12.02.2019 - 15:37 Uhr
FlossOberpfalz

"Entscheidung grundsätzlich richtig, aber zu spät"

Der 1. FC Nürnberg hat sich von seinem Oberpfälzer Trainer Michael Köllner getrennt. Auch Sportvorstand Andreas Bornemann, der bis zuletzt an ihm festgehalten hatte, musste gehen. Das sagen die Fans in der Region zu dem Rauswurf.

Clubfans wissen, worauf sie sich einlassen: "Beim Glubb wird es nie langweilig. Ich liebe diesen Verein", stand beim Bundesligaspiel des 1. FC Nürnberg gegen 1899 Hoffenheim am 8. Spieltag im Max-Morlock-Stadion auf einem Banner.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

"Der Trainer und der Sportchef können nicht viel dafür, die Mannschaft ist einfach nicht gut genug", meint Peter Späth, Kassier des FCN-Fanclubs Floß. "Der Club hat kein Geld, dann muss man halt damit leben." Weiterer Grund: "Zum Unvermögen kam dann auch noch das Pech dazu", sagt Späth wegen einiger verletzter Spieler. Interimsmäßig übernehmen der bisherige Co-Trainer Boris Schommers und Club-Legende Marek Mintal das Team. Daher hofft der Flosser, dass der frühere Mittelfeldspieler die Elf "vielleicht motivieren kann, um nochmal anzugreifen". Dennoch hält Späth den Klassenerhalt für "fast unmöglich", selbst ein Relegationsplatz werde "sehr schwierig".

Ähnlich sieht es Matthias Möschl, Vorsitzender der Clubfreunde Flossenbürg: "Ob's am Trainer gelegen hat, weiß ich nicht. Die Mannschaft hat nicht die Stärke für die Bundesliga." Aber der Rauswurf sei eben "die einzige Möglichkeit, etwas zu ändern, die Mannschaft können sie ja nicht entlassen". Fraglich sei jedoch, "ob sich etwas ändert". Möschl und seine Mitstreiter "hoffen auf den Klassenerhalt, das wird aber schwierig". Darüber habe es im Fanclub viele Diskussionen gegeben. "Ich denke, dass die den Relegationsplatz schaffen", ist der Vorsitzende zuversichtlich.

Daniel Vater, Chef der Pleysteiner Clubfans, findet die "Entscheidung grundsätzlich richtig, aber zu spät". Bereits vor der Winterpause sei "ein Abwärtstrend erkennbar" gewesen, "da hätte der Verein schon die Notbremse ziehen müssen, um einen neuen Trainer und einige Verstärkungen zu verpflichten". Die Interimslösung mit Mintal "könnte Schwung reinbringen", aber für Vater ist der Abstieg angesichts des schwierigen Restprogramms des Clubs mit Spielen gegen Dortmund, Bayern München, Leverkusen oder Mönchengladbach "wohl kaum vermeidbar".

Nicht zu vermeiden war laut Bernhard Lindner, der den FCN-Fanclub in Waldthurn leitet, auch der Abschied von Köllner. "Grundsätzlich ist nicht viel zu retten, das Potenzial der Mannschaft ist einfach nicht erstligareif. Man sucht immer einen Schuldigen, das ist dann der Trainer und in dem Fall auch der Sportvorstand." Finanziell stehe der Verein nicht gut da, das Umfeld mache Druck "und der Vorstand muss sich dann entscheiden". Die Interimslösung werde nur zwei, drei Spiele dauern. Mintal habe als Club-Legende zwar "einen Bonus bei den Fans, ich glaube aber nicht, dass er etwas bewirkt", meint Lindner.

In Waidhaus ist Franz Kaas der Clubberer schlechthin. Er hat den dortigen Fanclub mit gegründet und ist heute Kassier. "Köllner hätte gepasst", er habe auch immer die Nähe der Fans gesucht, bedauert Kaas die Entlassung. "Aber so ist das halt im Fußball, das wird alles immer mehr ein Geschäft." Auch fachlich sei nichts gegen den Fuchsmühler einzuwenden gewesen, "aber die Qualität der Mannschaft reicht nicht". Allerdings habe Köllner "die Aufstellung zu oft gewechselt". Die Trennung "hat sich abgezeichnet aber ich bezweifle, dass es etwas bringt", meint Kaas. "Der Club hat kein Geld, daher war von Haus aus klar, das die Mannschaft gegen den Abstieg spielt. Ich glaube nicht, dass sie den Klassenerhalt schafft."

Auch Helmut Süß, Vorsitzender des 1.-FC-Nürnberg-Fanclubs Leuchtenberg, hat nach anfänglicher Skepsis viel von Köllner gehalten. Nach dem Aufstieg lief es am Anfang in der Bundesliga auch recht gut, "15 Spiele ohne Sieg und der schlechte Auftritt im DFB-Pokal brachten das Fass aber wohl zum Überlaufen". Wie seine Kollegen glaubt auch Süß, dass "es an der Qualität in der Mannschaft" fehlt. "Ich glaube nicht, dass ein neuer Trainer viel bewirken kann." Bei drei Punkten Rückstand auf Stuttgart sei "maximal der Relegationsplatz" realistisch, findet der Leuchtenberger.

So kompliziert war die Entlassung von Michael Köllner

Nürnberg
Michael Köllner hat immer die Nähe der Fans gesucht, wie hier bei einem Testspiel der Nürnberger gegen Dukla Prag im September auf dem Sportgelände der DJK Seugast. Daher bedauern einige Club-Anhänger auch seinen Rauswurf.

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