In der Septembersitzung 2018 hatte der Stadtrat den Umbau und die Sanierung des in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts errichteten stadtbildprägenden Gebäudes beschlossen. Nun machte sich das Gremium in Begleitung von Architekt Georg Zunner nach einem Informationsrundgang im Juli 2019 erneut ein Bild vom Fortgang der zeitaufwändigen Arbeiten und traf Beschlüsse zu kleineren Vorhaben.
Zu den für die Maßnahme erforderlichen erheblichen Aufwendungen hatte Zunner in den September- und Oktobersitzungen 2018 Stellung genommen und darauf verwiesen, dass die deutliche Erhöhung der Gesamtkosten von 2,5 auf 3,3 Millionen Euro auf Schadstoff-Überprüfung, erforderliche Analysen, Rückbaumaßnahmen und Wünsche des Landesamts für Denkmalpflege zurückzuführen ist. Gleichzeitig sprach er jedoch von einer Erhöhung der Förderquote von 60 auf 80 Prozent.
Die dem Hofraum zugewandte Seite des Gebäudes hat mittlerweile einen kleinen Anbau erhalten. Anlass war die Vorgabe zum Bau einer Fluchttreppe. Hier waren sich die Stadträte einig, die Fassade des Anbaues künstlerisch zu gestalten. Über das Wie wollen sie sich jedoch noch beraten. Auch zur Verkleidung des Anbaues soll eine endgültige Entscheidung bei einer der nächsten Sitzungen getroffen werden.
Zum Außentermin des Stadtrats waren auch Grafikerin Tanja Kallmünzer und Kunstdesignerin Stefanie Schecklmann geladen. In deren „Reisegepäck“ befanden sich Musterentwürfe, zum Teil Detailarbeiten, zur künstlerischen Gestaltung der Fassade. Die beiden Frauen sollen für „Kultur in Eschenbach“ werben und ein „Zeichen für neues Leben“ in dem 120 Jahre alten Gebäude setzen.
Neben dem Hauptgebäude ist auch der Garagen- und Abstelltrakt des Anwesens in die Baumaßnahme einbezogen. In der Beurteilung der Bausubstanz sprach Zunner von vier Bauphasen, die „sehr unsachgemäß ausgeführt“ worden sind. Er schlug vor, den Bau eventuell als Remise zu gestalten und legte großen Wert darauf, im Rahmen einer Neugestaltung „‘was G’scheids“ zu machen. Das Gremium beschloss daher, den Dachstuhl zu sanieren und das Erdgeschoss für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Weitere Beschlüsse für die Außenanlage betrafen Vitrinen für Vereine, drei Fahnenmasten als Gestaltungselement und einen Rückgabekasten für Leihbücher in Kombination mit einem Briefkasten.
Genutzt wird der ehemalige Verwaltungsbau künftig von Bibliothek, Stadtarchiv, Liedertafel, Mutter-Kind-Gruppe, Musikschule und Seniorengemeinschaft „GeHiH“. Im Rahmen der Baustellenbesichtigung im Hauptgebäude hielt der Architekt daher ein Chip-Türöffnungssystem für sinnvoll. Es wurde als „alternativlos“ angesehen und noch vor Ort beschlossen. Zunner stellte Muster für Bodenbeläge im Erdgeschoss vor und kündigte dazu Absprachen mit dem Landesamt für Denkmalpflege an.
Der Rundgang endete im Dachgeschoss, im ehemaligen Tagungsraum des Vermessungsamts. Den Dachstuhl hatte Zunner bereits bei der ersten Besichtigung als „besser als erwartet, fast ohne Schäden“ beschrieben. Er ging auf die inzwischen erfolgte sanierte Dachkonstruktion mit Aufdach-Dämmung ein und hielt eine große Gaube für die künftige Nutzung als erforderlich. Wie vom Architekten bereits im Juli 2019 zugesichert, bleibt die Balkenkonstruktion auch nach den Arbeiten am Dachstuhl sichtbar. Ergänzend zu den Ausführungen Zunners kündigte Bürgermeister Marcus Gradl an, dass dieser ehemalige Tagungsraum künftig auch als Trauungsraum genutzt werden kann. Er dankte dem Architekten für die informationsreiche Baustellenbesichtigung, die für die alten und besonders für die neuen Stadträte hohen Informationswert hatte.
Die Nutzung des Gebäudes begann im Jahr 1900, als das Königlich Bayrische Rentamt (Finanzamt) Einzug hielt. Als für dessen Amtsbereich 1928 das Finanzamt Weiden und ab 1930 das Finanzamt Kemnath zuständig wurde, nutzte ab 21. Dezember das Vermessungsamt das stadtbildprägende Gebäude. Von 1991 bis 2005 investierte der Freistaat erhebliche Mittel für Ausbau und Sanierung. Dazu gehörte der Ausbau des Dachraumes, die Abdichtung der Fenster und das Abschleifen der Parkettfußböden. Der Amtsbezirk der Behörde erstreckte sich über Teile der Landkreise Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach. Das Eschenbacher Amt, die ehemalige „Königliche Messungsbehörde“, betreute 84 Gemarkungen in 18 Gemeinden. Das Ende des Amtes zeichnete sich erstmals im Jahr 2006 ab. Mit einer Verordnung vom 4. November wurde die formelle Umstrukturierung und Auflösung der Vermessungsämter zum 1. Januar 2007 angeordnet. Der damals amtierende Bürgermeister Robert Dotzauer sprach von „Willkür und ausufernder Allmacht bayerischer Ministerialbürokratie“. Ab da wurde das Amt zur Servicestelle degradiert. Bei der Weihnachtsfeier 2007 kündigte Vermessungsdirektor Anton Hösl das Aus für Ende 2008 an. Am 23. Dezember 2008 übergab er die Hausschlüssel an Stefan Adam von der Regionalverwaltung Oberpfalz der Immobilien Freistaat Bayern.
Am 21. April 2009 besichtigte der Stadtrat erstmals das Gebäude mit zirka 670 Quadratmeter Hauptnutzungsflächen und etwa 230 Quadratmeter Nebennutzungsflächen, einschließlich Nebengebäude. Bis zum Jahr 2013 wurde das Gebäude dann für den Unterricht von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz genutzt. Nach dem Erwerb durch die Stadt enthielt die Bedarfsmitteilung zur Städtebauförderung – beraten in der Sitzung des Stadtrats am 27.10.2016 – erstmals auch einen Ansatz zur „Modernisierung“ des Vermessungsamts.















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.