19.04.2019 - 18:14 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Antisemitismus ist ein Verbrechen

Facebook ist nicht nur hierzulande wegen der Verbreitung von Hass in der Kritik. Auch Amerikaner, wie Paul Packer, Präsident einer Regierungskommission, rügen die Plattform.

Der amerikanische Botschafter in Berlin, Richard Grenell (von links), der Arzt und Autor Jack Terry und der Präsident der US-Kommission zur Bewahrung amerikanischen Erbes im Ausland, Paul Packer, betrachten die Kränze zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Flossenbürg.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der Präsident der US-Kommission zur Bewahrung amerikanischen Erbes im Ausland, Paul Packer, hat seine Forderung, dass Holocaust-Leugnung auf der Plattform Facebook geblockt werden müsse, bekräftigt. Schon vergangenes Jahr, im Juli 2018, hatte der New Yorker Facebook scharf kritisiert, weil dessen Gründer Mark Zuckerberg es abgelehnt hatte, die Leugnung des Holocausts zu blockieren.

"Holocaust-Leugnung ist ein Verbrechen", sagte der Präsident der unabhängigen US-Regierungskommission im Gespräch am Rande seines Besuches beim Gedenkakt zur Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN). "Es sollte überall geächtet sein." Packer, der seit Oktober 2017 Präsident der unabhängigen Regierungagentur "U.S. Commission to Preserve America's Heritage Abroad" ist, verwies auf die Beispiele Deutschland und Frankreich. In beiden Ländern ist die Leugnung des Holocausts unter Strafe gestellt. Unglücklicherweise werde Holocaust-Leugnung in den USA als freie Meinungsäußerung bewertet. In seinen jüngsten Schreiben an Facebook habe er die Plattform für ihre Entscheidung "White Nationalists" und "White Supremacists" zu verbannen gelobt. Gleichzeitig kritisierte er Facebook erneut, weil die Plattform weiter den "schrecklichen Fehler" begehe, Holocaust-Leugnung nicht zu bannen.

US-Regierung dem "Nie wieder" verpflichtet

Packer machte deutlich, dass Versuche, die Geschichte umzuschreiben, von der amerikanischen Regierung nicht akzeptiert würden. Die gegenwärtige Regierung sei dem "Nie wieder" verpflichtet. Packer erinnerte daran, dass US-Präsident Donald Trump Holocaust-Überlebende und Veteranen, die Konzentrationslager befreit hätten, eingeladen hat. Zudem verwies er auf die Rede des US-Außenministers Mike Pompeo vor wenigen Wochen, in der dieser den wachsenden Antisemitismus beklagt hatte. Für Packer ein klares Signal an alle, in den USA, aber auch an Verbündete, dass die Vereinigten Staaten Antisemitismus nicht dulden.

Die Kommission, die Packer leitet, war vor 26 Jahren vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan eingerichtet worden, um außerhalb der Vereinigten Staaten historisches Erbe und historische Stätten, die für Amerikaner und ihre Vorfahren von Bedeutung sind, zu schützen und zu erhalten. Dazu zählt seit einer Woche auch die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, als dritter Ort in Deutschland. Zur Begründung verweist Packer auf den Arzt und Autor Jack Terry, der in die USA ein erfolgreiches leben führe. Packer lässt erkennen, dass er Terry dafür bewundert immer wieder nach Flossenbürg gereist zu sein, so wie zum jüngsten Gedenkakt.

Die Tafel, mit der die Gedenkstätte in Flossenbürg zum amerikanischen Kulturerbe erklärt wird, erinnert an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Dieser sei für viele evangelische Christen in den USA wichtig, sagte Packer. Seine Würdigung sei ein Zeichen, dass im Holocaust nicht nur Juden, sondern auch andere Religionen und Volksgruppen ermordet wurden. Deshalb fördert die Kommission auch die Bonhoeffer-Initiative, eine Webseite gestaltet vom evangelischen Dekanat Weiden. Für Packer ein Projekt im Hinblick auf den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg im nächsten Jahr.

Beim Marsch der Lebenden

Packer versteht seine Aufgabe umfassender, er will nicht nur ein oder zwei Gedenkfeiern im Jahr besuchen. Anfang Mai beteiligt er sich zusammen mit den wichtigsten US-Botschaftern in Europa am Marsch der Lebenden, dem Gedenkmarsch vom Konzentrationslager Auschwitz zum Vernichtungslager Birkenau in Polen.

Bisher liegt der Fokus der Arbeit seiner Kommission auf Osteuropa, sagte Packer und erzählt vom Beispiel Albanien, das erfolgreich Juden vor dem deutschen Zugriff geschützt habe. Künftig werde der Auftrag aber auch auf Nordafrika ausgedehnt. In Marokko habe er schon sehr erfolgreiche Gespräche geführt.

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