08.10.2020 - 14:14 Uhr
EslarnOberpfalz

Inotech übernimmt FWE: Neuer Geschäftsführer, neue Logistikhalle in Eslarn

Der Spritzguss- und Oberflächenspezialist Inotech aus Nabburg übernimmt die FWE Formen- und Werkzeugbau Eslarn GmbH. Die FWE bleibt eigenständig, hat aber einen neuen Geschäftsführer. Der Bau einer Logistikhalle verschiebt sich auf 2021.

Auf dem Grundstück in der Straße Zankeltrad zwischen der Halle von Inotech, ehemals UWK, und der Firma FWE (links) soll 2021 ein neues , größtenteils automatisiertes Logistikzentrum entstehen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Die Nabburger Inotech Group habe sich bereits im Juni mit den Gesellschaftern von FWE auf eine Übernahme der Eslarner Firma verständigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Gruppe. Mit der Übernahme der FWE sei deren bisheriger geschäftsführender Gesellschafter Gerhard Bodner aus Altersgründen aus dem Unternehmen ausgeschieden, so der kaufmännische Inotech-Geschäftsführer Harald Kausler. Die Geschäftsführung in Eslarn hat Jan Kunžwart übernommen. Dieser ist laut Pressemitteilung bereits seit 2002 in der Unternehmensgruppe tätig und zeichnet als Geschäftsführer für die Inotech am Standort Tachov verantwortlich.

"Positives Signal"

"Inotech hat in den Standort Eslarn investiert, und das ist ein positives Signal für uns", bewertet Iris Schopper, Bezirkssekretärin der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die Situation nach der Übernahme. Sie hat den Prozess von Gewerkschaftsseite begleitet. Die Tarif- und Arbeitsverträge der FWE-Mitarbeiter würden zunächst für ein Jahr weitergelten. "Wie sich der neue Arbeitgeber danach verhält, steht in den Sternen. Er könnte theoretisch Änderungskündigungen aussprechen", so Schopper. Im Gegensatz zur gewerkschaftlich gut organisierten FWE sei die Inotech grundsätzlich nicht organisiert. Inotec-Geschäftsführer Kausler betont: "Wir haben versucht, alle 130 Mitarbeiter zu übernehmen, und es ist uns auch geglückt. Wir haben keine Entlassungen getätigt und haben dies auch nicht vor." Dennoch müsse man als Betriebsrat und Gewerkschaft eine Betriebsänderung wie in diesem Fall monitoren und aufpassen, "dass alles unter der Vorgabe der Gesetzgebung und unter Einhaltung der Mitbestimmung abläuft", so Schopper. "Im Zweifelsfall müssen wir dem neuen Arbeitgeber die Stirn bieten. Aber bis jetzt ist die Zusammenarbeit harmonisch und wir befinden uns in ruhigem Fahrwasser."

FWE bleibt eigenständig

"Mit der vollständigen Übernahme der Geschäftsanteile möchte die Inotech ihre strategischen Ziele hinsichtlich Produktionskapazitäten und Kunststoffkompetenz nachhaltig stärken und die FWE als eigenständiges Unternehmen innerhalb der Gruppe weiterentwickeln", heißt es in der Pressemitteilung der Gruppe. Erste strategische Schritte seien bereits eingeleitet. Dazu gehöre die Erweiterung des Standortes Eslarn um drei Spritzguss-Maschinen mit rund 650, 1000 und 2100 Tonnen Schließkraft. "Das sind Maschinen, die hier in der Region nicht so häufig vorkommen", unterstreicht Kausler gegenüber Oberpfalz-Medien. Die Maschinen hätten einen Gesamtwert von rund einer Million Euro.

Durch die Übernahme möchte Inotech nach eigenen Angaben die Spezialisierung der Werke der Gruppe vorantreiben. „Der Hauptsitz in Nabburg bildet bereits das Entwicklungs- und Technologiecenter der Gruppe, in dem auch Mehrkomponenten-Bauteile und komplexe Baugruppen gefertigt werden. Die Werke in Tachov sollen den starken Fokus auf Oberflächenveredelung mit den vorhandenen, hochmodernen Lackieranlagen, Beschichtungsanlagen sowie Bedruckungsautomaten weiter vertiefen“, so Jan Kunžwart. Inotech-Inhaber Josef Gleixner fügt hinzu: "Mit der Übernahme von FWE integrieren wir einen langjährigen, zuverlässigen Partner der Automobilindustrie in unser Netzwerk und schaffen zusätzliche Ressourcen für unsere Projekte."

Logistikhalle soll 2021 kommen

Der FWE-Standort in Eslarn liegt in unmittelbar angrenzender Nachbarschaft zum bereits 2019 durch die Inotech erworbenen Fertigungsbetrieb UWK in Eslarn. Durch den Zukauf ergibt sich auf dem Gelände im Zankeltrad eine Gesamtindustriefläche von rund 30 ┐000 Quadratmetern. Bereits in der Vergangenheit hatte Inotech angekündigt, 2020 in Eslarn ein größtenteils automatisiertes Logistikzentrum bauen zu wollen. Wie Geschäftsführer Kausler bestätigt, verschiebt sich der Bau wegen der Coronakrise auf 2021. Das Logistikzentrum soll auf einem freien Grundstück zwischen den beiden übernommenen Firmen entstehen. Die Baukosten schätzt Kausler gegenüber Oberpfalz-Medien auf 1,5 Millionen Euro. Ein Bauantrag sei noch nicht gestellt, aber Fördergelder seien beantragt und teils auch schon bewilligt.

Inotech: 30-jähriges Bestehen und die Coronakrise

Nabburg

Inotech strukturiert um und investiert in Eslarn

Eslarn

Inotech kündigt neues Logistikzentrum an

Eslarn
Im Blickpunkt:

Die Inotech und die FWE

  • Die Inotech mit Sitz in Nabburg ist Systemlieferant in den Geschäftsfeldern Kunststofftechnik sowie Health & Beauty. Die Produkte werden in den Branchen Automotive, Telekommunikation, Maschinenbau, Medizintechnik und Verpackungen angewendet. Inotech hat acht Standorte in Deutschland, Bulgarien und Tschechien. 2019 hat die Gruppe die Firma UWK (Kunststoffverarbeitung) in Eslarn übernommen. 2020 folgte die Übernahme der FWE. Damit stieg die Zahl der Inotech-Mitarbeiter auf 550. Der Gesamtumsatz der Gruppe beläuft sich nach eigenen Angaben auf rund 52 Millionen Euro.
  • Die FWE beschäftigt sich seit mehr als 60 Jahren mit der Entwicklung, dem Formenbau und der Herstellung von Press- und Spritzgussteilen aus thermo- und duroplastischen Kunststoffen. In ihrer heutigen Form besteht das Unternehmen seit 1994 als Partner für die Automobil- und Elektroindustrie. Dort sind derzeit 130 Mitarbeiter beschäftigt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.