ludwig Höller im Sitzungsaal des Rathauses gestalteten Fenster. Es zeigt in der oberen Hälfte Kaiser Karl IV. mit Reichsapfel und Zepter. Ein Zierband darunter trägt die Inschrift „Karl IV. 1316-1378 König von Böhmen, deutscher Kaiser“. Die Stadtwappen von Eschenbach und Tachau schmücken den unteren Teil des Fensters.
Eine Krone zwischen den beiden Wappen weist auf das gemeinsame Herrscherhaus hin, das veranlasst hatte, dass Eschenbach das gleiche Stadtrecht wie Tachau im südlichen Egerland erhalten hat, nämlich „ … alle solchen Ortsrechte, die unsere Stadt zu Tachau von altersher gehabt hat und wie sie gegenwärtig alle Bürger der Stadt Tachau besitzen, mit der Bescheidenheit, daß die obigen Bürger von Eschenbach, wie Erben und Nachkommen, wie oft es nötig ist oder sie sich um einerlei Recht und Urteil entzweien oder es nicht wohl finden können, alle Rechte und Urteile zu Tachau suchen und holen sollen“. Die Benennung einer Straße im Siedlungsgebiet Am Kreuz (Tachauer Straße) erinnert an das vor 662 Jahren verliehene Tachauer Stadtrecht. In Tachau im südlichen Egerland zeugen Reste einer romanischen Veste (1126) von einer langen Siedlungsgeschichte.
Der obere Teil des Eschenbacher Stadtplatzes zwischen Rathaus und Maria-Hilf-Bergkirche, der Karlsplatz, trägt den Namen des Kaisers, der Eschenbach durch die gewährten Privilegien, wie zum Beispiel der „Bannmeile“, eine Vorzugsstellung eingeräumt hatte. Vom 14. bis 25. Mai 1979 fand unter dem Motto „Kaiser Karl IV. und unsere Gegend“ in der Schalterhalle der Sparkasse eine Ausstellung statt, in der unter anderem Bildnisse des Herrschers, damals gültige Zahlungsmittel (Silberpfennige) und als wertvollstes Exponat der Originalhandschuh Karls IV. zu sehen waren.
Am Eschenbach-Graben neben der B470-Unterführung steht die Statue des böhmischen Brückenheiligen St. Johannes Nepomuk, dessen Verehrung durch die jahrhundertelangen engen Verbindungen zwischen der Oberpfalz und Böhmen im nordostbayerischen Raum einen hohen Stellenwert hatte. Vor dem Bau der Umgehungsstraße war der Standplatz der Statue etwa 100 Meter weiter östlich zwischen Lindenbäumen am östlichen Auslaufgraben des Stadtweihers, der dem Bau der B470 (1962/63) zum Opfer fiel.
Karl IV. kann aber nicht nur als Wohltäter für Eschenbach in der Oberpfalz, sondern im Jahr 1355 auch für die Partnergemeinde Eschenbach im Kanton Luzern angesehen werden. Als sich nämlich im Rahmen der Bestrebungen, die Herrschaft der Habsburger abzuschütteln, Luzern der Eidgenossenschaft anschloss, war Eschenbach zum Grenzgebiet zwischen Luzern und Österreich geworden. Dies hatte bei kriegerischen Auseinandersetzungen oft Nachteile und Schäden zur Folge. Karl sah es als deutscher Kaiser vorerst nicht gern, dass in seinem Reich die Länder Uri, Schwyz und Unterwalden zu einem eigenen Staat erstarkten und bestritt ihnen das Recht, andere Länder, wie zum Beispiel Luzern, in ihren Bund aufzunehmen.
Auf Betreiben des Herzogs Albrecht erklärte er ihnen Ende 1354 den Krieg und belagerte zunächst Zürich. Als jedoch die Züricher die Reichsfahne hissten und damit bekundeten, dass sie nicht gegen das Reich, sondern nur gegen Österreich kämpfen wollten, schloss er mit den Eidgenossen im Juli 1355 den so genannten Regensburger Frieden. Durch diese Weitsicht Karls war auch Eschenbach/Luzern vorerst von größeren kriegerischen Handlungen verschont geblieben.


















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