12.09.2021 - 14:27 Uhr
FlossOberpfalz

Bier und Bilder treffen sich im Brauhaus

Bier trifft Kunst in zwei kleinen Stuben des Flosser Brauhauses. Im Bräustüberl genießen die Besucher derzeit das dortige Kultbier zusammen mit gemalter Bierkultur. Im Advent gibt es dann noch ein extra Schmankerl in Öl.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Weil der eine "Stiertanz" sagte und der andere "Biertanz" verstand, entstanden ironisch, karikatureske Stilstudien, Portraits und Skurrilitäten, die Bierkultur durchaus hintergründig und in Farbe wiedergeben. Die kleine Ausstellung im ebenso kleinen Bräustüberl von Ludwig Koch gründet in diesem Missverständnis bei einem Gespräch, dass der Brauer mit dem Neustädter Künstler Stefan Schadeck führte, und das der Schau auch gleich ihren Titel gab. Geplant waren ein paar Werke, die der Neustädter über Weihnachten fürs Frühjahr malen wollte. Das Frühjahr, in dem Corona kam. Jetzt sind die Bilder noch bis Ende Oktober mittwochs von 17 bis 21 Uhr zusammen mit dem Bier zu genießen.

Bier und Kultur liegen für Koch nahe beieinander. "Das Wirtshaus ist eine Art Plattform zum zwischenmenschlichen Austausch." Der Brauer bezeichnet sich als einen Freund der Vielfalt und will über die geschmacksreichen Möglichkeiten der Braukunst hinaus zeigen, was es in der Region gebe. "Bier ist ein vielseitiges Kulturgut, dass man nicht nur mit gutem Essen sondern auch mit Bildern auf der Leinwand kombinieren kann."

"Jedes Bild aus diesem Zyklus erzählt eine Geschichte", meint Schadeck. Das Stiertanz-Biertanz-Gespräch im Dezember 2019 sei für ihn wie ein Funke gewesen, der die Bilder im Kopf habe entstehen lassen. "Alles hängt mit Bier und zwischenmenschlichen Beziehungen zusammen." Ja, diese Bierkultur lasse Menschen zusammensitzen und reden und essen. "Hier werden Witze gerissen, es entstehen Situationen, von denen man später erzählt", beschreibt Koch die Situation. "Das ist allemal schöner, als alleine vor dem Fernseher zu hocken."

In den zumeist kleinformatigen Tempera-Gemälden auf hochwertigem dickem Büttenpapier beschreibt Schadeck künstlerisch Verbindungen zwischen Menschen und dem Leben zum Teil mit mehr oder weniger zitierten Andeutungen auf die Gäste und Räume des Bräustüberls bis hin zu den übernommenen Aufschriften auf der großen Tafel neben dem Tresen. Schadecks Mittel sind die der Ironie mit mitunter surreal, karikaturenhaft übertriebenen Elementen in Mimik und Gestik der Figuren. "Es ist mir eine Freude, das wiederzugeben, was vor dem inneren Auge entsteht."

Das Portrait, dass der Maler dem Brauer, den er seit dessen 16. Lebensjahr kennt, gewidmet hat, entspricht ziemlich genau dem, was Koch ein Bild von einem Bier nennt: Aus einem Holzfass mit Messinghahn frisch gezapft mit Schaumkrone in einem durch die Kellerkühle des Gerstensafts leicht angelaufenem Glas. Koch: "Bier ist ein Kulturgut und Botschafter Bayerns." Er erinnert aber auch daran, dass Kriege wegen des Biers und mit dem Geld aus dem Bierverkauf geführt worden sind.

Wie brünftige Hirsche knallen die Männer bei Schadecks „Bierkampf“ zusammen. Ausgelassen, deftig geht es beim „Bierballet“, dem Lieblingsbild des Künstlers in diesem Zyklus, zur Sache. Er bezeichnet es geradezu als Lust, Szenen und Menschengruppen zu entwerfen. Dabei entstehen die „Weizenbierecke“ oder „3 Männer mit Bart“ als ironische Momente. Stammgäste, Typen wie Bierdoktor Johannes Sauer oder weihnachtliche Motive vom Adventskranz bis zu Ochs und Esel hat Schadeck in Öl humorvoll zusammengeführt. "Wenn die Leute Schmunzeln, bin ich froh. Es soll ja nicht alles bierernst sein."

Floss
Hintergrund:

Stefan Schadeck: Eine Ausstellung läuft, zwei stehen an

  • "Biertanz" noch bis Ende Oktober jeweils mittwochs von 17 bis 21 Uhr im Flosser Brauhaus.
  • "Unten am Fluss" am 18. und 19. September, von 10 bis 18 Uhr beim Kunst- und Kulturverein Hausfluss in Neustadt; Eröffnung am 17. September um 19 Uhr.
  • Oberpfälzer Kunstverein, Herbstausstellung in Weiden mit rund 40 Künstlern, geplant Anfang November.

"Bier ist ein vielseitiges Kulturgut, dass man nicht nur mit gutem Essen sondern auch mit Bildern auf der Leinwand kombinieren kann."

Ludwig Koch

 

 

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