14.02.2020 - 21:18 Uhr
FlossOberpfalz

Altern in Würde: Müntefering will die Kommunen stärken

"Unterwegs" mit Franz Müntefering war nicht nur die Flosser SPD. So heißt auch sein Buch übers Älterwerden. Im katholischen Pfarrsaal erzählte der frühere SPD-Chef mehr als er las.

Franz Müntefering liest in Floß.
von Anna Dobler Kontakt Profil

Nicht nur aber auch über sein Lieblingsthema Sozialdemokratie diskutierte SPD-Urgestein Franz Müntefering am Freitagabend in Floß. Anlass war die Vorstellung seines Buches "Unterwegs. Älterwerden in dieser Zeit", in dem sich der ehemalige Parteivorsitzende und Vizekanzler gewohnt pointiert mit diesem unvermeidlichen Prozess auseinandersetzt. Rund 100 Interessierte waren in den Katholischen Pfarrsaal gekommen. Moderiert wurde der kurzweilige Abend von Oberpfalz-Medien-Redakteur Jürgen Herda.

Denken beim Schreiben

"Das Problem ist, dass ich beim Schreiben denke", resümierte Müntefering mit einem Augenzwinkern warum der Entstehungsprozess seines Erstlingswerks etwas länger als erwartet gedauert habe. Geschrieben habe er die Mischung aus Denkanstößen und Anekdoten letztlich auf seiner Schreibmaschine.

Franz Müntefering spricht im Redaktionsgespräch über die CSU, die AfD und die Medien

Weiden in der Oberpfalz

Der Sprung in die Gegenwart erfolgte in der anschließenden Diskussion. Angesprochen auf die Wahl von Thüringen betonte Müntefering, dass er es ablehne, die Linke und die AfD auf eine Stufe zu stellen. "Kemmerich hätte die Wahl nicht annehmen dürfen", bilanzierte er unter dem Applaus der Anwesenden.

Franz Müntefering (Mitte), SPD-Bürgermeisterkandidat Robert Lindner (links) und Moderator Jürgen Herda.

Neben innen- und außenpolitischen Brennpunkten spannte er immer wieder auch den Bogen zu ganz alltäglichen Themen, wie etwa den Herausforderungen für pflegende Angehörige von Demenzkranken oder dem wachsenden Bewegungsmangel der heutigen Jugend.

Zu viele machen Abitur

"Wir bekommen in den dualen Berufen in den kommenden Jahren ein Problem", warnte Müntefering vor den neuen Herausforderungen am Arbeitsmarkt. "Die Hälfte der jungen Menschen macht inzwischen das Abitur und die wenigsten schließen dann eine Ausbildung an, sondern studieren." Das führe dazu, dass man in Deutschland mittlerweile viele hochgebildete Taxifahrer habe, so Müntefering.

Auch für die Kommunen sei diese Entwicklung ein Problem, weil der dortige Nachwuchs nach dem Abitur in größere Städte zieht. "Es ist nicht falsch, aber das sind praktische Probleme der Demokratie." Die Kommunen, schlägt er vor, müssen aktiver auf ihre ehemaligen Bewohner zugehen, etwa einen Brief schreiben und sie einmal im Jahr in die Heimat einladen.

Die junge Sozialdemokratin Sarah Müller sorgt sich um die medizinische Versorgung am Land

"Die wichtigste Anforderung aus kommunaler Sicht wäre, dass der Staat aufhört, dass Gesundheitssystem rückwirkend zu betrachten", warf Sarah Müller, Marktratskandidatin der SPD-Floß in die Debatte ein. Auch bei der Lehrer-Ausbildung gäbe es gravierende Mängel. "Das Älterwerden ist auch ein Thema, mit dem sich die junge Generation auseinandersetzen muss angesichts des demografischen Wandels", findet Simon Staschewski, Lehramtsstudent aus Floß.

Rund 100 Besucher waren im katholischen Pfarrsaal

Unter den Gästen waren neben dem katholischen Pfarrer Max Früchtl und dem evangelischen Pfarrer Wilfried Römischer auch mehrere Vertreter der örtlichen SPD. SPD-Bürgermeisterkandidat Robert Lindner moderierte ein anschließendes Bürgergespräch.

Straffer Terminplan

Der Terminplan von "Münte" in der Oberpfalz war straff: Früher am Tag war er für ein ausführliches Redaktionsgespräch bei Oberpfalz-Medien, anschließend wurde er im Rathaus Floß empfangen und trug sich dort in das Goldene Buch ein. Für Samstag ist eine Führung in der Synagoge geplant sowie ein Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

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