12.05.2021 - 08:51 Uhr
Etsdorf bei FreudenbergOberpfalz

Neue Skulptur für den Kreuzeweg Etsdorf

Etsdorf bekommt wieder ein neues Künstlerkreuz: Diesmal spielt Asphalt bei der Gestaltung eine Rolle - passend zur Maiandacht bei der Asphaltkapelle.

Die neue Skulptur für den Kreuzeweg in Etsdorf stammt von Bruno Wank.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Immer Anfang Mai feiert Etsdorf das Asphaltkapellenfest und mit ihm eine ganze Reihe weiterer Errungenschaften: den Europatag zum Beispiel, die Ausstellungseröffnung im Tempelmuseum und die Erweiterung des Kreuzeweges, des Skulpturenwegs hinauf zur Asphaltkapelle. Auch heuer verhindert die Pandemie dabei einen größeren Menschenauflauf, dennoch sind Initiator Wilhelm Koch und seine Unterstützer nicht untätig geblieben. Das neue Kreuz am Kreuzeweg ist bereits an Ort und Stelle verankert. Am Sonntag, 16. Mai, wird es es Pfarrer Moses Gudapati um 13.45 Uhr segnen. Im Anschluss findet eine Maiandacht bei der Asphaltkapelle statt.

Diesmal handelt es sich um ein Kunstwerk von Bruno Wank, dem langjährigen Leiter der Studienwerkstätte für Bronzeguss an der Akademie der Bildenden Künste in München. Er hat drei Bronzekreuze in ein Stück Straße eingelassen und dieses Straßenstück jetzt an der Feldböschung platziert. Der Asphalt stammt aus der Straße von Etsdorf nach Högling. Hier hat Wank bei Kanalarbeiten im April ein etwa 100 mal 140 Zentimeter großes Trumm herausgesägt. Vor Ort beim Kreuzeweg erfolgte in der vergangenen Woche die Bearbeitung. In die Asphaltoberfläche wurden drei Vertiefungen in Kreuzform gearbeitet. Anschließend goss der Künstler diese Flächen mit flüssiger Bronze aus. Nach dem Erkalten bearbeitete er noch die Oberfläche.

"Eine Asphaltplatte kann als Fragment einer Straße betrachtet werden. Kreuze auf einer Straßenplatte können auf Kreuzungen anspielen, aber auch einen Kreuzweg markieren", schreibt Kunstkenner Heinz Schütz in einer Betrachtung zu dem Werk. "Das Markante der eingegossenen Bronzekreuze ist die Zahl drei. Sie legt den religiösen Bezug zur Kreuzigung nahe, lässt aber auch andere Deutungen zu. So erinnert die Zahl der Kreuze an die inzwischen profane Redensart "da kann man drei Kreuze machen". Sie ist ein Ausdruck der Erleichterung, nachdem eine als Bedrohung empfundene Situation gut ausgegangen ist und wurde von der Bekreuzigung bei Dankesgebeten abgeleitet." Außerdem weist Schütz darauf hin: "Bei zwei Kreuzen wurde der Längsbalken verkürzt. Sie sind nun Kreuz und Pluszeichen in einem. In der Warenwelt bezeichnet das Kreuz als Pluszeichen etwa bei Elektrogeräten die Energieeffizienz. In der Werbung dient "Plus" als Auszeichnung und Verweis auf eine Deluxe-Variante einer Marke. Wie magische Zeichen und Formeln fordern die Bronzekreuze im Asphalt die Betrachter zur eigenen Interpretation auf."

Bruno Wank hat von 1986 bis 1992 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Von 1993 bis 2018 leitete er dort die Studienwerkstätte für Bronzeguss. 2007 bis 2009 war er Prorektor der Akademie der Bildenden Künste München, 2008 bis 2012 Mitglied der Kommission Quivid für Kunst im öffentlichen Raum. 2012 gründete er die Ausstellungshalle "VPGö" in der ehemaligen Käseverpackerei in Görisried (Landkreis Ostallgäu).

Trotz Pandemie gibt es auch eine neue Sonderausstellung im nur wenige hundert Meter entfernten Tempelmuseum in Etsdorf. Wie immer spielt dabei der europäische Einigungsgedanke und die Demokratie eine große Rolle. Diesmal heißt die Schau "Pferd und Reiter/in - Geschichte eines Monuments", Till Briegleb aus Hamburg stellt seine Fotos dazu aus. "Wenn es eine Skulptur im öffentlichen Raum gibt, die Europa verbindet, dann ist es das Reiterstandbild", erklärt Wilhelm Koch. Gezeigt werden über 230 Reiterstandbilder aus europäischen Städten. Die Ausstellung ist ab Sonntag 16. Mai, bis 26. September immer dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen. Eine Vernissage gibt es nicht. In der ständigen Sammlung ist unter anderem die Ausstellung „Kollektion Europa“ zu sehen.

Die Ausstellung "Kollektion Europa"

Etsdorf bei Freudenberg
Info:

Etsdorfer Kreuzeweg

  • Skulpturenweg nördlich von Etsdorf zur Asphaltkapelle
  • Seit 2009 steuern Künstler jedes Jahr eine oder mehrere neue Kreuz-Skulpturen bei
  • Das Feldkreuz von Bruno Wank ist mittlerweile das 16. Werk
  • Der Skulpturenweg wird gerne als Kreuzweg im katholischen Sinn genutzt
  • Immer Anfang Mai kommt ein neues Kreuz dazu
  • https://www.asphaltkapelle.de/kreuzeweg-etsdorf

 

 

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