19.11.2020 - 11:55 Uhr
EtzelwangOberpfalz

Beton-Kirche St. Martin in Etzelwang steht seit 50 Jahren

Die St.-Martin-Kirche von Etzelwang gehört zu den ungewöhnlichsten Sakralbauten der Region. Seit 50 Jahren steht dieses Gotteshaus aus Beton nun. Ein Blick in die Historie.

Vorherrschendes Gestaltungselement dieses eigenwilligen Sakralbaus im Osten von Etzelwang ist Beton. An die Stelle eines Turms ist ein in Kreuzesform ausgeprägter Glockenständer getreten.
von Autor WSLProfil

Seit 50 Jahren Bestehen der ungewöhnliche Bau der St.-Martins-Kirche von Etzelwang. In einem glanzvollen Festgottesdienst vollzog der damalige Bischof von Eichstätt, Alois Brems, am 12. April 1970 die Konsekration dieses zur Pfarrei Neukirchen gehörenden Gotteshauses. Nicht unumstritten war von Anfang an die eigenwillige Architektur dieses Sakralbaus, der die seelsorgerische Betreuung der durch den Zuzug von Heimatvertriebenen gewachsenen Zahl von Katholiken in Etzelwang und Kirchenreinbach erleichtern und intensivieren sollte, erklärt Orts- und Kreisheimatpfleger Walter Schraml gegenüber Oberpfalz-Medien. Von Anfang stand auch fest, dass die Kirche dem Patron St. Martin gewidmet sein sollte, und zwar in Erinnerung an die uralte Wallfahrtskirche von Ermhof, die zu jener Zeit bereits seit über 150 Jahren profaniert war und ein trostloses bauliches Dasein fristete.

In seiner Geschichte wohl zum vierten Male erlebte Etzelwang vor einem halben Jahrhundert eine Kirchenweihe, heißt es. Bereits 1059 konsekrierte der Eichstätter Bischof Gundekar II wie in zahlreichen anderen Orten des fränkisch-oberpfälzischen Grenzgebiets das erste urkundliche erwähnte Gotteshaus, das bis Ende des Mittelalters bestand. 1480 weihte abermals der Eichstätter Oberhirte, Bischof von Reichenau, an gleicher Stelle eine Kirche, die wie ihre Vorgängerin zu Ehren des hl. Nikolaus errichtet worden war. Dieses Gotteshaus – 1721 wegen eines Brandes wiederum erneuert – wurde wie in vielen Gemeinden des Sulzbacher Landes von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt, bis nach über 300-jähriger Dauer 1967 im Vorfeld des anstehenden Neubaus das Simultaneum zugleich auch für Kirchenreinbach gelöst wurde, weiß Schraml. Mit der Planung des Kirchenneubaus wurde Oberbaurat Karljosef Schattner vom Diözesanbauamt Eichstätt beauftragt. Das Ergebnis war ein ungewöhnlich gestalteter Sakralbau mit einem streng geo-metrischen, achteckigen Grundriss, von der Bevölkerung voller Ironie „Seelensilo“ genannt. Zum beherrschenden, nüchternen Bauelement Beton gesellt sich im Kirchenraum das Holz. Dreifach sind die Kirchenbänke zum Altar hin gruppiert und als Bodenbelag wurde ein Stirnholzpflaster gewählt. Das Untergeschoss – im Volksmund „Katakomben“ – war für die pfarrliche und Jugendarbeit vorgesehen. Künstlerisches und historisches Kleinod ist der barocke „Englische Gruß“, der aus der Mutterkirche Neukirchen stammt. Das Gotteshaus im Osten des Ortes wurde in der Amtszeit von Geistlichem Rat und Pfarrer Andreas Schneider erbaut, so Schraml. Sorgenvoll blicken die Verantwortlichen der Kirche gegenwärtig auf die Entwicklung der Zahl der Kirchenbesucher, die auch in Etzelwang stark rückläufig ist.

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Bei der feierlichen Konsekration 1970 wurden Reliquien des heiligen Valerius und der heiligen Pazifika von Bischof Alois in den Altartisch der Etzelwanger St.-Martin-Kirche eingemauert.

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