Filchendorf bei Neustadt am Kulm
25.10.2022 - 10:21 Uhr

Filchendorfer Kirwa-Leit bringen Rauhen Kulm zum Beben

Leibliche und musikalische Genüsse machen Filchendorf die vergangenen Tage zu einem Wallfahrtsort. Fünf Tage lang wurde mit Vollgas Kirwa gefeiert.

Höhepunkt der Kirwa in Filchendorf waren die „Zeremonien“, mit denen die Kirwaboum und -Madla am Sonntag das Publikum begeisterten. Am Nachmittag zogen sie, angeführt von den „Weinwallfahrern vom Rauhen Kulm“, durchs Dorf. Der Platz vor dem Feuerwehrhaus wurde mit Kirwa-Rufen schnell zur Tanzfläche umfunktioniert. Mädchen versorgten die große Runde der Zuschauer mit frischen Kücheln. Stimmungsvolle Rufeinlagen begannen stets mit der Frage: „Wer hout Kirwa?“ Aus einer Schubkarre mit dekorativ gestaltetem Schweinchen aus Holz wurden die Zuschauer mit „Klopfern“ versorgt. Die Bierkrüge und teilweise auch die Haare der jungen Kirwaleit waren mit Blumen verziert.

Einer Völkerwanderung glich der Umzug in die Adam-Porsch-Halle, in der sich die "Weinwallfahrer" nach langer Durststrecke als „Hausband“ vorstellten und Kirwa-Schmankerln ankündigten. Der Filchendorfer Kirwa-Truppe bescheinigten sie: „Ihr habt mit Bravour bestanden.“ Mit ihrer stimmungsvollen Programmfolge reisten sie, begleitet von Juchzern, „Vom Wold daham“ bis nach Tirol, regten zum Schunkeln an und bereiteten die Halle auf „Lach- und Sachgeschichten aus dem Dorfleben“ vor.

Wer der Meinung war, während der Jahre mit Corona-Beschränkungen tat sich im Dorf nichts Berichtenswertes, wurde in der folgenden Stunde eines Besseren belehrt. Da hatte doch ein Paar für ein Gespräch mit dem Pfarrer extra „die Wohnung putzt, dann is der Pfarrer net kumma … und da hat doch die "X" auf die Glückwunschkartn an falschn Nama draufgschriebm und am Exfreund gratuliern wolln.“

Freude herrschte darüber, dass wir im Dorf „an Hafn Nachwuchs kriegt ham, lauter Buam.“ Bekannt wurde die Fehleinschätzung einer Gaststätte. Für das Essen nach einer Taufe hatte der Wirt festlich gedeckt. Angedacht war jedoch nur die anschließende Einkehr der Feuerwehr. Zu Ehren kam selbst der Bodensee und die neue Sportart „Bierbiking“ anlässlich eines 60. Geburtstags. „An Rückweg hams dann mitm Fahrrad bestritten. Die kennen jetz jedn Biergarten vom Bodensee bis Filchendorf.“

Da das Kirwa-Motto „Wild Wild West“ lautete, trat die Bühnenmannschaft als Cowboys, Sheriff, Barkeeper und Barhocker auf, berichtete von Rauchzeichen an einem Campingweiher, von einem ausgeräumten Wohnmobil und von einem, „dem hams doch an der Hexennacht immer an ganz Gartn asgramt“. Abhilfe sei ein Ein-Mann-Hochsicherheitstrakt gewesen: „Der hout se die ganze Nacht mit Baustrahler und Wasserspritzpistolen auf die Terrasse ghockt und gwort, bis wer kummt. Mit Erfolg. Versucht ham ses nämlich mehrmals.“

Zu Bühnenehren kam auch eine Ameisenfarm an der Terrassentür. Auf die Frage „Was kann ma denn dou falsch machen?“ antwortete ein Cowgirl: „Wenn ma zum Vertreibn anstatt bloß Zimt halt die Zimt-Zucker-Mischung nimmt.“ Ihr „Fett“ bekamen auch die Neustädter, Tremmersdorfer, Kastler, ihre Feierwehrkapölln, einige Vierziger und U-30-Mädels ab. Die kuriosen Ereignisse im Ort, humorvoll und gar mit Gesangsbeiträgen unters Volk gebracht, sorgten für Heiterkeit und spontanen Beifall. Die Getränke- und Kuchentheke fand regen Zuspruch bei den Kirwafreunden, die aus dem weiten Umkreis angereist waren.

 
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