23.12.2020 - 10:51 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarner füllen einzigartiges Festbier in Flaschen

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Die Szene erinnert auf den ersten Blick an eine Krippendarstellung. Doch hier arbeiten nur Männer. Josef heißt keiner, es gibt weder eine Maria noch ein Kind. Und doch geht es um Weihnachten.

Eslarner Hausbrauer füllen im Keller am Schlossberg ihren Weihnachtszoigl ab.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Auf umgedrehten Bierkisten mit und ohne Kissen oder auf Klappcampingstühlen sitzen einige der sieben Männer im Gewölbekeller im Schlossberg in Eslarn. Drei Etagen führen die Treppen in die Tiefe. Leben herrscht an diesem Sonntagmorgen nur in der obersten. Ein Scheinwerfer sorgt für einen Lichtkegel in dem dunklen Raum. Strom bekommt er vom Dieselaggregat, das oben am Weg steht. Stirnlampen sind außerdem im Einsatz.

Mit Silikonschläuchen und einem Metallrohr an der Spitze füllen Reiner Gäbl und die anderen Hausbrauer den frischen Zoigl in Flaschen ab. Eine Woche und einen Tag hatte das Jungbier Zeit, in drei Bottichen aus Holz, Kunststoff und Edelstahl zu gären. Die Hefe wandelte in dieser Zeit den gelösten Zucker aus dem Münchner und Pilsner Braumalz in Alkohol um. In den Flaschen gärt der Gerstensaft noch etwas nach und bindet Kohlensäure, so dass er zu Weihnachten nicht nur süffig, sondern auch frisch und lecker schmeckt.

Etwa zwölf Sude brauen Georg Zierer senior und junior im Kommunbrauhaus im Herbst und Winter für die Hausbrauer. Im Frühjahr werden es noch einmal rund 15 sein. Thomas Roth, Florian Pfannenstiel, Michael Kleber, Reiner Gäbl, Christopher Hanauer, Georg Zierer und Thomas Reindl lassen insgesamt 1500 Liter Jungbier in die Flaschen mit Bügelverschluss fließen. Insgesamt gibt es im Markt derzeit rund 45 aktive Hausbrauer. Das Interesse auch bei jüngeren Bürgern steigt, beobachtet Bürgermeister Gäbl und spricht von einem gewissen Kult im Ort um das traditionelle Getränk.

„Es ist ein Produkt, dass Du bei niemandem sonst bekommst“, sagt Thomas Roth, während er wartet, dass wieder ein Kasten abgefüllt ist. Den trägt er dann nach oben und stellt ihn auf den Autohänger des jeweiligen Besitzers. Arbeit mache der Haustrunk schon, aber wenn Roth von einem Hobby spricht, das Spaß macht, dann nicken die anderen. Wichtigste Frage nach dem Gären, kurz vor dem Abfüllen: „Wie ist es geworden?“ Jeder Sud schmeckt ein wenig anders. Die Rohstoffe, die Temperatur beim Abkühlen, die Hefe, viele einzelne Faktoren beeinflussen den Geschmack, machen den Zoigl zu etwas einzigartigem.

„Eigentlich hält das Bier ewig“, sagt einer der Männer, die unterm Eslarner Schlossberg Haustrunk abfüllen. „Tatsächlich hält es sich gar nicht, weil es schnell getrunken wird“, schmunzelt zweiter Bürgermeister und Brauhelfer Georg Zierer. Ein Haltbarkeitsdatum braucht der Zoigl nicht. Zum einen ist er begehrt und bald getrunken, zum anderen hält er bei konstant niedriger Temperatur und im Dunkeln sehr lange. „Wir haben auch schon drei Jahre alte Fässer getrunken, die wir vergessen hatten“, berichtet einer der Männer.

Das Weihnachtsbier der Eslarner Hausbrauer gibt es nur in der Familie oder als Geschenk oder besonderes Mitbringsel, sagt Gäbl. Verkauft wird es nicht. Für den Rathauschef, der selbst Flasche um Flasche füllt, ist es wichtig, dass die Tradition weitergeht und dass die Keller gepflegt werden. Die am Schlossberg gehören der Gemeinde. Nutzen darf sie im Prinzip jeder Eslarner, der Interesse hat „und auch mal einer aus einer Nachbargemeinde, der Wurzeln in Eslarn hat“, zeigt Gäbl auf Christopher Hanauer, der in Moosbach lebt.

Die jüngste Brauerei im Landkreis Neustadt in historischem Ambiente

Irchenrieth
Hintergrund:

Fünf Orte mit lebendiger Zoiglbrautradition

  • Eslarn
  • Neuhaus
  • Windischeschenbach (keine aktiven Hausbrauer)
  • Falkenberg
  • Mitterteich
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