26.01.2021 - 09:57 Uhr
EschenbachOberpfalz

Winziges Wohnen: Eschenbacherin plant Tiny-House-Siedlung am Rußweiher

Weniger ist mehr – nach diesem Motto leben Besitzer von Tiny-Häusern. Denn für ihre eigenen vier Wände brauchen sie nicht besonders viel Platz. Ein ganzes Dorf dieser Wohn-Winzlinge wünscht sich eine Eschenbacherin nun nahe des Rußweihers.

Auf einer 7000 Quadratmeter großen Wiese, nicht weit vom Eschenbacher Rußweiher entfernt, will Renate Schneider-Kraus ein Tiny-House-Dorf entstehen lassen. Circa 20 Parzellen stellt sich die 62-Jährige dort vor.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Es war schon immer der Lebenstraum von Renate Schneider-Kraus und ihrem Mann Helmut, auf ihrer Wiese am Rußweiher einen kleinen Campingplatz zu eröffnen. Getraut hat sich das Paar aus Großkotzenreuth (Eschenbach) jedoch nie. Nach dem Tod ihres Mannes fasst die 62-Jährige nun jedoch neuen Mut und will den Traum der beiden doch noch wahr werden lassen – allerdings in einer etwas anderen Form.

"Durch Zufall habe ich am Fernseher einen Bericht über Tiny-Häuser gesehen", erzählt die Eschenbacherin. Da kam ihr die Idee, auf ihrer 7000 Quadratmeter großen Wiese, die nur wenige Meter vom Rußweiher entfernt liegt, statt eines Campingplatzes ein Tiny-House-Dorf entstehen zu lassen – so wie das "Tiny House Village" in Mehlmeisel. "Es ist wie ein kleines Dorf. Es hat sogar ein gelbes Ortsschild. Ich könnt' lachen, echt putzig", schwärmt die 62-Jährige von der kleinen Siedlung in der Gemeinde im Fichtelgebirge. Die winzigen Häuschen will Schneider-Kraus jedoch nicht selbst bauen. "Ich fungiere nur als Verpächterin. Ich übernehme zwar die Erschließungskosten, die Häuschen bringen die Leute aber selbst mit." 200 bis 300 Quadratmeter Grund benötige so eine Parzelle für ein Tiny House, hat sie recherchiert.

Weidens erstes Tiny-House: So riesig ist winzig

Weiden in der Oberpfalz

Minimalistisch leben

Das Dorf soll vor allem dafür da sein, um Menschen, die minimalistisch leben wollen, eine Möglichkeit zum Entfalten zu bieten. "Viele Eschenbacher meinen, es wird ein Feriendorf mit Remmidemmi. Es soll aber das Gegenteil werden. Für Leute, die Ruhe suchen, sich beschränken wollen, die aus der großen Welt aussteigen wollen", erklärt die 62-Jährige. Nur zwei bis drei Tiny-Häuser, die als Ferienhäuser buchbar wären, stellt sich die Eschenbacherin zusätzlich zu den circa 20 Wohnparzellen vor. Eines dieser Ferienhäuser würde Schneider-Kraus selbst bauen und vermieten, für die anderen plant sie, Investoren zu suchen. "So ein Häuschen gibt es ab 6000 Euro", sagt sie.

Seit sich die Eschenbacherin mit der Idee beschäftigt, ist sie ganz fasziniert von dem Thema. "Das ist der Wahnsinn, das ist ein richtiger Boom." Weil sie in einer thematisch passenden Facebook-Gruppe geschrieben hatte, dass sie in Eschenbach eine Wiese für Tiny-Häuser verpachten möchte, bekommt sie nun laufend Nachrichten. "Die Leute fragen, ob es schon eine Interessentenliste gibt. Andere schreiben, dass sie schon so lange einen Platz suchen", berichtet sie. Sorge, dass sie die Bauplätze am Rußweiher nicht losbekommen würde, hat die 62-Jährige deshalb keine. "Das Interesse ist da." Scheider-Kraus erhofft sich nun auch Hilfe von der Stadt Eschenbach. "Es ist ja auch eine Bereicherung."

Stadt von Idee angetan

Sein gemeindliches Einvernehmen hat der Stadtrat der Bauvoranfrage bereits am Donnerstag in seiner Sitzung erteilt, berichtet Bürgermeister Marcus Gradl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Für den Tourismus wäre das schon gewinnbringend für Eschenbach. Ich würde mich freuen, wenn man es realisieren könnte", sagt er. Als nächsten Schritt müsse sich nun das Landratsamt Neustadt/WN mit dem Thema befassen. Denn für den Bereich müsse zuerst ein Bebauungsplan aufgestellt werden, verschiedene Behörden gehört werden, erklärt Gradl zudem. Das alles soll in Verbindung mit einem städtischen Tourismuskonzept, das derzeit noch in der Planungsphase ist, über die Bühne gehen. "Der Wunsch ist da, aber es steckt noch alles in den Kinderschuhen."

So sieht das Tiny House in Weiden aus. Gerade mal zehn auf vier Meter misst der Wohn-Winzling.

Mehr zum Thema Tiny House

Amberg

Ein Bericht zum Tiny House Village in Mehlmeisel im Fichtelgebirge

Mehlmeisel
Hintergrund:

Das Tiny House

  • Ein paar Tiny-Häuser gibt es in der Region bereits: In der Gemeinde Mehlmeisel ist sogar schon ein ganzes Dorf – das "Tiny House Village" – entstanden, aber auch in Weiden steht so ein Wohn-Winzling, und in Amberg gibt es ebenfalls ein Baugebiet für Häuser im Miniformat.
  • Gründer des Village in Mehlmeisel sind Steffi Beck und Philipp Sanders aus München. Sie haben vor circa vier Jahren in der Gemeinde im Fichtelgebirge 17.000 Quadratmeter Land gekauft, von dem sie circa 5000 Quadratmeter an Tiny-House-Besitzer verpachten.
  • Und so sieht so ein Haus im Miniformat exemplarisch aus: Das Tiny House in Weiden misst gerade mal zehn auf knapp vier Meter, hat aber Platz für zwei Schlafzimmer, eine separate Toilette, Badezimmer, Küche mit Induktionsherd, Spüle, Waschmaschine, Trockner, einen Essbereich für vier Personen sowie in der Mitte für einen offenen Wohnbereich. Auch eine Terrasse bietet das Tiny House.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.