Hinter dem Kongress der Hufschmiede, der am Wochenende auf dem Gelände von Hotel und Gasthof Wolfringmühle (Gemeinde Fensterbach) über die Bühne ging, steht Josef Luber. Der 65-Jährige, der in Schmidgaden eine moderne Hufschmiede betreibt, ist ein Profi, auch als Veranstalter. Sein „Luwex-Hufsymposium“ fand bereits das 22. Mal statt. „Das hier ist aber nur ein Mini-Symposium,“ schränkte er schmunzelnd ein. Denn nach Corona hat er sich „lediglich“ 150 Kollegen einladen trauen: „Normalerweise sind es 500 bis 600.“
Referenten und Gäste haben es in sich. Auf der einen Seite Experten wie Hans Castelijns, ein gebürtiger Holländer, der seit Jahren in der Toskana lebt und arbeitet - als Hufschmied, als Tierarzt, der auf Pferde spezialisiert ist, sowie als Dozent an der Universität von Perugia in Umbrien. Oder auch Dieter Kröhnert, der Hufschmied der Olympiareiter.
Arbeiten mit Pferden
Kröhnert beschrieb seine Herangehensweise so: „Bevor ich Hand anlege, wird das Pferd mit schiefgetretenem oder heruntergezogenem Eisen 30 Meter im Schritt, dann im Trab begutachtet.“ Dabei werde der Bewegungsablauf analysiert, denn jedes Pferd habe seine natürliche Körperschiefe, wie Menschen auch. „Da kann ich nicht einfach mal ein Eisen raufnageln.“ Wenn alle Eisen bei den Vierbeinern sitzen, komme ein erneuter Check, eine Art Qualitätskontrolle: „Nach Möglichkeit soll für mich ein verbesserter Bewegungsablauf erkennbar sein.“ Ähnlich arbeitet Hans Castelijns, wie sich beim Symposium zeigte.
Auf der anderen Seite stehen die Fachkollegen, die aus ganz Europa angereist sind, um sich weiterzubilden, sich auszutauschen und kennenzulernen. Manche, wie Reiner Koch und Jörg Ohl, sind praktisch schon immer bei den Symposien dabei und empfinden sich und ihre Kollegen „als große Familie“. An den beiden Vormittagen der Fortbildung wurde in den Tagungsräumen des Hotels miteinander gelernt durch Vorträge, die simultan in andere Sprachen übersetzt wurden; am Nachmittag folgte dann die Praxis des Hufe Beschlagens in einem großen Zelt und unter freiem Himmel.
Teilnehmer aus zwölf Ländern
Die beiden Hufschmiede Koch und Ohl aus dem hessischen Limburg an der Lahn waren bei weitem nicht die am weitesten Angereisten. Aus vielen europäischen Staaten sind Teilnehmer nach Wolfringmühle gekommen, eine elfköpfige Gruppe sogar aus Israel. „Wir haben hier Leute aus zwölf Ländern,“ präzisiert Veranstalter Josef Luber. Der Schmidgadener genießt unter seinen Kollegen die höchste Wertschätzung. „Das war Pionierarbeit, die er mit diesen Symposien geleistet hat,“ versichert Jörg Ohl, „denn er hat es als erster geschafft, Theorie in Praxis so umzusetzen, dass daraus Fachdiskussionen entstehen konnten“. Warum das so wichtig ist, macht Reiner Koch deutlich: „Man lernt ja nie aus als Hufschmied, jedes Huf ist anders.“
Und so sind die 150 Teilnehmer sichtlich dankbar für die Präsentation neuester Messtechniken, neuer Techniken der Korrektur und neuer Materialien für die Hufe. „Früher,“ so Ohl, „gab es als Material nur Stahleisen“. Diese Zeiten sind passé. Und das Wissen um die Neuerungen wird von Orten wie Wolfringmühle mitgenommen in die Herkunftsländer der Hufschmiede.
„Luwex“ und der Hufschmiede-Kongress
- Veranstalter des „Luwex-Symposiums“ ist Unternehmer Josef Luber.
- Luwex bedeutet Luber-Wechselbeschläge.
- Mit seiner im Jahr 2000 gegründeten Firma „Luwex“ in Schmidgaden stattet Luber in vielen Ländern Sportpferde mit Beschlägen aus.
- Luber kam dazu, nachdem er 1997 mit Hufeinlagen für sein eigenes Vielseitigkeitspferd experimentiert hatte.
- Hergestellt werden Hufeinlagen, Hufpolster und Werkzeuge für die Hufbearbeitung. Das Unternehmen exportiert weltweit und wirbt damit, dass auf Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Top-Hufschmiede seine Produkte verwenden.
- Das „Luwex-Symposium“ fand zum 22. Mal statt; früher war es in Kreuth, auch im ACC in Amberg, diesmal in Wolfringmühle. Vormittags gab es Vorträge, Nachmittags praktische Vorführungen am Pferd.
Hinter dem Namen "Luwex" verbirgt sich ein außergewöhnliches Handwerk














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