14.04.2019 - 21:20 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Redner beim Gedenkakt in Flossenbürg bekräftigen das "Nie wieder"

Die Sorge, was wird, wenn es keine Überlebenden mehr gibt, die von den Gräuel der Konzentrationslager berichten, ist beim Gedenkakt zu spüren. Doch es herrscht auch Zuversicht. Es gibt viele, die sich dem "Nie wieder" verpflichtet fühlen.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Ganz am Ende des Gedenkaktes zum 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg bekam am Sonntag der an diesem Orte ermordete Dietrich Bonhoeffer eine Stimme. Jack Terry, selbst in Flossenbürg inhaftiert und im Alter von 15 Jahren befreit, zitierte den evangelischen Theologen. "Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianische Choräle singen." Der 89-jährige Mediziner und Psychiater Terry, der heute in New York lebt, brachte damit seiner Sorge über den wachsenden Antisemitismus hierzulande, aber auch in aller Welt zu Ausdruck. Dann bat er um eine Gedenkminute für diejenigen, die in an diesem Ort ermordet wurden.

Mehr als 100 000 Menschen aus 47 Nationen waren im Konzentrationslager Flossenbürg und seinen Außenlagern inhaftiert, 30 000 wurden ermordet. Ihrer wurde unter anderem mit den Kränzen gedacht, die Jugendliche ins Tal des Todes trugen und am Platz der Nationen ablegten. Dort enthüllte der US-Botschafter in Berlin Richard Grenell zusammen mit dem Präsidenten der Kommission zu Bewahrung amerikanischen Kulturerbes im Ausland, Paul Packer, eine Gedenktafel. Diese erinnert an Bonhoeffer und erhebt die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zum amerikanischen Kulturerbe. Maghan Gregonis, US-Generalkonsulin in München, sagte nach der Zeremonie, dies sei ein Zeichen für "die starke und dauerhafte Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland". Es sei wichtig für ihr Land Flossenbürg als kulturelles Erbe für die Amerikaner anzuerkennen. Die Gedenkstätte ist damit der dritte deutsche Ort.

Im Aufstand gekämpft

An diesem Wochenende waren zehn Überlebende und rund 260 Angehörige von KZ-Opfern in die Oberpfalz gekommen. "P23591" war seine Häftlingsnummer sagte Professor Leszek Zukowski. Er hatte als 15-Jähriger im Warschauer Aufstand von 1944 gekämpft, war dann nach Flossenbürg verschleppt worden und im April 1945 auf einen der Todesmärsche nach Dachau getrieben worden. Zukowski sprach über die Enge in den Baracken, bis zu 900 seien es in der Jugendbaracke gewesen, und über die harte Arbeit. Er berichtete vom Tod seines Onkels, der mit ihm nach Flossenbürg gebracht worden war. Und: Zukowski erzählte, dass sie zu Hause in Polen nur untereinander über die Zeit im Konzentrationslager gesprochen hätten. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hätten sie begonnen, in Schulen zu berichten.

Jack Terry spricht mit Schülern über seine Zeit als Häftling im Konzentrationslager

Flossenbürg

Die Häftlingsnummer ist eines der Dinge, die viele ehemalige Häftlinge nie vergessen, selbst in der Todesstunde nicht. Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit erzählte in seiner Begrüßung von Venanzio Gibillini. Der ehemalige KZ-Häftling und Zeitzeuge aus Italien ist im Januar im Alter von 95 Jahren gestorben. Als die Ärzte nach einem Schlaganfall dessen Erinnerungsvermögen prüften, habe ihnen Gibllini seine Häftlingsnummer aus Flossenbürg genannt.

Josef Salomonovic spricht in Flossenbürg

Flossenbürg

Die Reden bei dem Festakt zur Befreiung des Konzentrationslagers am 23. April 1945 durch amerikanische Truppen waren bewegend aber auch sehr kämpferisch. Das Bekenntnis zum "Nie wieder" wurde von allen hochgehalten, Amerikanern und Deutschen. Botschafter Grenell würdigte in einer sehr persönlich gehaltenen Rede Bonhoeffer und dessen Denken. Dieses habe ihm selbst in einer Lebenskrise, als er an Krebs erkrankt war, geholfen. "In dem er für seine Überzeugungen den Tod riskierte, lehrte er uns wie man eine erfülltes Leben führen kann." Auch Packer hob die Bedeutung des evangelischen Theologen hervor.

Ort des Friedens

Wie Grenell und Packer unterstrich Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die Verdienste von Jack Terry. Dieser habe viel dazu beigetragen, dass die Gedenkstätte so ist, wie sie heute ist. Flossenbürg sei zu einem "Ort des internationalen Friedens geworden". Doch dieser Ort ist nicht fertig. Wie Freller sprach auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, den Steinbruch an: "Wir warten zudem darauf, dass die Nutzung des Steinbruchs ausläuft und auch dieser einstige Ort des Grauens und tausendfachen Sterbens zum Gedenkort wird."

Ein Text zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Nach Freller warb auch Kultusminister Michael Piazolo für Europa als Antwort gegen den wachsenden Nationalismus. Und der Minister mahnte. "Das was wir jetzt sehen ist, dass Demokratie und Freiheit, jeden Tag neu erstritten werden müssen."

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